Behinderung beim Namen nennen!

Ein Schwerbehindertenausweiß zeigt eine junge Frau mit Down-Syndrom. Der Titel "Schwerbehindertenausweis ist mit einem weißen Zettel überklebt, auf dem "Schwer in ordnung Ausweis" steht.
So sieht der von Hannah Kiesbye vorgeschlagene "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" aus, für deren Idee sie nun ausgezeichnet wurde. Foto: Kai Bruhn
Lesezeit ca. 4 Minuten

Hannah Kiesbye rief den “Schwer-in-Ordnung-Ausweis” ins Leben. Dafür hat sie nun den Bundesverdienstorden erhalten. Warum wir aber beim Begriff “Behinderung” bleiben sollten, kommentiert Jonas Karpa. 

Informationen in Einfacher Sprache:

  • Hannah Kiesbye hat das Down-Syndrom
  • Sie möchte, dass es nicht mehr Schwer-Behinderten-Ausweis heißt, sondern Schwer-in-Ordnung-Ausweis
  • Nun wurde sie für diese Idee mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet
  • Jonas Karpa meint, dass wir das Wort Behinderung trotzdem weiter benutzen sollten 

Hannah Kiesbye hat das Down-Syndrom. Wie knapp acht Millionen andere Deutsche ist auch sie im Besitz eines Schwerbehindertenausweises, durch den ihre Behinderung offiziell anerkannt ist und der sie dazu berechtigt, Hilfsmittel und Nachteilsausgleiche zu bekommen.

Hannah Kiesbye fühlt sich aber nicht als schwerbehindert, sondern “schwer-in-Ordnung”. Daraus entwickelte sie die Idee, eines “Schwer-in-Ordnung-Ausweises”, für den sie nun den Bundesverdienstorden erhalten hat. 

2017 veröffentlichte die damals 14-jährige einen Text im Magazins „KIDS Aktuell“ des Hamburger Vereins KIDS Hamburg e. V. – Kontakt- und Informationszentrum Down-Syndrom, der sich für Menschen mit Down-Syndrom einsetzt.

“Ich möchte das mein Ausweis umbenannt wird. Ich möchte, dass er Schwer in Ordnung Ausweis heißt. Ich finde Schwerbehindertenausweis ist nicht der richtige Name für meinen Ausweis. Ich möchte lieber das der Schwer in Ordnung Ausweis genannt wird.
Ich stelle mir vor: Ich hab mir einen Schwer in Ordnung Ausweis gekauft und jetzt stehe ich in Pinneberg an der Bushaltestelle und freue mich. Der Bus kommt, ich steige ein und zeige stolz meinen neuen Ausweis vor. Ich fahre von Pinneberg nach Hause zurück. Es ist Winter und mir ist kalt. Zu Hause angekommen staunen Mama (Inge) und Papa (Kai) nicht schlecht, als ich plötzlich mit meinem Schwer in Ordnung Ausweis vor ihnen stehe. Sie fragen verblüfft: „Was ist das denn?“ Ich sage stolz: „Mein neuer Schwer in Ordnung Ausweis! Guckt euch den mal an!“ Beide im Chor: „Wow, cooles Teil!“ Ich sag: „Ja, nicht?“ Dann gibt es Abendbrot, dann geht es ins Bett. Ich höre noch Lied 16 von der Band RADAU. Dann schlafe ich ein.[...]”

Hannah Kiesbye

Es ist wichtig, dass Menschen mit Behinderungen gehört werden – insbesondere, wenn sie auf Missstände aufmerksam machen. Aber werden diese Missstände, die weit über die Bezeichnung eines staatlichen Dokumentes gehen, dadurch beseitigt? Eher nicht. Stattdessen wird in der Bevölkerung weiterhin der Irrglaube verbreitet, “Behinderung” sei ein tabuisiertes Wort, das man auf jeden Fall vermeiden müsste. Es sei herabwürdigend und käme einer Beschimpfung gleich. Neue, vermeintlich unproblematische Wörter wie “Handicap” oder Menschen mit besonderen Bedürfnissen” werden benutzt. Dabei ist nicht jeder Mensch mit Behinderungen “schwer in Ordnung”, oder gar besonders. Es gibt hier die gleiche Vielfalt an sympathischen und unsympathischen Menschen wie bei Nichtbehinderten auch.

Es geht nicht darum, eine junge Frau für ihr Engagement zu kritisieren, oder es nicht anzuerkennen, dass sie vielleicht das große Glück hat, als Mensch mit Behinderung in ihrem Leben eben nicht durch Diskriminierung oder Barrieren behindert zu werden. Sondern es ist erstaunlich, wie die Gesellschaft auf den Vorschlag von Hannah Kiesbye reagiert. Sie wird für den Vorschlag gelobt, sich als “in Ordnung” einstufen zu wollen. Wir sollten uns an dieser Stelle fragen, warum behinderte Menschen sich genötigt fühlen, darauf aufmerksam zu machen, dass sie “in Ordnung” sind.

Natürlich kann auch Sprache diskriminierend sein, aber das Wort “Behinderung” ist erstmal weder beleidigend noch herabsetzend. Vielmehr impliziert “Mensch mit Behinderung” neben dem medizinischen Modell – also der Tatsache der Behinderung, die durch Erkrankung oder einen Unfall gegeben ist – auch das soziale Modell: die Behinderung durch die Gesellschaft, durch Diskriminierung, Barrieren und fehlende Teilhabe. 

Das Negieren, oder das nicht Aussprechen von Behinderungen, nimmt dabei den Druck von den verantwortlichen Personen, endlich die Richtlinien der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen, die eben jene Behinderungen entstehen lassen. 

Durch eine Umbenennung eines Dokuments wird der Fokus von den Barrieren und strukturellen Diskriminierungen wieder auf die Person verschoben. Man hat bisweilen das Gefühl, dass behinderte Menschen mit Euphemismen darum werben müssen, endlich zur Gesellschaft dazuzugehören. “Schaut mal ihr Nichtbehinderten, ihr müsst keine Berührungsängste haben, ich bin in Ordnung und ich möchte einfach nur dazugehören.“ Behinderte Menschen sollten nicht den Drang verspüren, ihre Behinderung verstecken oder herunterspielen zu müssen. 

Die ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, sagte im November 2017 in einem Interview auf Spiegel Online:

„Das Schwer-in-Ordnung-Sein braucht man bei Menschen mit Behinderungen nicht besonders hervor[zu]heben. Besser wäre es [ihrer Meinung nach], das Dokument umzubenennen in Teilhabeausweis oder Inklusionsausweis.“ Des Weiteren ist Bentele der Meinung, dass „[…] es besser [wäre], Tatsachen zu benennen, ohne sie zu bewerten.”

Verena Bentele

Teilhabe und Inklusion – das sind Begriffe, die man nur gesamtgesellschaftlich mit Bedeutung füllen kann. Nun wird Hannah Kiesbye mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. In der Begründung des Bundespräsidenten heißt es unter anderem: “Hannah Kiesbye setzt sich aktiv ein und vertritt ihre Interessen – ganz nach dem Grundsatz der UN-Behindertenrechtskonvention: “Nicht ohne uns über uns.” Die Umbenennung eines Ausweises, hat hier leider nur eine symbolische Bedeutung. 

Ich habe eine Behinderung und ich werde leider immer noch durch meine Umwelt behindert. Ob ich “Schwer-in-Ordnung” bin, hat mit meiner Behinderung nichts zu tun, sondern eher mit meinem Charakter. Dafür brauche ich keinen Ausweis – erst recht nicht vom Versorgungsamt.

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16 Antworten

  1. Leider ist “du bist ja behindert” oder “deine Mutter/Vater ist doch behindert” im Kontext häufig als Beschimpfung gemeint. Der Begriff Schwerbehinderte assoziiert das Negative. Statt hervorzuheben, was der Träger des Ausweises kann, wird begrifflich der schlimmste Zustand ausgedrückt. Auch Behinderte sind fröhlich, leidenschaftlich, zielstrebig, stehen voll im Berufsleben,… und meistern ihr Leben in bewundernswerter Weise, trotz der Einschränkungen.
    Hannah betont mit ihrem Vorschlag, das sie nicht über das wahrgenommen werden möchte, was sie nicht kann, sondern über das, was sie kann! Und das ist Schwer in Ordnung. Ich wünsche mir auch eine andere Bezeichnung statt Schwerbehinderten-Ausweis.

    1. Sorry, dass ist absoluter Blödsinn. Ich käme mir mit so etwas lächerlichen wie einen “schwer-in-Ordnung Ausweis“ erst recht blöd vor. Und ja, ich besitze einen Schwerbehindertenausweis mit GdB 100 und mehreren Merkzeichen. Insofern bin ich verdammt froh dass es sich nur um eine optionale Hülle handelt, dass Dokument aber korrekterweise den bestehenden Namen behält.

  2. Ich bin selbst schwerbehindert finde dieses ganzes Gerede um den angeblichen Ausweis völlig falsch. Wer in Ordnung ist entscheide doch nicht der Ausweis sondern das Wesen eines Menschen.
    Ich würde sagen das Geltungsbedürfnis dieser Dame sich in den Vordergrund.zu spielen ist grenzenlos und einfältig.
    Für so einen Müll das Bundesverdienstkreuz zu bekommen daran sehe ich wie weit unsere Stadt gekommen ist. Die
    Menschen die wirklich etwas leisten, werden kaum anerkannt oder gehen unser, daran sollte man arbeiten
    Ich bin froh dass es diesen Ausweis gibt denn er gibt mir sehr viele Vorteile im Leben.

  3. Was ich gerade mit meinem Antrag für die Merkzeichen aG und H auf meinem Schwebehinderten beim Versorgunsamt Mainz erlebe, ist an Diskriminierung kaum zu übertreffen. Meinem Antrag liegt ein Arbeitsunfall zu Grunde der mich aktuell in einen Rollstuhl zwingt. Das Versorgungsamt Mainz hat mit Bescheid beide Merkzeichen ohne das eine Ärztliche Untersuchung statt fand abgelehnt. Erst auf meinen Widerspruch hin wurde ich dann eingestellt. Zwischenzeitlich läuft das Verfahren mit noch offenem Ausgang. Hier wurde offensichtlich, eine willkürlich diskriminierende Entscheidung meiner Person gegenüber getroffen welche an Dreistigkeit kaum zu übertreffen ist. Sollte mein Widerspuch furchtlos bleiben, bin ich als Schwebehinderter Mensch der ohne Hilfe nicht am öffentlichen Leben Teilhaben kann genötigt beim Sozialgericht eine Klage gegen das Versorgungsamt Mainz ein zu leiten. Um meine Rechte als Körberbehinderte Person die ich nun mal, an einen Rollstuhl gefesselt bin durch zu setzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Scheel

  4. Ich bin ganz sicher nicht schwer in Ordnung. Weder schwer noch in Ordnung! Ja, ich bin im Besitz eines Schwerbehindertenausweises. Gestört habe ich mich nie daran. Ich habe ein paar körperliche Andersheiten, sie behindern mich aber gefühlt nicht, da ich mich anders nicht kenne und gar nicht sagen kann, wie ich ohne wäre. Ich werde behindert, manchmal sogar schwer. Nämlich von aussen! Kommt der Name des Ausweises nicht von daher? He, die mit dem Schwerbehindertenausweis, die werden schwer behindert von Ämtern, Krankenkassen, Arbeitgebern, Mitmenschen, Freunden, manchmal sogar von der Familie! Macht Sinn!
    Schwer in Ordnung….bitte nicht! Die sind schwer in Ordnung…das waren schon immer so Leute, bei denen du nicht weiter kamst und andere sagen, der ist gar nicht so schlimm. Ausserdem sagt mein Inneres, schwer in Ordnung klingt so nach Buddy. Ich will das gar nicht! Ich will auch mal, dass mich die Leute so richtig schlimm finden!
    Noch fieser fände ich einen Teilhabeausweis zu haben…die darf teilhaben, die darf dabei sein, … Nee, ich möchte selbst aussuchen, wo ich teilhabe.
    Was überhaupt muss der Ausweis so wichtig genommen werden. Ich gehöre dazu! Wenn ich den habe, gehts doch keinen was an, dann ist doch egal wie der heisst. Sorry, wir stammen alle vom gleichen ab, wir sind alle irgendwie da und keiner ist gleich. Ob mit oder ohne Ausweis!

  5. Als behinderter Mensch mir bissel eu Rente und Aufstockung Grundsicherung!
    Wirst du so
    Aussortiert und von Ämtern wie Dreck behandelt !
    Ich z.b sitze im Rollstuhl habe unheilbar Krebs wohne im 1.og und Aufzug 30 Treppen bis zir Straße!
    Bekomme keine geeignete wihnugcweil sie zu teuer sind ! Ein Beispiel alle kosten würden passen aber dann kommt noch Wasser und abwasser da zu ! Zack wohnug 12 Euro zu teuer !
    Nei Deutschland tut nic für behinderte ! Hier muss man sehen das man klar kommt auf Hilfe braucht man nicht hoffen von ämter !
    Man wird hingehalten muss 1000 arteste vorlegen damit man überhaupt anerkannt wird vom sozial Amt und dann werden einen nur Steine in den weg gelegt und man wird schikaniert aufs aller feinste !
    Was ist das für ein Land das für seine schwächsten Mitmensch nichts macht und sie vernachlässigt!
    Was bringen mir Rollstuhl Rampen wenn ich nicht aus meiner wohnug kommen ??
    Es ist mehr als traurig was diese Ämter machen !!!!

    1. 12 Euro? Wegen 12 € sollst Du diese Wohnung nicht bekommen. An Deiner Stelle würde ich mit dem Vermieter sprechen & die Situation erklären. Vielleicht hat er Verständnis und ist bereit, die Miete um diese 12 € zu senken. Ich würde es einfach mal versuchen.
      Viele Grüße aus Ostwestfalen
      Reinhard

  6. Bin selbst Schwerbehindert und kann meinem Vorredner nur voll und ganz beipflichten, das was einem vom Staat und seinen ganzen Ämtern so alles in den Weg gelegt wird ist wenn ich es beim Wort nehmen darf mehr behindert als meine Schwerbehinderung, mit ihr habe ich mich zusammen gefunden und wir kommen gut miteinander aus, doch mit den vielen Stolpersteinen wo einem durch Ämter usw.in den Weg gelegt werden merke ich erst Recht das ich behindert bin, sollte es nicht doch so sein dass wir dadurch eine gerechte Erleichterung erfahren sollten. Nein leider nicht wir werden regelmäßig diskriminiert und behindert behandelt, das sollte sich mal Ändern, nicht die, die eh schon “Schwerbehindert” sind. Mitleid usw. ohne Mitgefühl bringt uns hier nicht weiter.

  7. Auch ich bin schwerbehindert, und finde es mittlerweise auch völlig okay , weil man ist es ja schließlich auch. Wie die Behinderung aussieht ist völlig egal. Menschen mit Hirn, reduzieren einen nicht auf die Behinderung. Und alle anderen können eh gern bleiben.

  8. Selbst seit früher Kindheit “Schwerbehindert” mit einer Autoimmunerkrankung las ich in jedem der Kommentare schmerzlich vertautes… Ämter sind in der Tat vorwiegend die Behinderung schlechthin, doch bislang fand ich, seit ich wieder in Deutschland lebe auch keine außerbehördliche Organisation, die hilft, sich effizient mit den Behörden auseinanderzusetzen… Das bestätigt auch der hier so gerne verwendete Spruch: “Kein Kläger, kein Richter!” Tatsache ist, als Einzelkämpfer kommt man nicht weit, so funktioniert nichts im Leben. Wir müssen zusammenfinden und gemeinsam aktiv werden… Vielleicht können die Anfänge in diesem Forum gemacht werden?

  9. Als selber Schwerbehinderte finde ich es vollkommen okay das der Ausweis so heißt.
    Es liegt doch an mir wen ich den unter die Nase halte. Mal abgesehen davon das, nicht einmal Busfahrer /Schaffner usw. die Zeit hätten den sich komplett durch zu lesen.
    Grün/Orange & Wertmarke fertig Kenntnis genommen. (War selber bei einem großen deutschen Verkehrsunternehmen beschäftigt)
    Okay als Rollstuhl Fahrerin und noch Hörgerät fällt es auf das ich eingeschränkt bin. Muß sogar sagen selbst unsere Verkehrsbetriebe leben Inklusion wenn ich an einer Haltestelle bin. Sind die Fahrer immer schnell auf zack die Rampe zu klappen.

    Und das finde ich viel wichtiger, man mich teilnehmen lässt was ich machen möchte.

    Ich bin zb viel beim Sport und Ehrenamtlich auch Jugendarbeit tätig. Doch zb Lehrgang teilnehmen ist schwer ohne vorher schon beim Anbieter Gründe zu hören warum nicht geht.
    Ausnahmen gibt’s natürlich, diese Woche erst ganz positiv überrascht wurde wo sagen kann der Anbieter nimmt Inklusion ernst.
    Über meinen Landkreis kann ich auch kein schlechtes Wort verlieren, die setzen mittlerweile meiner Meinung nach die UN Behinderten Konventionen voll um. Und ermöglichen mir an vieles teilzunehmen was vor 5 Jahren noch undenkbar war.
    Ja am Anfang war es steiniger doch auch die Mitarbeiter der Behörden müssen ja erstmal lernen.
    Wenn überlege was für Anstrengungen noch vor Jahren nötig war, bis hin zu Klagen vor Gerichten.
    Da haben hier zumindest in Niedersachen viel gelernt.
    Grenzen in den Köpfen abbauen das ist wichtig, nicht immer beweisen müssen. Das bei manchen Dingen genauso gut bin wie nicht Behinderte.
    Beispiel wieso muß ich beweisen, der fast 30 Jahre Führerschein hatte, das weiterhin Auto fahren kann, daran hat die Tatsache das die Beine nicht mehr funktionieren und Rollstuhl doch nichts geändert. Außer das nun alles Hand Bedienung, warum müssen Ärzte entscheiden ob kann, TÜV das ganze nochmal überprüfen? Klar das man Fahrstunde nimmt um auf Handbedienung umzusteigen. Der Rest sollte aber wie bei nicht Behinderten steht ja in der Fahrerlaubniserverordnung, das man sich nur bei Eignung ans Steuer setzt. Dann sollte das auch bei eintretender Behinderung in der eigenen Verantwortung bleiben.

    Sowas sind meiner Meinung nach wichtigere Baustellen anstatt über die Änderung einer Ausweis Bezeichnung nachzudenken.

    PS: Wer falsche Rechtschreibung und Grammatik findet darf sie behalten.

  10. der Schwerbehindertenausweis und seine Funktion wurden hart erkämpft und ist noch gar nicht so lange hier. Ich bin sehr dankbar und froh, dass unsere Minderheit soweit Gehör verschaffen haben, dass wir unsere Rechte haben. Und ich bin stolz darauf, Teil dessen zu sein. ja, ich bin Schwerbehindert, das gehört nunmal zu meiner Identität. Und dieser Ausweis verhilft mir zu Ausgleichen, um in dieser Gesellschaft trotz Egoismus dererseits gut leben zu können. Was ist so schlimm daran, behindert zu sein, was ich so schlimm daran einen Ausweis zu haben, woraus das vermerkt ist, worüber ich Dienste bekomme, die ohne ihn niemand anerkennt ? Es ist zweckgebunden und notwendig. Vor allem, wo ist der Unterschied zu einem Schülerausweis beispielsweise? Der ermöglicht auch Reduzierungen und Rechte, die ein Mensch ohne ihn nicht bekommt. Er bestätigt einen Status. Ich könnte jetzt auch sagen, hey, ich möchte nicht als Schüler bezeichnet werden, ich fühle mich als Mensch, oder als super-typ. Trotzdem wird der Ausweis nicht umbenannt, denn es geht um die Funktion des Papiers, der die Rechte verschafft. Auf meinem Impfpass steht auch, was bei mir geimpft werden muss, und mich Kuscheltiere, denn das hilft mir nicht.

    Naja, ich scheine das etwas emotional zu sehen, ist es ja auch. Ich bin heidenfroh um meinen Ausweis, er ermöglicht mir meine 600€ Hilfsmittel im Monat von der Kasse übernommen zu bekommen, mit der Bahn zufahren, ins Schwimmbad zu kommen, in der Uni gibt er mir nötige Mehrzeit bei Klausuren und sehr sehr wichtig: ich darf auf Behindertentoiletten, ohne die wäre ich im Alltag so eingeschränkt, dass ich womöglich kaum rausgehen könnte.

  11. Ich möchte keinen,, schwer – in – Ordnung “Ausweis. Der ,,schwerbehinderten Ausweis ” bezeichnet etwas das ich bin und die Diskriminierung kommt nicht vom Namen des Ausweises sondern, von den Dingen die man erlebt wenn man so ein Dokument besitzt. Ich habe selbst eine schwere vortschreitende Autoimunerkrankung, die mir oft die Teilhaber verweht. Ich bin nicht,, schwer-in Ordnung ” oder so ich bin oft genug,,schwer kaputt” muss auch nicht drin stehen. Als ich meinem nicht behinderten Sohn von der Geschichte erzählte, meinte er das sich,, schwer in Ordnung ” noch mehr dazu anreitzen würde Menschen mit einem solchen Dokument zu diskriminieren, da es sich nach geistiger miderbemitlung anhört. Für mich die Jahre in der Arbeit mit Seelischeeinträchtigten verbracht hat, hört sich der Titel an, wie eine Klienten – Eintrittskarte für das Sommerfest einer Einrichtung. Traurig ist es das sich nicht behinderte Menschen darüber Gedanken machen was behinderte Menschen empfinden. Ich bin der Meinung, dass es uns mehr helfen könnte, eine Initiative zu ergreifen um mehr Verständnis für Behinderte zu haben als ein Dokument umzubenennen. Wie wären Werbespots mit jemanden der aussieht wie Du und ich und beim Einkaufen alles mögliche fallen lässt oder auch sehr langsam ist, als Tenor : manchmal sieht man es jemanden nicht an, aber Behinderung hat viele Gesichter.. Diese tägliche Diskriminierung kennt jeder der nicht so mithalten kann. Und es wird auch durch einen weichen fast schon labberigen Ausdruck im Dokument nicht besser.

  12. Ich möchte auch gern den Begriff “Schwerbehindertenausweis” behalten! Er sagt nämlich genau aus, was Gesellschaft und Staat mit uns “Behinderten” trotz UN-BRK auch heute noch treiben; nämlich im Alltag oft noch “behindern” und bewusst sowie unbewusst zu diskriminieren. Wenn dem nicht so wäre, bräuchten wir solche Ausweise erst gar nicht.

    Die Verleihung des Bundesverdienstordens an Hannah ist in meinen Augen einem Ableismus durch das Bundespräsidialamt gleichzusetzen.

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