FOMO – die Angst, etwas zu verpassen – Transkript

Lesezeit ca. 23 Minuten

Die Neue Norm: „Drei Journalist*innen, zwei Rollstühle und eine Sehbehinderung: Die Journalist*innen Judyta Smykowski, Jonas Karpa und Raul Krauthausen sprechen über Behinderung, Inklusion und Gesellschaft.

Folge 12: „FOMO – die Angst, etwas zu verpassen“

Raul:
Sag mal, Judyta, hast du als behinderte Frau eigentlich manchmal Angst, Sachen zu verpassen, weil du zum Beispiel aufgrund von Barrieren nicht teilnehmen kannst?

Judyta:
Ja, aber im Moment, wenn du so nach draußen guckst, was können wir denn jetzt gerade verpassen?

Jonas:
Herzlich Willkommen zu Die Neue Norm, dem Podcast.
Wir haben Ende Januar, aber ich denke, wir können es noch sagen… und vielleicht sind wir auch der letzte Podcast, der das im Januar sagt: Wir wünschen euch noch alles Gute für das kommende Jahr 2021. Wir freuen uns, dass ihr auch in diesem Jahr wieder mit dabei seid und freuen uns auf viele spannende Themen, die wir mit euch in diesem Jahr besprechen möchten.
Wenn ihr selber Ideen habt an Themen, die ihr auf jeden Fall mal in diesem Podcast hören möchtet, dann schreibt doch einfach eine Mail an [email protected] oder [email protected]

In dieser Folge möchten wir über die Angst reden, etwas zu verpassen. Im Englischen heißt es dann fear of missing out oder ganz kurz fomo gesagt. Und wir möchten uns fragen, ob diese Angst, etwas zu verpassen, nur an den Barrieren liegt und den Zugängen, die nicht barrierefrei sind, dass Menschen mit Behinderungen nicht daran teilhaben können. Und was diese Angst einfach auch für Folgen hat. In dem eigenen Verhalten führt es zu Einsamkeit oder zu Stress oder auch zu Erschöpfung. Darüber möchten wir heute reden. Wir verpassen uns zwar gegenseitig, indem wir nicht in einem Raum sitzen, aber zugeschaltet sind Judyta Smykowski und Raul Krauthausen.

Judyta & Raul:
Hallo!

Jonas:
Mein Name ist Jonas Karpa. 

Wie gesagt: Homeoffice und verpassen. Eigentlich gibt es aktuell nicht so wahnsinnig viel zu verpassen. Oder?

Raul:
Ja, wahrscheinlich ist es sogar so, dass jetzt zum ersten Mal Menschen ohne Behinderung erleben, wie es ist, wenn man eingeschränkt ist, wenn man eben nicht das machen kann, was man gerne machen würde. Man also will, aber nicht kann. Und das ist aber auch eine Erfahrung, die Menschen mit Behinderungen auch außerhalb von der Corona-Pandemie sonst auch machen.

Judyta:
Ja, ich sehe, dass besonders in der Kultur es viele Streams gibt, die jetzt ins Internet verlagert wurden, damit Schauspielende und Musiker*innen überhaupt etwas machen können. Was natürlich auch problematisch ist, weil diese Inhalte meistens kostenlos gestreamt werden. Und da sehe ich aber auch so ein bisschen die Entwicklung, dass Kulturinstitutionen dann sagen: Es ist ja jetzt barrierefrei, es ist jetzt ja im Stream verfügbar für alle. Und das stimmt halt nicht. Also, für Menschen mit körperlichen Behinderungen ist es barrierefreier, weil sie einfach sich nicht dahin begeben müssen durch den ÖPNV. Nicht anrufen müssen… ist das Theater oder das Kino barrierefrei? Aber für gehörlose Leute zum Beispiel fehlen da ja die Untertitel, fehlt die deutsche Gebärdensprache. Also, barrierefrei ist es auch noch immer nicht. Aber mir geht es so wie Raul, dass ich auch denke, zum ersten Mal irgendwie müssen wir alle zu Hause bleiben. Und nicht nur behinderte Menschen.

Jonas:
Fällt uns da so ein bisschen die Last von den Schultern zu sagen: Okay, man hat gar nicht die Anstrengung auf sich zu nehmen, diese Extrawege zu gehen, diesen täglichen Kampf mit den Barrieren draußen in der Umwelt, der nichtfunktionierende Aufzug und so weiter, dass man einfach gezwungen ist, ja quasi zuhause zu bleiben.

Judyta:
Ja, das hatte ich ganz krass im März letzten Jahres. Seitdem läuft das Ganze ja schon und diese Erkenntnis, dass man sich jetzt irgendwie gleichberechtigter fühlt in einer weltweiten Pandemie als behinderter Mensch, die war schon irgendwie krass und die war aber auch sehr niederschlagend… ehrlich gesagt.

Raul:
Ich kann mir aber vorstellen, dass in dieser Corona-Pandemie auch eine große Chance steckt, weil, wenn wir zum Beispiel über Barrierefreiheit von Videokonferenzen oder Videozuschaltung oder Videoperformances reden, ja auch das Bewusstsein für fehlende Untertitelung zum Beispiel oder fehlende Audiodeskription schon wirklich gestiegen ist. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass das jetzt flächendeckend eingesetzt wird. Aber das Bewusstsein steigt. Und ich habe jetzt gelesen, also in den USA und auch in Großbritannien, wo auch die Rechtslage praktisch das Recht auf Zugang wesentlich stärker für behinderte Menschen ist, dass das dazu geführt hat, dass praktisch Unternehmen und Firmen angefangen haben, über Untertitelung und Audiodeskription nachzudenken und auch Leistungen einzukaufen. Sei es die Bekanntheit dieser technologischen Lösungen steigt, und gleichzeitig sinken die Preise bei der Umsetzung. Was für viele bisher immer ein Argument war, aufgrund von Kosten Barrierefreiheit nicht anzubieten. Aber wenn es jetzt praktisch immer mehr machen, sinken die Preise. Und dadurch wird es vielleicht auch attraktiver.

Judyta:
Ja, ich denk da auch immer darüber nach. Was wird uns diese Pandemie irgendwie lehren? Was wird sie bringen für Inklusion und Barrierefreiheit? Und ich habe zum Beispiel gelesen, was du gerade meintest, die ganzen bekannten Konferenzsysteme, die ja aus den USA kommen. In den USA gibt es andere Gesetze, das heißt, diese automatische Untertitelung auch funktioniert viel besser im englischen natürlich. Also, bis sie in Deutschland verfügbar ist, dauert es wahrscheinlich noch. Und dann kennen wir ja alle die blurry Hintergründe, also die verschwommenen Hintergründe, wo wir gerade unsere Wohnzimmer und Schlafzimmer und unsere Arbeitszimmer alle so ein bisschen verblassen, damit nicht alle Menschen sehen, wie es bei uns aussieht. Und da habe ich gelesen, dass es für gehörlose Leute gerade auch echt schlecht ist, weil, wenn sie dann gebärden – bei einem Zoom-Call zum Beispiel – wird dieser blurry-Effekt halt auch auf die Hände übertragen. Und dann sieht man sie nicht mehr so gut gebärden. Also, es ist auch wieder eine Barriere, woran die technischen Dienste wieder arbeiten müssen.

Raul:
Ich habe gerade auch gelesen… gerade ZOOM zum Beispiel in den USA verklagt wurde, weil die Version, um Untertitel einblenden zu können, ist kostenpflichtig. Und damit würde man letztendlich gehörlose Menschen ja wieder diskriminieren. Also, es ist noch ein weiter Weg. Aber ich würde mal sagen, alleine, dass wir diese Debatte führen, gerade im digitalen Bereich, ist auch eine große Chance. Und wenn wir jetzt seit März diesen Lockdown haben und die meisten Leute – auch ich – seit März zu Hause sind, muss ich zugeben: eigentlich ist es relativ wenig Veränderung. Ich habe zwar sonst auch viele Reisen gehabt und war meistens im Büro. Aber ich habe auch immer dafür gesorgt, dass ich von zu Hause weitestgehend arbeiten kann, eben aufgrund meiner Behinderung und deswegen vielleicht die Veränderungen für mich gar nicht so extrem sind wie für nichtbehinderte Menschen.

Judyta:
Aber das hat sich im März noch ganz anders angehört. Damals.

Raul:
Ja, weil ich habe viel darüber nachgedacht. Und ich habe halt auch ganz viel gemacht, was weit über mein körperliches Maß, was ich leisten kann, hinausging und ich dann auch erschöpfter war als andere.

Jonas:
Ich finde den Aspekt, den Judyta eben angesprochen hat, nochmal ganz interessant. Dass eben zurzeit so ein bisschen suggeriert wird, dass diese ganze Verschiebung ins Digitale ja eben für eine gewisse Barrierefreiheit sorgt. Und dass man natürlich sagen kann, wenn Sachen online stattfinden und man jetzt nicht den Weg auf sich nehmen muss oder den Weg ins Gebäude auf sich nehmen muss, das natürlich für Personen, die im Rollstuhl unterwegs sind, das etwas barrierefreier ist. 

Aber wenn wir jetzt, wie eben angesprochen, über Gebärdensprache reden, über Untertitelung oder Übersetzung auch in leichte Sprache, da ist es egal, ob das jetzt online stattfindet oder an irgendeinem Veranstaltungsort. Sobald das nicht vorhanden ist, ist es auch immer noch nicht barrierefrei. Und, dass es eben keine Ausrede sein kann, irgendetwas ins Digitale zu verschieben, weil das eben barrierefreier ist. Also gerade für gehörlose Menschen mit Lernschwierigkeiten oder auch sehbehinderte oder blinde Menschen gibt es halt nichts. Oder dort ist die Barrierefreiheit eben noch nicht so weit. Was man viel hört, gerade weil es jetzt ja fast schon ein Jahr andauert, ist natürlich trotzdem die Sehnsucht danach, sich irgendwann wiederzusehen. Sei es auch dann, wenn man jetzt von Konferenzen oder von solchen Arbeitsmeetings ausgeht, wo man dann in den Pausen an nicht barrierefreien Buffets ansteht oder es bei der Veranstaltung eben nur Stehtische gibt. Was für Rollstuhlfahrer*innen, ja, ich sage mal „nicht so optimal ist“. Da könnt ihr, glaube ich, mehr zu sagen.

Raul:
Absolut! Also, wie gesagt, im Moment merke ich, dass ich eigentlich, außer von Verpflichtungen außerhalb meiner eigenen vier Wände auch gar nicht viel auf Partys gegangen bin oder selbst ins Kino gehen für mich auch anstrengender war, weil ich immer den rollstuhlgerechten Platz vorher buchen musste und dann Angst hatte, dass es keinen Platz gibt. Und dann will ich mit meiner Partnerin, die auch im Rollstuhl sitzt, ins Kino gehen. Und dann gibt es aber nur einen rollstuhlgerechten Platz. Also, dass diese Ausschlusserfahrung, beziehungsweise dieser ständige Kampf gegen Barrieren dazu geführt hat, dass Dinge auch jetzt, wenn wir alle auf Netflix gucken, weggefallen sind. Und das heißt, ich fühle mich jetzt weniger gestresst und weniger Barrieren ausgesetzt – als rollstuhlfahrender Mensch wohlgemerkt – das ist ganz wichtig. Ich kann in meinem eigenen Tempo arbeiten. Ich habe keine Pendeleien. Es gibt für mich gerade keine kaputten Aufzüge, weil ich einfach keine Aufzüge benutze. Und dadurch bin ich auch, sagen wir mal freier und habe einfach merklich mehr Kraft. Aber du hast recht. Es gibt große Ausschlüsse. Ich hatte im Januar ein Gespräch mit Frank Walter Steinmeier auf Instagram als Live-Chat. Und da gab es, muss man ganz ehrlich sagen…

Jonas:
Du hast dich beim Bundespräsidenten auf ein Karottensaft eingeladen. Sagen wir es doch einfach so, wie es ist. 

Raul:
Ja, genau. Frank Walter Steinmeier hat mich eingeladen zu einem Instagram-Chat, und ich habe ihn gefragt, ob sein Schloss barrierefrei ist und da meint er: Ja, das Schloss. Das alte Gebäude wäre nicht so rollstuhlgerecht, eher das neue, das könnte ich mir mal angucken und er würde mich einladen. Ja, und dann habe ich gesagt, dann komm ich doch gerne mal auf einen Karottensaft vorbei. Das Gespräch war ganz angenehm, dauerte 20 Minuten, aber die 20 Minuten haben gereicht, dass gehörlose Menschen auf sozialen Kanälen ihren Unmut darüber geäußert haben, dass zum Beispiel Untertitelung fehlt und dass sie letztendlich an diesem Dialog, den ich mit Steinmeier hatte – es ging um die Situation behinderter Menschen zur Corona-Pandemie – nicht teilhaben konnten. Und das ist ein valider Punkt, den ich auch… ja, wie soll ich mal sagen, total unterschreibe und unterstreiche, aber Instagram nicht in der Lage ist, bei Live-Übertragungen Untertitel anzubieten. Das kann man letztendlich nur bei Videos, die man im Nachhinein hochlädt. Das heißt, hier ist auch eine technische Herausforderung noch zu lösen, die in meinen Augen ich eher bei der Verantwortung der Plattform sehe, als bei der Verantwortung von mir. Aber ich will die Verantwortung auch nicht wegschieben. Vielleicht hätte man einen anderen Kanal wählen sollen, wo das technisch geht.

Judyta:
Und apropos Karottensaft – noch mal auch das grundsätzliche Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen. Und Raul und ich müssen gerade auch nicht gucken, wo die nächste, rollstuhlgerechte Toilette ist bei unseren ganzen Terminen. Weil wir sind zu Hause, wir haben die Toilette hier. Und ja, sonst müssen wir das immer alles sehr planen, das aufs Klogehen, oder Raul?

Raul:
Absolut! Ich fand, dass wir in dieser ganzen Debatte rund um Corona sehr viel über Probleme reden und zu wenig über vielleicht auch, was wir von Menschen mit Behinderungen, die Einschränkungen gewöhnt sind, lernen könnten. Dass da auch unglaublich gehobene Potenziale liegen, wie wir es uns in unseren eigenen vier Wänden auch erträglich machen.

Jonas:
Jetzt ist natürlich Corona das alles beherrschende Thema in der aktuellen Zeit. Aber wenn wir jetzt über die Angst reden, etwas zu verpassen und jetzt mal ein bisschen weg von der Pandemie gehen, was sind so generell bei euch Ängste? Vorher, als man noch die großen Optionen hatte, jeden Tag meinetwegen in einer Bar, in einer Kneipe Partymachen zu gehen, als man diese Möglichkeiten noch hatte. Was sind eure Ängste dort gewesen, wo ihr gesagt hattet, hier haben wir das Gefühl, dass etwas an uns vorbeigeht.

Raul:
Also, ich erinnere mich gerade in meiner Jugendzeit daran, dass ich so mit der Pubertät angefangen das Gefühl hatte, ich werde immer weniger auf Geburtstage eingeladen oder auf sogenannte Kuschelpartys. Und ich habe sehr lange geglaubt, das würde daran liegen, dass man mich nicht mag. Und dann habe ich irgendwann realisiert, dass es einfach so einer Art unangenehmes Gefühl bei meinen Klassenkameradinnen gab, wenn sie wussten, dass es eine Kuschelparty wird oder ein Wanderausflug wird oder – keine Ahnung – Abenteuerspielplatz-Ausflug. Dass sie wussten, dass mit Sicherheit der Rollstuhlfahrender da nicht so mitmachen kann. Und ich hatte ständig das Gefühl, etwas zu verpassen. Ich hatte das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und das hat mich gestresst und auch sehr traurig gemacht, sodass ich dann auf andere Arten und Weisen versucht habe, meine Attraktivität innerhalb meiner Freundschaften zu kompensieren, indem ich Süßigkeiten mitgebracht habe und irgendwie… das fühlte sich ganz schräg und ganz unangenehm an. Und das ist, glaube ich, etwas, was so sicherlich jeder schon irgendwie nachvollziehen kann, auch ohne Behinderung. Aber wenn man sich mit Menschen mit Behinderung unterhält, dann gibt es diese Erfahrung noch mal stärker, dass man das Gefühl hatte, man war nicht dabei und verpasst etwas. Ich weiß nicht, wie war das bei dir, Judyta?

Judyta:
Na, bei mir war es eher das Thema Mode. Also ja, jede Woche war ja gefühlt irgendetwas anderes modern und modisch und die eine Jeansmarke zum Beispiel oder der eine Schnitt der Jeans, der einfach im Rollstuhl richtig Scheiße aussah. Entschuldigung! Und deswegen ich den nicht irgendwie tragen konnte. Dann auch das Thema High Heels – je höher, desto besser und die konnte ich auch nicht tragen. Also solche Dinge. Das heißt, ich konnte mich da auch nicht unterhalten da drüber: Wo hast du den neuesten heißen Scheiß her? Da wurde ich ausgeschlossen und musste da irgendwie so meinen eigenen Stil finden, irgendwie als Teenie, wo man sowieso schon so verunsichert ist. Das war auf jeden Fall ein Thema. Dann auf jeden Fall diese ganzen Übernachtungspartys. Die Gedanken auch darüber. Also, wie wird das? Wie schaffe ich das dort? Ist das Haus einigermaßen barrierefrei oder gibt es Treppen oder wo schlafen wir? Schlafen wir oben oder unten? Also, da auch einfach dieses beschäftigen im Vorhinein schon damit, auch wenn man eingeladen ist. Und auch wenn man hingeht, trotzdem diese Angst zu haben, dass man es trotzdem auch nicht schafft und nicht alles mitmachen kann.

Raul:
Beim Thema Mode fällt mir ein, dass ich das Gefühl hatte, ich bin so weit weg von diesem Mode…

Judyta:
… Zirkus?

Raul:
Ja… Business, weil einfach ich als kleiner Mann sowieso keine Klamotten gefunden habe und sowieso immer in die Kinderabteilung gehen musste, um mir ein Hemd oder eine Hose zu kaufen. Das mich das aber auch befreit hat von diesem Druck, so cool zu sein wie meine nichtbehinderten Klassenkameraden. Es war einfach so ausgeschlossen, dass ich es gar nicht erst versucht habe. Und wenn mir dann meine Mutter mal coole Schuhe gekauft hat oder einen coolen Pulli, der wirklich cool war, den auch andere cool fanden, dann fand ich das immer so besonders, dass ich das zwar gerne getragen habe, aber nicht jetzt immer so sein wollte. Habe ich dann auch zu bestimmten Anlässen getragen.

Judyta:
Daran erinnere ich mich auch, an dieses… wenn es dann mal gepasst hat, dass ich dann mitmachen konnte bei einem der Trends und sonst aber auch wirklich dieses Schutzschild irgendwie hatte, dass man automatisch gedacht hat: Okay, bei dem Zirkus mach ich jetzt nicht mit. Und wenn man es auch von außen anguckt, dann ist es ja auch ein Zirkus. Also, das heißt, ich glaube, da hatten wir beide so eine gute Schutzbarriere, einfach so eine natürliche.

Raul:
Genau! Das ist ja dann auch wieder so eine Art Entlastung von diesem fomo. Aber wahrscheinlich ist das eine mentale Sache, also, je nachdem, wie man auch selber dazu eingestellt ist. 

Bei den Recherchen zu heute bin ich auf eine Bloggerin gestoßen, die heißt Elin Williams, 22 Jahre alt und sie hat einen ziemlich spannenden Blog. Der heißt „My blurred vision“. Und sie hat eine starke Sehbehinderung. Und sie schreibt auch über fomo. Und sie sagt, dass zum Beispiel die wenigsten Leute wissen, dass 93 Prozent aller Kommunikation visuell stattfindet. Das heißt, sie natürlich auch als fast blinde Frau ganz oft gar nicht sieht, wenn ihr jemand auf der Straße zuwinkt oder wenn sie jemand anlächelt wenn sie in einen Raum geht. Sie kann nicht sehen, wenn jemand ihr die Hand reicht oder sie kriegt nicht mit, worüber die Leute reden – wenn jemand sagt „Guck mal, der Hund da vorne ist total süß!“. Und das ist etwas, was sie letztendlich als Frau, die immer blinder wurde im Laufe ihres Lebens sehr sehr schwierig fand auch zu akzeptieren und auch anzunehmen. Und sie eigentlich auch nie darüber geschrieben und gesprochen hat. Dass sie versucht hat, dem auch nicht zu viel Raum zu geben, aber trotzdem keine Worte dafür hatte und es total wichtig für sie war, das dann irgendwann auch mal mit fomo, also, der Angst, etwas zu verpassen, betiteln konnte. Und das natürlich auch ein ganz wichtiger Prozess der eigenen Bewältigung und Empowerment sein kann.

Jonas:
Ich habe den Blog-Eintrag auch gelesen und mich da in vielen Sachen auch wiedergefunden. Also natürlich habe ich jetzt die Erfahrung, die ihr gemacht habt, in eurer Jugendzeit ja nicht gemacht, weil ich zu dem Zeitpunkt noch keine Behinderung hatte. Aber ich kann das wirklich sehr gut nachvollziehen, weil es manchmal so die Kleinigkeiten sind, wie sie halt gesagt hat, dass viel über die Kommunikation, über Mimik ja auch funktioniert und man dann auch teilweise, ja, in manchen Diskussionsrunden oder in Konversationen einfach eine gewisse Ebene der Informationen, die übertragen wird, einfach nicht mitbekommt. Oder, was jetzt aktuell bei mir so ist… gerade auch, weil man nicht ins Kino gehen kann oder man generell nicht so viel machen kann, ja, man teilweise ziemlich viele Zeit vor dem Fernseher verbringt und Serien guckt. Und das Erleben von Fernsehserien ist auch mit so das Thema, wo die meisten Leute darüber reden. Also, es muss nicht nur der Tatort vom letzten Sonntag sein, sondern auf Netflix, der allerneueste heiße Scheiß, der dort geguckt wird und es teilweise eben nicht so barrierefrei ist mit Audiodeskription, dass für mich in Frage kommt, das auch zu gucken. Und wenn dann montags morgens im Büro fast eine halbe Stunde über die neuesten Serienentdeckungen erzählt wird und was man da gesehen hat am vergangenen Wochenende, da kann man dann einfach nicht mitreden und ist dann außen vor und hat dann eben diese Angst, etwas zu verpassen und dann eben ausgeschlossen zu sein. Kann ich sehr gut nachvollziehen.

Raul:
Spannend wird es ja dann, wenn aus dieser vermeintlichen Schwäche, also diesem Gefühl, nicht dazuzugehören, diesem Gefühl etwas zu verpassen, man dann anfängt, so wie es ja auch die Ellen Williams tut, dass irgendwie eine – ja, wie soll ich mal sagen – eine Bewältigung startet dieser Situation und sie dann irgendwann gemerkt hat, als sie gemerkt hat, dass sie nicht mehr in der Lage ist, Fahrrad zu fahren, sie dann versucht hat, mit ihrem Taststock, sich eben mit ihren Freunden fortzubewegen. Und das natürlich auch total angstbelagert war und auch mit ganz viel Charme zu tun hatte für sie, dass man jetzt von außen erkennt quasi, dass sie eine Sehbehinderung hat. Aber gleichzeitig für sie auch der Drang nach Freiheit und der Drang nach Selbstbestimmung überwogen hat und dann zu einem bestärkenden Element wurde. Und ich denke, ich kann das für mich unterschreiben, weil, als ich dann irgendwann realisiert habe, ich muss nicht überall dabei sein, ich bin auch trotzdem meinen Freunden etwas wert, wenn ich nicht auf jeder Party zugegen bin, habe ich dann angefangen, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die mir Spaß machen und auch mehr auf meine eigenen Ressourcen zu achten und dann es auch als Stärke begriffen habe, Veranstaltungen oder Geburtstage abzusagen.

Judyta:
Dazu passt ja auch die Spoon-Theorie, also die Löffelchen-Theorie. Die hat die Lupus-Expertin Christine Miserandino aus den USA mal aufgeschrieben. Und, ja, also sie hat Lupus, die Erkrankung und hat irgendwann gemerkt, dass der Tag für sie aus einer bestimmten Anzahl von Löffeln besteht und die Löffel stehen für Energieeinheiten. Und da hat sie auch gemerkt, dass viele dieser Löffel, die sie zur Verfügung hat an einem Tag, aufgrund der Behinderung einfach auch schon verbraucht werden. Viel schneller als bei nichtbehinderten Menschen. 

Also, wenn ein nichtbehinderter Mensch zum Beispiel sagt, er steht auf und macht sich fertig und geht dann zur Arbeit, dann sind das vielleicht bei einem nichtbehinderten Menschen… bedeutet das einen Löffel – und bei ihr sind es schon drei, weil sie aufgrund der Behinderung einfach mehr Zeit braucht, es mehr Kraft kostet. Und ich glaube, das ist auch ein ganz ganz wichtiger Schlüssel, dieser Angst auch zu begegnen, etwas zu verpassen. Denn im Gegenzug bekommt man dafür die Sicht auf sich selber und die bessere Wahrnehmung auch der eigenen Person. Wieviel Kraft man auch hat und was gut für einen ist.

Raul:
Diese Spoon-Theorie oder diese Löffel-Theorie, die wurde ja dann später erweitert zur sogenannten Besteck-Theorie. Also, dass es nicht nur Löffel gibt verschiedener Größe und Anzahl, sondern eben auch Gabel und Messer. Also die Fork-Theorie zum Beispiel besagt, zusätzlich zu den Löffeln, dass es auch sogenannte Stressoren gibt, also Dinge von außen, wie zum Beispiel Lärm oder, wenn du klaustrophobisch bist, die Enge von Räumen, die dich stressen kann von außen und dann letztendlich wie so eine Gabel in deinen Körper reinpiekst die ganze Zeit. Und du bist praktisch in der Lage, eine bestimmte Anzahl von Gabel-Pieksern zu ertragen und dafür Löffel auch aufzuwenden. Bis du irgendwann letztendlich keine Löffel mehr hast. 

Und dann kommt die sogenannte Messer-Theorie, das ist die Knife-Theorie und das dann du letztendlich trotz der Gabel und trotz der aufgebrachten Löffel natürlich weitergehen kannst. Aber dann brauchst du Messer und diese Messer stechen in dich rein, und zwar so tief, dass sie letztendlich dir mehr Energie rauben, als du innerhalb von einer Regenerationsphase wiederherstellen kannst. Das heisst, wenn du zu viele Messer in deinem Körper hast, dann verbrauchst du mehr Energie, als du mittelfristig regenerieren kannst und baust langfristig auch an Leistungsfähigkeit ab. 

Und das fand ich ganz spannend, das noch mal mit solchen Metaphern auch zu unterlegen, weil ich glaube, dass wir alle verschiedene Anzahl von Löffeln und Gabeln und Messern haben, beziehungsweise ertragen. Und man dann, glaube ich, vielleicht auch mit dieser Metapher ganz gut noch mal reflektieren kann: Was stresst mich eigentlich im Alltag? Oder, was raubt mir so viel Energie, dass ich immer leistungsgeminderter werde? Wir erleben es gerade in der Corona-Pandemie. Viele Eltern berichten ja, dass, wenn die Kinder zu Hause sind, sie einfach wesentlich weniger auch leisten können. Und dass das auch okay sein muss, ohne dass es gleich zu einer Behinderung deklariert werden muss, sondern dass man eben auch sagen kann, es gibt Stressoren von außen. Und wenn man denen zu lange ausgesetzt ist, dann leidet auch die Arbeit darunter, dass man dann eher ein Umfeld kreieren sollte oder dann das fomo für diesen Elternteil dann zum Beispiel nicht zu groß wird.

Jonas:
Diese Sicht, die von außen reingebracht wird, was einen quasi dazu fordert, stark zu sein, beziehungsweise sich selbst zu positionieren, dass das auch noch mal ganz wichtig ist. Dass das die eigene gefühlte Angst, ja auch so ein bisschen von außen geschürt werden kann und dass man erst darauf vielleicht auch hingewiesen wird, was man verpassen könnte, weil einem von außen aufgezeigt wird, was vielleicht nicht funktioniert, beziehungsweise wo Barrieren sind.

Judyta:
Ich glaube schon, dass es bei fomo eigentlich nur von der Außenwelt ist. Also okay, ja, man macht sich auch manchmal den Stress selber. Man hat auch den Druck selber. Aber es sind ja gerade die Sachen, die von außen herangetragen werden an einen, die einen stressen. Zum Beispiel war es bei mir eine berühmte Frage einer Lehrerin: „Hey, Judyta, wir machen ja demnächst diese Klassenreise, ins Ausland und schaffst du das? Und das war die Frage! Und ich wusste wirklich nicht, was ich antworten soll, denn ich war ja noch nie in dieser Stadt. Ich war gespannt, wie alle anderen auch in der Klasse. Ich habe den Plan gesehen, den wir hatten. Aber ich war ja bei diesen ganzen Bauwerken und Museen und so noch nicht und musste dann halt sagen „Ja, also, ich komme mit auf jeden Fall und ich werde gucken, bis wohin ich auch barrierefreiheitsmäßig komme.“ 

Das heisst, es wird einem auch viel abverlangt, viele Entscheidungen, viel Einschätzung auch der Kraft. Wobei ich das echt gruselig finde, Raul, dieses Bild von Messern und Gabeln, die da auf einen einstechen. Aber ja, vielleicht ist es so. Das ist auf jeden Fall krass. Ja, also es kommt eher alles von außen an einen heran, und man muss es gut filtern für sich. Ich habe zum Beispiel auch mit Wille Felix Zante gesprochen oder geschrieben – ein Journalist und Texter, der gehörlos ist. Und ich wollte auch von ihm wissen, wie es denn bei den gehörlosen Menschen ist, ob die nicht eigentlich auch ständig in einer Welt von hörenden Menschen das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Und er meinte eher: Nein. Die fear of missing out, also die Angst, etwas zu verpassen, ist eher etwas prickelndes – nennt er das. Also, das ist etwa nach dem Motto: Ich würde gerne auch, ich will auch dabei sein. Und würde hier gerne auch mitmachen. Aber er hat mich noch auf ein anderes Phänomen aufmerksam gemacht. Und zwar das Dinner-Table-Syndrom. Das heißt…. helft mir mal schnell mit der Übersetzung… 

Raul:
Esstisch, Esstisch-Syndrom. 

Judyta:
Genau. Ja, also am Abendbrottisch. Das nennt sich so, wenn gehörlose Kinder zum Beispiel unter hörenden Eltern sind, bei hörenden Familienmitgliedern, bei einem Geburtstag oder so sind und nichts mitbekommen, was ich auch krass finde. Das ist ja leider weit verbreitet, dass dann die Familienmitglieder nicht irgendwie wenigstens ein bisschen Basic-Gebärdensprache lernen, das finde ich auch wirklich krass. Das ist ja so, als würden Rauls und meine Eltern sagen „Ja, wir machen jetzt die ganze Zeit nur irgendwelche Ausflüge in Burgen oder so, die nicht barrierefrei für euch sind.“ Also ich finde das irgendwie auch krass. Und da hat er gesagt, bei dem Dinner- Table-Syndrom ist es auch eher so dieser Schmerz. „Ich kriege ja sowieso nichts mit.“ Und das fomo ist eher die Neugier – also auf das Telefonieren zum Beispiel. Wenn ich hörend wäre, könnte ich jetzt telefonieren. Oder ich könnte dabei sein. Also ja, es gibt, wie ihr seht, Unterschiede zwischen den schmerzhaften Erfahrungen, die einen wirklich komplett ausschließen. Und diesem, was wäre wenn Gedanken, den Raul und ich ja bestimmt auch haben. Oder auch Jonas. Dass wir manchmal auch überlegen, was wäre, wenn wir unsere Behinderung nicht hätten.

Jonas:
Aber ich finde, wo wir jetzt noch mal gerade dabei sind, auch bei Gehörlosigkeit… Wenn man jetzt mal so eine provokante These aufstellt und sagt, dass solange man vielleicht unter sich ist, wo die Leute im Umfeld um einen herum vielleicht die gleichen Ansprüche, die gleichen barrierefreien Grundvoraussetzungen benötigen, dass man dort, weil man eben so unter sich ist, gar nicht das Gefühl hat, etwas zu verpassen, weil es eben auch gar keine anderen Angebote gibt, die Angst ja auch so ein bisschen von außen geschürt wird, dass erst dann, wenn Menschen mit und ohne Behinderung aufeinandertreffen und die Gesellschaft sich dann vielleicht eher den Nichtbehinderten anpasst, erst dann fomo, also fear of missing out, entsteht. Heißt also ganz provokant gesagt, dass erst durch die Vielfalt und Inklusion vielleicht so ein bisschen diese Angst entsteht.

Raul:
Das ist natürlich ein sehr schwieriges Argument, ehrlich gesagt. Weil das fördert letztendlich die Segregation von Menschen mit Behinderung in Förderschulen, in Behindertenwerkstätten und so weiter, immer mit dem Argument: dort haben diejenigen es besser. Aber was hier passiert, ist eigentlich das komplette Gegenteil. Dass sie sich in einer Art Schonraumfalle befinden, also einem Ort, wo sie eben wenig Reize von außen bekommen, Dinge vielleicht auch mal auszuprobieren, was anderes zu machen, von anderen zu lernen, die nicht so sind wie sie und sich dann, je länger sie in diesen Einrichtungen sind, auch ihr Abstand zur Mehrheitsgesellschaft erhöht. Und das nennt man Schonraumfalle. 

Und das hat die Bertelsmann Stiftung vor kurzem in einer Studie herausgebracht, wo sie einfach mal herausgefunden hat oder untersucht hat, wie eigentlich das Schulkind das Notenniveau, beziehungsweise das Leistungsniveau von Schüler*innen mit Behinderungen an einer Förderschule zu denen mit Behinderungen an einer Regelschule sich unterscheidet. Und man hat festgestellt, dass Kinder mit Behinderungen an einer Regelschule im Durchschnitt mehr lernen und besser abschneiden als Kinder mit der gleichen Behinderung an einer Förderschule. Das heißt, diese Anreize von außen etwas Neues auszuprobieren, etwas zu wagen, sind auch wichtig für die eigene Entwicklung. Und wenn man die ganze Zeit immer nur sagt: Du könntest was verpassen, deswegen kommst du lieber an einen Ort, wo du gar nichts verpassen kannst, weil alle so sind wie du – führt eigentlich eher dazu, dass wir abstumpfen. 

Spannend fand ich, dass in Großbritannien ein neues Phänomen gerade erforscht wird. Das nennt sich der sogenannte Activity Trap. Das ist so ein bisschen… wie soll ich mal sagen… ein Widerspruch in sich, weil nämlich, wenn Menschen mit Behinderung praktisch aktiver sind und mehr machen in der Welt der Nichtbehinderten, auch immer mehr ihre Behinderung in Frage gestellt wird. Und dann letztendlich auch die Leistungen, die sie bekommen, um überhaupt teilhaben zu können, zum Beispiel Assistenzen oder Technologien für Barrierefreiheit, auch immer weiter infrage gestellt werden. Und das scheint ein neues Problem zu sein, das ich super spannend finde, wo man auch in Deutschland genauer schauen könnte, ob wir das hier vielleicht auch schon haben.

Judyta:
Oh, das ist so ein typischer move von nichtbehinderten Menschen, oder…?

Jonas:
Ja, total!

Judyta:
Sobald man irgendwie sich mehr anpasst und noch mehr Energie aufbringt, heißt es plötzlich: Ach, ihr könnt das alles – ihr braucht das ja alles nicht, die ganzen Unterstützungen und so. Und ich habe auch einen herzzerreißenden Tweet gelesen, von denen es wahrscheinlich Millionen Geschichten gibt, von einer behinderten Frau, die ihr Studium im Januar 2020 aufgegeben hat, weil ihr so viele Steine in den Weg gelegt wurden, zum Thema online dabei zu sein und online die Vorlesungen zu besuchen. Und zwei Monate später hat es einfach die ganze Welt gemacht oder die ganze westliche Welt natürlich. Das ist einfach auch echt tragisch. 

Jonas:
Da könnte man ja fast eigentlich darüber streiten, ob wir den Begriff, wie wir gerade gemerkt haben, dass ja eigentlich Menschen mit Behinderungen sehr sehr aktiv sind und das eigentlich noch eher so der Ansporn ist, vielleicht das zu schaffen, das mit dem Begriff fomo – fear of missing out – umändern in fear of no inclusion foni….also eher noch einmal der Ansporn ist, die Barrieren, die einem entgegengestellt werden, aufzubrechen.

Judyta:
Ja, das ist aber ein Lebensgefühl – fear of no inclusion. Das hat man ja fast jeden Tag.

Raul:
Das stimmt! Auch ständig nachfragen zu müssen: Habt ihr an Barrierefreiheit gedacht? Gibt es dort einen Aufzug und so weiter.

Jonas:
Aber was können wir jetzt, wenn wir den Begriff fomo jetzt einfach mal lassen, was können wir daraus mitnehmen? Was kann man von Menschen mit Behinderung lernen, im Umgang mit dieser Angst, etwas zu verpassen?

Raul:
Die Bloggerin Whealchair Rapunzel hat da ganz gute Ratschläge gegeben, weil sie dieses fear of missing out auch erlebt als Rollstuhlfahrerin. Und sie sagte, dass man versuchen sollte, zum Beispiel weniger sich mit anderen Menschen zu vergleichen. Ganz praktisch gesprochen, vielleicht auch weniger auf Social Media den Leuten ihre Fotos neiden und immer davon auszugehen, dass andere Leben perfekt sind. Dann, es sich zu Hause, so gut es geht, gemütlich zu machen. Also so einzurichten, dass man gerne zuhause ist, dass man vielleicht einen Lieblingsplatz Zuhause hat, damit man sich eben zu Hause wohler fühlt als draußen. Das ist auch eine gute Strategie, um Kraft zu tanken und sich auf das zu konzentrieren was geht, und nicht zu sehr auf das zu konzentrieren, was nicht geht und daraus Kraft zu schöpfen. Und natürlich – last but not least – aber das ist natürlich auch eher eine Binsenweisheit –  sich etwas Gutes tun, also eigene selfcare Arbeit natürlich nicht unterschätzen sollte.

Jonas:
Was ist euer persönlicher Lieblingsplatz in der Wohnung?

Judyta:
Meine Pflanzenregale natürlich. Also Pflanzen kann ich sehr empfehlen für das eigene Zuhause, für das Wohlbefinden. Wenn jemand Tipps braucht, gerne sich an mich wenden. Und, na ja, der Gedanke an das, was nicht geht – diesen Tipp, den finde ich so … naja, weil der begegnet uns ja auch ständig. Na also, ständig werden wir ja daran erinnert, was nicht geht. Also ja, aber trotzdem. Im Großen und Ganzen kann ich da auch auf jeden Fall zustimmen.

Raul
Mein Lieblingsplatz ist der Kamin.

Jonas:
Der Kamin? Du hast einen Kamin zuhause?

Judyta:
Einen YouTube-Kamin. 

Raul:
Ich habe einen Kamin zu Hause, einen echten, mit Feuer.

Judyta:
Ach so. Ich dachte, das ist immer so ein YouTube-Dreistundenfilm.

Raul:
Nee, der ist echt. 

Jonas:
Dann laden wir uns gerne einfach mal auf einen Karottensaft bei dir zu Hause ein wenn es so wieder geht und setzen uns an ein bisschen vor den Kamin und nehmen vielleicht dann unsere nächste Podcast-Folge auf. Wenn ihr die Angst habt, Podcast-Folgen zu verpassen, dann haben wir einen ganz persönlichen Tipp: Geht einfach in die ARD-Audiothek, geht auf Spotify oder geht bei Apple-Podcast online und abonniert dort unseren Podcast Die Neue Norm und lasst uns auch gerne, wenn euch der Podcast fällt, natürlich eine Bewertung da. 

Das war’s für diesen Monat. Wir freuen uns, wenn ich auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid bis dahin…

Judyta, Raul & Jonas:
Tschüss

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