#13 Internalisierter Ableismus

Eine weiße Tänzerin mit Downsyndrom legt ihre Hände auf ihren Oberkörper.
Was können wir tun, um den internalisierten Ableismus zu überwinden? Im Podcast nähern wir uns einer Antwort darauf. Foto: Daniela Buchholz | danielabuchholz.de
Lesezeit ca. 2 Minuten

Internalisierter Ableismus – dieses Phänomen tritt auf, wenn behinderte Menschen die Vorurteile und Diskriminierungen, die sie erleben, unbewusst verinnerlichen oder ihnen sogar bewusst zustimmen. Darüber sprechen wir in der neuen Folge unseres Bayern2 – Podcasts.

Das Transkript zur Podcastfolge “Internaliserter Ableismus”

Alle Folgen des Podcasts zum Nachhören:

Able- Was? 

Die Journalistin Rebecca Maskos definiert Ableismus in ihrem Text “Warum Ableismus Nichtbehinderten hilft, sich ‘normal’ zu fühlen” wie folgt: “Ableismus zeigt sich, wenn wir als kompetentes Subjekt auf Augenhöhe gar nicht vorkommen, wenn wir unsichtbar scheinen, wenn über unseren Kopf hinweg über uns entschieden wird. Wenn unsere Freund*innen und Partner*innen als unsere „Betreuer*innen“ angesprochen werden. Ableistische Denkmuster führen alles, was wir tun, auf unsere Behinderung zurück: Wir sind schlecht gelaunt, mürrisch und einzelgängerisch oder aber neugierig, freundlich und nett, vermeintlich weil wir behindert sind. Oder aber, wir tun alles trotz unserer Behinderung – unser Leben sei einzig und allein darauf ausgerichtet, unsere Behinderung zu überwinden. 

Ableismus lässt uns als vielschichtige Person verschwinden, hinter einer Wand von stereotypen Annahmen. Zum Beispiel, dass unsere Behinderung uns verbittert und depressiv macht, und dass es deshalb viel Mut braucht, wenn wir ein ‘ganz normales Leben’ führen. Oder, dass wir in allen Lebensbereichen hilflos und unfähig sind. Ableistisch ist die Anerkennung, die es regnet, wenn wir ‘trotzdem rausgehen’, ‘auch auf der Party dabei sind’, ‘uns nicht von unserer Behinderung aufhalten lassen’, oder ihr ‘die Stirn bieten’. 

Ableistisch ist aber auch die Missgunst, die wir für Behindertenparkplätze, Schwerbehindertenausweise und zusätzliche Urlaubstage bekommen. Oder die Frage, ob unser Leben überhaupt lebenswert sei und wir nicht hauptsächlich eine Last für unsere Familien darstellen.”

Der internalisierte Ableismus legt eine Schippe drauf und hat seinen Ursprung in den behinderten Menschen selbst. Gefühle wie Scham oder auch Schuld für die Behinderung und für den Aufwand von nahestehenden Personen gehören dazu. Aber auch der Vergleich unter den behinderten Menschen selbst, wen es vermeintlich “besser getroffen” hat, spielt eine Rolle. Der internalisierte Ableismus ähnelt im Mechanismus dem internalisierten Rassismus

Wie können wir den internalisierten Ableismus überwinden?

Im Podcast sind wir uns einig, dass dies ein individueller Prozess ist. Dafür muss man die Scham überwinden, die zum Beispiel dafür empfunden wird, mit Assistenz zu leben oder in einigen Situationen Hilfe zu benötigen. Der internalisierte Ableismus kann durch Selbstakzeptanz in den Hintergrund rücken – leichter gesagt, als getan. Wir arbeiten dran. Viel Spaß beim Hören oder Lesen des Podcasts!
 

Links zum Weiterlesen: 

1. Was bedeutet internalisierter Rassismus? – RosaMag

2. Wir müssen uns über internalisierten Ableismus in der Behindertencommunity unterhalten  – The Mighty (englischer Link)

3. Austausch mit der Peergroup ist wichtig, um den internalisierten Ableismus zu überwinden – The Mighty (englischer Link)

4. Der Versuch, die Behinderung zu überspielen – Huffpost (englischer Link)

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Eine Antwort

  1. Wie schön ist das, Dinge, die man auch schon oft gedacht hat, gut in Worte gefasst hören zu können! 🙂
    Besonders getroffen hat mich die Stelle, als du, Raul erzählst hast von Deinem Gefühl, eine Last zu sein und in denen Du und Judyta von den beschämten Situationen an der U-Bahn erzählt habt.
    Weil mir das Thema, als Last gesehen zu werden, statt Barrieren und unfaire Chancen zu sehen, auch schon oft an die Nieren gegangen ist, habe ich mal einen längeren Artikel dazu geschrieben: http://kassandra.erinatranslations.de/content/texts/KR09a.pdf
    Zu der Situation mit Klapprampen habe ich mal einen Vergleich zwischen Helsinki (Klapprampen) und Bremen (elektrische Hublifter, die normalerweise funktionieren, weil sie repariert werden, wenn sie defekt sind) geschrieben:
    http://kassandra.erinatranslations.de/content/texts/KR10e.pdf
    Bremen ist -nach Corona- durch die größere Selbstverständlichkeit im ÖPNV ein guter Ort, sich zu erholen. Ich kann eine Reise hier hin nur empfehlen.

    Vielleicht gefallen Euch meine Gedanken ja ähnlich gut, wie mir Eure.

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