#10 Behinderung und Sprache: Wie sagt man es denn nun?

ein Rollstuhlrat ist zu sehen und eine weiße Hand, die eine Ankerkette um das Rollstuhlrad anbringt.
An den Rollstuhl fesseln? Nur wenn man eine Ankerkette zur Hand hat. Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de
Lesezeit ca. < 1 Minute

Sprache bedeutet Macht, klischeehafte Begriffe halten sich hartnäckig. In Folge 10 unseres Bayern2-Podcasts sprechen wir darüber, wie Sprache diskriminierungsfrei und sensibel benutzt werden kann.

Das Transkript zur Podcastfolge “Sprache und Behinderung”

Alle Folgen des Podcasts zum Nachhören:

Es beginnt schon bei Behinderung – dafür gibt es viele verschiedene Bezeichnungen: Einschränkung, Beeinträchtigung, besondere Bedürfnisse, Handicap. Wir erklären in der aktuellen Folge, warum man doch beim Wort “Behinderung” bleiben sollte:

Sensible Sprache ist die Aufgabe aller

Sensible und diskriminierungsfreie Sprache zu benutzen, schafft man allerdings nur, wenn man im Austausch bleibt. Wir sprechen über Ausdrücke, “die man halt mal sagt”, wie “blinder Fleck” oder “auf dem rechten Auge blind” und fragen euch und uns, womit wir sie in Zukunft ersetzen können. Wir sprechen ganz praktisch über die sich hartnäckig haltenden Formulierungen wie “an den Rollstuhl gefesselt” und “an einer Behinderung leiden” und welche Alternativen es dazu gibt. Außerdem beantworten wir die Frage, ob Raul schwer in Ordnung ist, oder nicht.  

Ein Schwerbehindertenausweiß zeigt eine junge Frau mit Down-Syndrom. Der Titel "Schwerbehindertenausweis ist mit einem weißen Zettel überklebt, auf dem "Schwer in ordnung Ausweis" steht.

Behinderung beim Namen nennen!

Hannah Kiesbye rief den “Schwer-in-Ordnung-Ausweis” ins Leben. Dafür hat sie nun den Bundesverdienstorden erhalten. Warum wir aber beim Begriff “Behinderung” bleiben sollten, kommentiert Jonas Karpa.

Weiterlesen »

Im Podcast erwähnte Links:

1. Warum wir eine politisch korrekte Sprache brauchen – Anatol Stefanowitsch beim Bayerischen Rundfunk 

2. Disability Language Styleguide – auf englisch

3. Interview mit Kübra Gümüşay zu ihrem Buch “Sprache und Sein” auf Die Neue Norm 

4. Begriffe von A-Z über Behinderung – auf Leidmedien.de

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4 Antworten

  1. ein anderes wort ist vielleicht
    “nur mit den augen sehen”

    denn menschen sehen vordergründig nur mit den augen, das geht jedem so, mir auch, dennoch
    das reicht leider nicht

    gott sieht das herz an
    und christen sind dazu berufen den anderen anzusehen in der sprache der liebe
    also nicht das was vor augen ist sondern wie gott sieht, das hat er auch gesagt,
    denn auch christen sollten sich selbst sehen, wie gott sie sieht, das hat er auch gesagt
    “geliebt”, “geachtet”, “respektiert” in ihrer würde, die nicht von menschlichen worten und gesetzen gedeckt ist, sondern durch die Liebe, die Gott am Kreuz auf Golgatha erwiesen hat…
    hier ist mehr als ein geschriebenes Wort, es ist Kraft aus der Ewigkeit

    denn jeder mensch ist dadurch geadelt, dass er gott mehr wert ist als dieser sich selbst…..
    gott liebt seinen nächsten mehr als sich selbst, und der nächste in seinen augen sind wir menschen
    wie kann ich also mich oder meinen mitmenschen herabsetzen, wo ihn gott also so sehr liebt?
    natürlich kann ich das, wenn ich gedankenlos bin, wenn ich die Liebe nicht in mir zulasse (oder zulassen kann)….
    das passiert allen menschen immer wieder, aber sollte man deshalb alles über bord werfen.
    Man kann ja auch nicht sagen, oh weil einer trotz geländer in das wasser gefallen ist, nützt das geländer nichts, wir bauen es ab….
    so sind christen immer lernende, lernende in der liebe zu sich selbst und dem nächsten
    sie fallen hin und stehen auf, sie fallen hin und stehen auf und geben nicht auf, warum, weil die Liebe Gottes auch
    nicht aufgibt… sie geht weit über das verlassen des körpers hinaus.
    sie erleben, dass Gottes “ja” jeden morgen neu gilt und bitten an der stelle von jesus christus: lasst euch versöhnen mit gott…

    Wir neigen alle dazu zu sehen, was vor augen ist.
    Aber den mitmenschen nur mit den augen zu sehen, heißt auch immer, ihn zu reduzieren, denn er ist ja mehr. Er ist mehr als ich sehe, spüre, denke, fühle und errechne, ich sehe ihn ja nur wie wenn ich den Zacken einer Briefmarke sehe. Und fremdes und ungewohntes kann angst machen. Weil es meine gewohnte eigene verhaltensweise und mein eingeübtes verhalten durchbricht. Ich werde vielleicht unsicher und weiiß nicht was jetzt passt.

    Aber gibt es überhaupt vor Gott einen unterschied?
    Ich empfinde so viele menschen in politik und gesellschaft als “behindert” – aber “in negativer form”. Ihre “Erkrankung nach Anerkennung, nach Macht, und Geld” übersieht man leicht. Und ist nicht nahezu jeder hedgefont-manager der mit der lebenssituation und gesundheit von tausenden von menschen spielt auch “sehr behindert in seinen Herzen”. Dann wäre aber “behindert” eindeutig negativ besetzt.

    Aber gibt es vor Gott einen unterschied?
    Was ist mit den vielen millionen menschen mit diabetes, oder anderen stoffwechselkrankheiten, mit den vielen sonstigen chronisch erkrankten menschen und mit den menschen die in ihrer seele verletzt sind, ohne dass dies vom versorgungsamt als “psychisch krank” festgestellt wurde.
    Sind also behinderte menschen wie andere auch am “körper” krank oder unvollständig – unvollkommen kann man ja nicht sagen…
    wo ist der unterschied, wenn eine niere fehlt, oder eine nierentransplantation stattfand und man ständig medikamente nehmen muss, um keine abstoßung zu erleben…., was man nicht gleich sieht, oder wenn die beine gehindert sind, zu laufen…. was man sieht
    da sollte sich man doch mal entscheiden dafür:
    entweder ist jeder behindert auf irgend eine art, oder sollte man sagen, jeder ist auf irgendeine art gehindert, das für “ihn” und seinen “mitmenschen” gesündeste maß (und dieser Begriff “gesündeste” das ist ja auch schon irgendwie eitel und wieder krank – ) zu leben und zu geben, dann ist jeder “eingeschränkt”
    dann sind alle “behindert”, wobei dann auch welche dabei sind, die zum unwohl ihrer mitmenschen beitragen,

    oder es ist keiner behindert – weil sie alle ihren hau auf irgendeine weise haben, auch wenn mans nicht sieht
    dann aber sollte man alle gleich behandeln, mit der gleichen würde und dem gleichen respekt, aber nicht mit ungeduld und ruppigkeit….
    also entweder alle so oder alle anderes…..
    das bedeutet, keine emotionale sonderbehandlung aufgrund des “sehens”, sondern “sonderbehandlung” nach bedarf in der jeweiligen situation – das können aber auch ganz “äußerlich gesunde personen”nötig haben.

    eine gesellschaft, die nur sieht was vor augen ist, sieht auch eher nur auf die ergebnisse, was ist produktiv, was trägt bei zum bruttosozialprodukt…., was kostet das, wie kann man diese kosten erwirtschaften, und dabei denkt man, als ob es gott nicht gäbe….??
    als ob gott sich etwas schenken lassen würde….

    in irgend einem comic wurde
    ein indianer mit “häuptling…einzahn….” benannt, später (wahrscheinlich nach einer schlägerei mit):
    “häuptling einzahn – der ihm jetzt ausgefallen ist, so dass er nun gar keinen mehr hat – oder so ähnlich….
    damit meine ich:
    “behindert” – “ich habe dich nur mit meinen augen angesehen, nicht mit meinem ganzen menschsein”

    so – das ist dass was mir spontan eingefallen ist, leider kann ich mich nicht immer begrenzen…
    auf eine korrekte groß- und kleinschreibung wurde verzichtet,

    alles gute
    h. haller

    1. Mir scheinen, dass -wenn auch ziemlich konfus- einige interessante denkenswürdige Ansätze und Gedanken dabei zu sein, die Sie leider nur (vielleicht auch nur zufällig) anschneiden, ohne diese weitrrzudrnken. Die Betrachtung der Form der Ausgrenzung rein durch eine “christliche” Brille erreicht spätestens DANN den Punkt der Unannehmbarkeit, wenn -für mich: die Fiktion- “gott” zitiert wird (als wären Sie bei seiner/ihrer/dessen (?) Ankündigung oder Rede dabei gewesen), diese ‘Fiktion’ “gott” als ein “er” dargestellt wird und auch noch, dass diese vermeintliche Ankündigung (“Gott sprach…”) sich ausschließlich auf ‘Christen’ bezieht, wodurch Milliarden von nicht-Christ*innen ausgegrenzt werden. Hierdurch stolpern Sie nach dieser unglücklichen Einleitung im Laufe Ihrer willkürlich angeschnittenen Gedanken von einer zur anderen Widersprüchlichkeit. Es ist seit Jahrhunderten zu beobachten, dass Religionen den Grundstein für Ausgrenzung, Vernichtung und Unterdrückung gelegt haben und diese/s ausleben und am leben erhalten, weil sie erst dadurch Wirkung finden. Ob Kriege z.B. in Nah-Ost oder etliche Missbräuche & Vergewaltigungen in/um Kirchen im Namen der ‘Fiktionen’ (“gott”, “allah” usw.) LEBEN eine-mittlerweile- unverrückbar gewordene Form der Ausgrenzung, Unterdrückung, Misshandlung und Auslöschung von Menschen und des Mensch-Seins. Nirgends setzen sich Religionen für Frieden und ein friedliches Miteinander ein, ohne den Selbstzweck zu berücksichtigen und Glaubens-Überzeugung zu leisten. Eine Denkerin äußerte einmal über Religionen die Bezeichnung eines “mentalen Faschismus’ ” und traf sichtbar die Wunde. Ich denke daher, dass es hier um gar nicht um irgendwelche religiösen Ansichten geht, sondern genau um das Gegenteil; NICHT auszugrenzen; NICHT Formen des Miteinanders zu “predigen”, von denen wir wissen, wieviel Ausgrenzung bis Elend diese gebracht haben -> und vor allem NICHT die ausgrenzende Sprache genau dieser mono-perspektivischen Ansichten zu meinem Werkzeug machend diese Diskriminierung auch noch zu bestärken. Es geht darum, Mensch-Sein zu dürfen ohne sich vor jeglichen religiösen, medizinischen, diagnostischen, politischen und wirtschaftlichen… Ansichten und ihrer diskriminierenden und ausgrenzenden Semantik als Mensch rechtfertigen zu müssen.

  2. Danke für dein Kommentar. Ich fand besonders den letzten Satz sehr inspirierend:
    “behindert” – “ich habe dich nur mit meinen augen angesehen, nicht mit meinem ganzen menschsein”

    Aber auch das du Gott eingebracht hast..Er sieht uns ja alle aus einer anderen Perspektive und da geht’s nicht um das Äußere im wesentlichen, sondern der innere Mensch steht im Fokus. Ich habe erlebt das errettete Christen einen ganz natürlichen Umgang mit meiner körperlichen Behinderung pflegen und das Menschsein im Vordergrund steht.

    Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass Menschen, die entweder nicht mit dem biblischen Gott sind oder sich mit dem Thema aus persönlichen Gründen nie auseinander gesetzt haben, nur mit den Augen sehen können und deswegen auch viel über das Äußere (also das Körperliche) sprechen können. Daher wird auch so viel über die Begriffe diskutiert. Da jeder eine eigene An”sicht” hat geprägt von Erziehung, Ökonomie, Kultur und Geschichte und dem streben nach dem “perfekten gesunden und die Unsterblichkeit des Menschen”.
    Aber die vielschichtigkeit jedes Einzelnen wird leider erst in der individuellen Konfrontation mit der Person erkannt und gesehen. Dann erst sind Begriffe gar nicht mehr so relevant oder erhalten neue Bedeutungen.

  3. Kleiner Hinweis vorab:
    Mit den Tasten Strg und + kann man den Text vergrößern, gegebenfalls mehrmals + und mit – auch wieder verkleinern.

    Die Anbieter von Software haben die Nutzerfreundlichkeit (Usability) ihrer Systeme leider immer noch nicht so gut erreicht, wie es schon sein könnte. (nicht nur zum Leidwesen von technischen RedakteurInnen)

    Aber nun zum Text:
    Die Kommentare hier sind alle sehr geistreich und toll. Wow! Ein großes Danke. Der Podcast ist auch super.

    Ich bin (ähnlich wie S.Kara) der Meinung, dass Sprache unbedingt dazu dienen sollte, möglichst alle Menschen mit ins Boot zu holen. Allein schon, weil Ausgrenzung und Ausgeschlossensein doch eher keine positive Erfahrung bedeuten.
    Das heißt zuerst immer ich, also in diesem Fall ich. Als ein Mensch, der “mental” irgendwie die Herausforderung zu lieben hat, muss (noch immer) Ich-Stärke und Selbstbewusstsein trainiert werden. Deshalb kommen auch vergleichsweise viele Ich-Sätze vor, die schon auch anstrengen können.

    Als “Augenmensch” bin ich zugegeben sehr froh, dass das mit dem Sehen im Großen und Ganzen ganz gut klappt, meine ich. Bücher und Lesen sind eine persönliche Leidenschaft, aber ich bin zum Beispiel auch sehr ein Tastmensch. Mit fortschreitendem Alter werden die Brillengläser immer dicker (oder teurer, die Technik wird besser). Und auch mit dem Lernen von neuen Sprachen wird es etwas schwieriger, nicht nur für so einen sehschwachen Menschen wie mich.

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