Die Neue Norm: Eine Sehbehinderung, ein Rollstuhl, eine chronische Erkrankung. Oder: drei Journalist*innen. Jonas Karpa, Raul Krauthausen und Karina Sturm sprechen über Behinderung, Inklusion und Gesellschaft.
Folge 75: „Deutsche Bahn“
Jonas: Herzlich willkommen zu Die Neue Norm, dem Podcast. Mobilität ist eines der Kernthemen von Barrierefreiheit und auch für Menschen mit Behinderung. Also wie kommt man gut von A nach B? Wir haben auch in unserer langen Podcast-Geschichte, uns gibt es ja seit Ende 2019, auch schon mal über Mobilität gesprochen. Diese Folge hört ihr wie alle anderen Folgen auch bei ARD Sounds. Dieses Mal möchten wir aber den Fokus auf die Deutsche Bahn legen. Und vielleicht habt ihr es gerade im Intro schon so ein bisschen gehört. Das war Heiko Grauel. Der ist die offizielle Stimme in allen deutschen Bahnhöfen. Dort ist er zu hören und hat quasi extra für uns mal diese kleine neue Durchsage eingesprochen. Oder vielleicht, ich weiß nicht, vielleicht guckt mal, geht mal auf den Bahnhof eurer Wahl und schaut mal, ob ihr vielleicht auch diese Durchsage dort ab und zu einmal hört. Ja, in dieser Episode möchten wir uns, wie gesagt, um die Deutsche Bahn ein bisschen kümmern und möchten schauen, was läuft gut an Barrierefreiheit. Wo gibt es vielleicht Probleme und Herausforderungen? Und was sind auch unsere persönlichen Wünsche, wo wir sagen, hey, das ist für uns wichtig und hier möchten wir, dass ein bisschen nachgeschärft wird. Bei mir sind Karina Sturm und Raúl Krauthausen.
Karina und Raúl: Hallo.
Jonas: Hi. Mein Name ist Jonas Karpa. Und ich finde, wir müssen jetzt nicht, also ihr seid pünktlich hier und damit haben wir auch, glaube ich, dieses Thema Deutsche Bahn und Verspätung einfach schon mal, können wir doch mal einen Haken hinter machen. Also lass mal eintauchen, wir gehen rein. Ja, wir gehen rein mit dem Thema Verspätung, nein tun wir nicht sondern ich finde es auch mal interessant zu gucken, was eigentlich auch sich verändert hat und vielleicht auch zum Guten verändert hat. Wir werden in diesem Podcast häufiger auch andere Leute noch zu Wort kommen lassen, unter anderem werden wir zum Beispiel Bastian Arning hören, das ist quasi der Leiter der Kontaktstelle für barrierefreie Mobilität der Deutschen Bahn. Und ich persönlich finde zum Beispiel, dass ich beim Thema Ticket kaufen… Und das ist ja so, wenn wir von der Deutschen Bahn reden und dem Nutzen dieses Verkehrsmitteln, dann brauchst du ja erstmal ein Ticket. Außer du hast, ich weiß nicht, Raúl, hast du inzwischen, also immer noch, hast du eine Bahncard 100?
Raúl: Das wechselt von Jahr zu Jahr, je nachdem, ob sich das rechnet oder nicht. Viele Leute denken ja, eine Bahncard 100 ist ein Statussymbol. Ja, ich verstehe, dass man das denkt. Man hat auch irgendwie Privilegien, die ich jetzt nicht täglich nutze. Aber es ist für mich einfach günstiger, so viel wie ich unterwegs bin und reise, eine Bahncard 100 zu benutzen, dieses Jahr. Wer weiß, wie es nächstes Jahr ist. In der Corona-Pandemie hatte ich keine und so, es wechselt. Aber der Status, kleiner Lifehack. weil es ist kein Lifehack mehr, aber man bekommt dann, man kann ja keine Punkte sammeln, wenn man die Bahncard 100 hast, und dann bekommst du quasi Punkte. Ich glaube 10.000 oder 6.000, ich weiß nicht genau. Und die löse ich jetzt ein gegen Gutscheine für Getränke im Bordrestaurant. Und dann nehme ich immer das teuerste Getränk. Und das ist ein Gin Tonic für 13 Euro. Weil es ist ja Freigetränk. Das heißt ja nicht Wasser.
Jonas: Ja, stimmt, genau. Das ist halt nicht nach dem Motto, okay, ein Gutschein für ein Getränk im Wert von 2 Euro, sondern erstmal ist es…
Raúl: Es sind auch nur 12 Gutscheine für Getränke dabei, standardmäßig. Aber 12 Gin Tonic. 12 Gin Tonic, übers Jahr verteilt. Ich bin jetzt auch kein Suffkopf. Aber für die Rückfahrt kann man sich dann auch mal was gönnen. Dann habe ich ein halbes Jahr ein Zeitungsabo mir eingelöst. Ich habe jetzt einen Werkzeugkoffer mir eingelöst mit den ganzen Bonuspunkten. Und dann ist das Geld auch schon alle. Und das, was ich von Frankyman gelernt habe, den hören wir ja nachher, ist, dass du mit der Bahncard 100 als rollstullfahrender Mensch in die Premium-Lounge darfst.
Jonas: Das ist natürlich, also…
Raúl: Und die Premium-Lounge ist quasi die, da gibt es nicht nur Kaffee umsonst, sondern auch Getränke anderer Art, zum Beispiel Rotkäppchen-Sekt, oder du kriegst auch ein Croissant umsonst zum Frühstück oder einen Kuchen. und das ist aber dasselbe Getränk und dasselbe Essen, was du auch im Bordbistro bekommst. Also das ist ganz witzig.
Jonas: Kochst du noch zu Hause?
Raúl: Aber der Funfact ist, am Berliner Hauptbahnhof, also alle zwei Wochen, ist die Bahnlounge voll. Und ich habe mich gewundert, woran das liegt und dann sagt man mir, naja, das ist halt, weil die Bundestagsabgeordneten, die haben alle eine Bahncard 100 und wenn die Abwechslung brauchen und nich in der Bundestagskantine sitzen wollen, dann treffen die sich halt in der Bahnlounge Premium.
Jonas: Okay. Also, sei es ihnen gegönnt. Wir haben mit Bastian Arning gesprochen, so zum Thema, wie sieht es aus mit Ticketkauf, gerade eben für Menschen mit Behinderung, was hat sich da in den letzten Jahren getan? Und das ist, was er uns dazu gesagt hat.
Bastian Arning: Wir sind insbesondere gerade, was den Ticketkauf angeht, sehr intensiv dabei, die digitalen Kanäle auf den neuesten Stand zu bringen. Wir haben einmal seit dem letzten Jahr das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, was die Digitalisierung da ja so ein bisschen normiert. Und dementsprechend haben wir natürlich auch unsere Webseite oder auch den DB Navigator auf Vordermann gebracht. Und gleichzeitig sind wir dabei, die verschiedenen Buchungssysteme, die wir haben, da auch zu ertüchtigen. sodass zum Beispiel seit November letzten Jahres es möglich ist, für Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen B, die beim Online-Kauf des Tickets kostenfreie Sitzplätze für sich und die Begleitperson mitzubuchen. Das ist der eine Part. Wir haben natürlich in der Zeit nicht aufgehört und können jetzt auch mitteilen, dass ab jetzt es auch möglich ist für Rollstuhlfahrer im Bahn.de und im Navigator bei dem Online-Ticketkauf, da dementsprechend auch die Reservierung auszuführen. Das hat natürlich super Vorteile, weil dementsprechend auch gleichzeitig, was vorher nicht möglich war, diesen Online-Kauf zu machen, dass man es in seinem Konto, den Komfort-Check-In machen kann. Ein Riesenvorteil, was andere bisher konnten, was man da jetzt auch kann. Wir haben die Reisebegleitung, die einen darüber informiert, wenn es irgendwelche Änderungen gibt vorab oder auch während der Reise, die dann funktioniert automatisch. Wir haben eine Online-Stornierung damit, die auf einmal möglich ist. Und natürlich auch, was die anderen bisher konnten, sind die Fahrgastrechte. Digital und online dann dementsprechend, wenn irgendetwas nicht läuft, da auch zu beantragen. Das heißt, da machen wir gerade einen sehr, sehr großen Schritt, was die Online-Buchbarkeit angeht. Dinge, die bisher nur telefonisch möglich waren oder aber über die MSZ oder im Reisezentrum machen wir jetzt onlinefähig.
Jonas: Also Fahrgastrechte ist nicht ganz verkehrt, um nochmal diesen kleinen Schwenk dahin zu gehen. Aber ich finde, das ist wirklich für mich als Person mit Sehbehinderung ein richtiger Gamechanger. Dieses Angeben des Schwerbehindertenausweises im Buchungsprozess, im Navigator der Deutschen Bahn. Weil bislang war das, ich weiß nicht, ob ich das euch schon mal so erzählt habe, Aber bislang war es für mich so, dass ich eben genauso wie alle anderen Menschen auch nachts um drei im Bett liegend irgendwie mir ein Bahnticket irgendwie kaufen wollte. Habe aber natürlich aufgrund meines Schwerbehindentenausweises mit dem Merkzeichen B auch die Berechtigung, einen Gratissitzplatz zu bekommen und halt eine Person mitzunehmen. Bislang war das so, ich kaufe mir ganz normal regulär ein Ticket, weil die Begleitperson ist umsonst. Und den Sitzplatz musste ich dann quasi im Reisezentrum der Deutschen Bahn dazu buchen. Heißt also, ich habe das quasi das Ticket gebucht und musste irgendwann, wenn ich mal an so einem Reisecenter vorbeigekommen bin, hingehen und sagen, hallo, guten Tag, dieser Zug, ich hätte gerne meine zwei Gratissitzplätze und dann habe ich das quasi auf dem Zettel bekommen, ausgedruckt und konnte das dann quasi in dem Sinne nutzen. Problem ist, dass natürlich die Leute im Reisecenter nicht gerade gut darauf zu sprechen sind. Also die sind lieb und freundlich und haben aber schon auch quasi gesagt, sie verkaufen ja mir nichts. Und das ist so die Sache, ein Reisecenter wird natürlich auch gecheckt, wie rentiert sich das? Und wenn da quasi nichts verkauft wird, ist natürlich auch doof. Also haben die mir so gesagt, wäre schon cool, wenn sie eigentlich auch das Ticket bei uns buchen, damit dieses Reisecenter auch bleibt. Und ich sage, nein, nur weil euer System nicht barrierefrei ist oder quasi nicht inklusiv gedacht, verzichte ich doch nicht auf das, ich kaufe mein Ticket zu Hause. Schlussendlich ist es aber halt so, dass ich bei diesem zwei Gratissitzplätze abholen, ich nie nachweisen musste, dass ich auch ein Ticket für den Zug habe. Und mein großer Plan war es immer, und da ist mir in Anführungsstrichen leider die Deutsche Bahn jetzt zuvorgekommen, dass ich mal den Wunsch hatte, einen kompletten Wagen für mich zu reservieren. Also ich könnte ja hingehen und sagen, guten Tag, für diese Fahrt hätte ich gerne zwei Sitzplätze. Und dann eine Stunde später gehe ich einem anderen Reisescenter hin und hole mir nochmal zwei Sitzplätze und nochmal zwei Sitzplätze und nochmal zwei Sitzplätze und reserviere mir den kompletten Wagen zu. Und das dann quasi nicht mehr buchbar. Ist natürlich so ein kleiner Arschloch-Move in dem Sinne, aber ich hätte quasi den ganzen Wagen für mich alleine.
Raúl: Irgendwann heißt es, früher konnte man das buchen, aber dann gab es diesen Missbrauch. Der fing an diesem einen Tag an, als diese Podcast-Folge aufgezeichnet wurde oder ausgestrahlt. (Lacht).
Jonas: Genau. Nein, aber das war das. Und das, was der Arning auch sagt, ich konnte nicht mit diesen Gratissitzplätzen, die ich hatte und diesem einen Ticket, konnte ich halt kein, dass das matchte halt nicht zusammen mit dem Komfort-Check-In. Ich konnte halt, du kannst halt natürlich irgendwie sagen, hallo, ich möchte einchecken und ich sitze auf dem und dem Platz und gebe meine Reservierungsnummer ein. Dann sagt aber das System, na ist aber komisch, du hast ja quasi ein Ticket für eine Person und die Reservierungsnummer sind zwei Sitzplätze. Das funktioniert irgendwie nicht, beziehungsweise, der Sitzplatz ist ja reserviert. Ich sage, ja, von mir. Aber es war ein Riesenprozedere und in dem Sinne, gerade auch wenn ich dann mal alleine gereist bin, halt doof mit diesem Ausdruck von dem, okay, du sitzt im Wagen sowieso, Platz sowieso. Damit kann ich halt als Mensch mit Sehbehinderung nicht anfangen. Heißt also mein Weg gerade immer noch, wenn ich einen Sitzplatz buche, ist, dass ich dann in dieser Wagenansicht angucke oder mit dem Sitzplatz auswähle und sage, den hätte ich gerne. Und dann mache ich mir davon einen Screenshot, damit ich dann eben weiß, okay, es ist die so und so vielte Reihe und dann kann ich das so im Wagen abgehen oder weiß genau, okay, du gehst in den Wagen rein, hast du eine Reihe, dann hast du einen Viererplatz und danach ist deine Reihe, wo ich sitze. Also, dass ich irgendwie das für mich weiß. Deshalb, das wäre zum Beispiel ein Wunsch von mir, dass es irgendwann auch diese Wagenansicht dauerhaft quasi gibt und nicht nur diese Wagenreihung, sondern dass ich eben auch die Möglichkeit habe, mich so ein bisschen durch diesen Lageplan irgendwie im Zug zu navigieren?
Raúl: Also ich muss ehrlich gesagt sagen, ich habe natürlich nie so weit gedacht als sehender Mensch, dass ein ausgedrucktes Ticket mir ja auch gar nicht weiterhilft, wenn man sehbehindert ist und wenn man das digital, das macht total Sinn, wenn das digital geht, da kann man das ja dann alles einsehen. Als wir uns auf diese Podcast-Folge vorbereitet haben, da war tatsächlich eine meiner größten Sorgen, wir machen jetzt hier so ein Bahnbashing. Weil das ist so ein Volkssport geworden. Und ich würde gerne mal euch fragen, ihr fahrt ja relativ viel auch mit der Bahn. Wie viel Prozent ist jetzt wirklich schiefgelaufen von den ganzen Fahrten, die ihr nutzt? Also ich spreche jetzt mal von mir. Zehn Prozent. Der Rest, 90 Prozent der Fahrten waren innerhalb vertretbarer Zeiten, halbe Stunde Verspätung von Berlin nach Saarbrücken, finde ich in Ordnung. Wenn der Zug eh neun Stunden fährt, kann er mal eine halbe Stunde passieren. Wie war das bei euch?
Karina: Also ich habe das Gefühl, du bist sehr lucky. Bei mir ist das gefühlt jeder zweite Zug, nicht fünf Minuten ist ja gar keine Verspätung bei der Bahn, aber Minimum irgendwie 20 Minuten, halbe Stunde zu spät auch für kürzere Strecken. Also ich habe in letzter Zeit ganz viel Pech.
Raúl: Okay, aber du kalkulierst ja inzwischen damit, oder?
Karina: Ja, klar. Also mittlerweile fahre ich ja gar nicht mehr an dem Tag, an dem ich irgendein Event habe, sondern am Tag vorher und übernachte dann irgendwo und das ist ja mittlerweile ein Riesenproblem geworden, weil du halt ständig, wenn du irgendwo eingeladen wirst, musst du fragen, kann ich denn eine Übernachtung dazu haben oder muss ich mir irgendwie den Zug morgens nehmen, damit ich irgendwie um 14 Uhr nachmittags da bin.
Raúl: Also ich versuche immer zwei Stunden vorher da zu sein. Ja, das ist eine gute Zeit.
Jonas: Genau.
Raúl: Und du, Jonas?
Jonas: Ja, also ich habe für mich gemerkt, dass so dieser Empörungsmodus ist bei mir weg. Also ich habe inzwischen so dieses so, alles unter einer Stunde Verspätung ist für mich pünktlich. Ja. So. Und ich kann es nicht ändern. Warum lohnt es sich, mich aufzuregen?
Raúl: Und man würde ja auch nicht mit dem Auto fahren und sagen, ich komme 19:57 an. Man sagt dann eher so, ja, so gegen Abend zwischen 7 und 9. Also, das ist ja beim Auto ähnlich. Da ist dann aber der Staun eine Naturgewalt.
Jonas: Ja, total. Also, wie gesagt, diese Empörung verstehe ich in dem Sinne quasi auch nicht mehr. Also, es ist so, ich kann es nicht ändern. Ich höre dann quasi noch eine weitere Podcast-Folge bei ARD Sounds, meinetwegen, und bei den eigenen… Ich höre immer nur Podcasts, in denen ich selber so vorkomme. Selbstverständlich. Ist das bei dir nicht so?
Raúl: Nee, ehrlich gesagt, ich höre meine nicht. Aber ich werde echt mal eine Lanze für die Bahn brechen. Und wir werden dafür nicht bezahlt. Aber das Essen im Bordrestaurant ist echt besser geworden. Das Personal, das ich antreffe, ist freundlicher geworden. Ich habe das Gefühl, die haben fast alle eine Schulung inzwischen, wie man mit behinderten Fahrgästen interagiert, die reden nicht mehr mit meiner Assistenz, sondern sie reden immer mit mir. Und das ist nicht Promistatus oder so. Die kennen mich oft gar nicht. Und ich finde schon, wenn ich das vergleiche, dass ich früher mit meiner Mutter im Postwagen Bahn gefahren bin, weil das der einzige Ort war, wo man Rollstuhlfahrende mitnehmen konnte.
Karina: Im Postwagon? Wann war das denn?
Raúl: Ja, in den 80ern.
Karina: Ja, krass.
Raúl: Ich fand das als Kind total aufregend, in einem Postwagen mit Zug zu fahren. Meine Mutter fand es natürlich scheiße. Aber da ist schon auch eine Strecke gegangen worden. Ja, zu langsam, ja und ich klappe schon nicht und ja und ich bin nicht dankbar. Ich möchte nur sagen, es funktioniert auch meistens.
Jonas: Ja, also das stimmt schon gleichzeitig. Also es gibt trotzdem auch noch Bedarf zur Weiterentwicklung. Also es kommt auch immer, glaube ich, darauf an, welche unterschiedlichen Bedarfe man hat. Also ich glaube, bei Karina, bei dir ist es nochmal was ganz Unterschiedliches. Also du brauchst jetzt irgendwie nicht, wenn du jetzt nicht gerade mit dem Rollstuhl unterwegs bist, dann eben auch keine Einstiegshilfe, sondern du würdest dann vielleicht doch einfach so gratis Getränke haben im Bordbistro oder sowas. ich weiß nicht, was sonst deine deine ist, wie man dir zuvorkommen könnte.
Karina: Also Gin Tonic würde helfen, nee Quatsch, das war jetzt gerade mindblowing, weil ich gar nicht wusste, dass ich für meine Gutscheine Alkohol kriegen kann, ich habe nur Wasser und Kaffee bestellt.
Jonas: Also wir wollen es auch nicht gutheißen. Alkohol ist keine gute Sache.
Karina: Ich wusste nicht mal, dass es Alkohol im Zug gibt, ich dachte, da wäre es immer verboten gewesen zu trinken, seit die ganzen Jungsellenabschiede da immer gefeiert haben.
Raúl: Du darfst jetzt nicht mehr rauchen im Zug.
Karina: Ja, ja. Das schon eine ganze Weile.
Raúl: Es gibt kein Bier mehr in der Zapfanlage an Fußballspielen, glaube ich. Frisch gezapft gibt es gar nicht mehr. Ah, okay.
Jonas: Aber man darf nicht mehr rauchen. Ich mache das immer noch. Auf der Behindertentoilette. (Lacht).
Karina: Ach, du bist das, warum es da immer so riecht. Auch beliebt. Ich brauche eigentlich tatsächlich nichts von alledem. Ich brauche noch keine Rampe. Ich kann theoretisch oder wahrscheinlich auch langfristig zur Not diesen Rollstuhl da auch irgendwie selber reinheben oder wen fragen, ob er mir den reinhebt. Genau, aber was ich unbedingt brauche, sind Sitzplätze. Und deswegen, wenn wir schon irgendwie darüber gesprochen haben, dass wir uns nicht beschweren, wenn die Bahn zu spät ist, das juckt mich mittlerweile auch gar nicht. Also ich reg mich da auch nicht auf. Was mich aber wirklich, wirklich stresst, ist, wenn diese Züge so übervoll sind, dass die Leute rausschmeißen oder dass du halt schlichtweg einfach keinen Sitzplatz mehr kriegst und dann irgendwie im Gang sitzt für fünf Stunden, weil das halt, das ist für meine Gelenke einfach der absolute Killer so. Ja, aber ansonsten brauche ich nicht so viel eigentlich, noch nicht.
Jonas: Es kommt immer darauf an, ich war auch schon mal in einem Zug, der sehr, sehr voll war und dann hat quasi ein Zugbegleiter gesehen, dass ich eine Sehbehinderung habe und ich hatte keinen Sitzplatz gebucht und der hat dann quasi so, kam so auf mich zu und so, haben Sie einen Schwerbehindertenausweis? Ich so, ja, kommen Sie mal mit. Und dann hat er mich quasi in die erste Klasse gesetzt und hat dann quasi gesagt, hier, wenn irgendwann, sagen Sie, falls irgendwelche anderen Leute kommen, hier, der Herr sowieso hat mich hier platziert und das ist in Ordnung. Und dann saß ich da neben den ganzen anderen Businessleuten, die die mit ihren meist Sekretärinnen gesprochen haben, welche Dinge auszufaxen sind, irgendwelche Kundinnen.
Karina: Aber guck, das ist auch wieder der große Unterschied, auch wenn man irgendwie gerade eine sichtbare Behinderung hat. Also ich war letztens unterwegs auch mit einem Rollstuhlfahrer und der hatte noch ein bisschen gebraucht, bis die Rampe raus war und so. Ich bin schon eingestiegen, bin zu dem Platz, der eben für Rollstuhlfahrende normalerweise reserviert ist. Und da saßen halt zwei Leute, die zumindest keine sichtbare Behinderung hatten. Und dann habe ich halt gesagt, ich bräuchte diese zwei Sitzplätze für die Begleitung. Und die haben mich angeguckt und sind nicht aufgestanden. Ich habe gesagt, es kommt ein Rollstuhlfahrer. Und da waren sie so, oh Gott, oh Gott, ja, sorry, sorry, wir gehen schon. Es war so wie, ja, für mich wären sie nicht aufgestanden. Und dann stehe ich aber halt da und muss erklären, warum ich vielleicht auch sitzen muss. Und das kotzt mich manchmal einfach so an, dass ich es dann nicht mache und dann halt irgendwo im Flur sitze.
Raúl: Ja, das kann ich total verstehen.
Jonas: Ein großer Pain-Point in dem Sinne ist ja, glaube ich, auch für, gerade eben für Menschen, die im Rollstuhl unterwegs sind, das Spontanreisen mit der Bahn und dieses jederzeit mit der Bahn fahren.
Karina: Ja, dazu habe ich einen O-Ton mitgebracht, beziehungsweise ein kurzes Interview mit Kay Macquarrie. Kay ist Journalist bei der Deutschen Welle und Berufspendler außerdem Rollstuhlfahrer und setzt sich da für barrierefreie Bahnfahrten ein. Mehr Infos gibt es auch auf barrierefreiebahn.de und jederzeitmitbahn.de, das verlinken wir auch in den Shownotes.
Kay Macquarrie: Mittlerweile gibt es ja auch wagengebundene Hublifte und die werden vom Zugpersonal bedient. Und lange Zeit hat man die nicht bedient. Die sind seit 2017 in dem Flaggschiff, dem ICE 4, im Einsatz. Seitdem sind die drin und zwar zwei pro Zug, einer rechts, einer links. Einer versteckt sich hinter einer weißen Wand, der andere hinter einer braunen. Aber faktisch werden die halt erst seit zwei, drei Jahren, seitdem wir da so ein bisschen den Daumen in die Wunde gelegt haben, genutzt vom Zugpersonal. Und zwar auf Wunsch des Fahrgastes.
Karina: Und das funktioniert?
Kay Macquarrie: Das funktioniert, wenn man weiß, wie. Also es ist ganz viel Knoff-Hoff und auch ein bisschen Glück. Aber ja, so in drei von vier Fällen klappt es. Und manchmal, wenn es dann nicht klappt, fragt man dann auch die Bundespolizei, um ihnen zu sagen, so können sie bitte hier mal helfen, damit der Zugchef, die Zugchefin jetzt diesen Zuglift nutzt, für die der Zuglift vorgesehen ist und was sie auch eigentlich tun sollen.
Karina: Also du würdest sagen, da gibt es wirklich Leute, die da arbeiten, die sich weigern, diesen Lift zu benutzen, obwohl es den gibt?
Kay Macquarrie: Absolut.
Karina: Mit welcher Begründung?
Kay Macquarrie: Ja, also es gab so ein paar Fälle, wo der Zug dann ausgefallen ist, weil die Leute nicht wussten, wie sie den richtig bedienen sollten. Oder wie sie halt auch einen Plan B hatten, wenn das Ding mal klemmt, wie sie den aus der Elektronik rausnehmen, sodass der Zug trotzdem weiterfahren kann. Und ich habe das Recht, das steht auch auf der Bahn-Webseite drauf, dass jeder Rollstuhlfahrer oder Mensch mit Behinderung, der dieses Teil bedienen möchte, um in den Zug reinzukommen, weil in erster Linie haben die Züge Stufen, was sie nicht haben sollten, aber weil sie es schon seit 200 Jahren haben, denkt man auch, ja, das können auch die nächsten 200 Jahre so weitergehen, aber nee, eigentlich nicht. Und dafür setze ich mich ein, dafür treffe ich mich mit der Bahn und bin im Programm begleitenden Beirat der Deutschen Bahn zur Barrierefreiheit seit, weiß nicht, sechs Jahren oder so und versuche das Ding in die Nutzung reinzubringen und auch in die Fläche, damit nicht nur ich davon profitiere, der mir jetzt irgendwie sehr viel Wissen angeeignet hat über die letzten Jahre, sondern alle anderen auch.
Karina: Ja, das klingt ja schon ein bisschen so, als müsste ich quasi vorher wissen, in welchem Zug ich fahre, was der für einen Lift hat und dann müsste ich genau wissen, was ich überhaupt einfordern darf als Person und ich glaube, viele Leute wissen das vielleicht auch gar nicht.
Kay Macquarrie: Genau. Und die Kultur ist halt immer noch die, also ja, die Bahn sagt, ja, macht mal lieber, macht ihr mal lieber, liebes Bahnhofspersonal, dann sind wir nämlich aus der Nummer raus, haben keine Verantwortung für die Leute, die halt eine Hilfe brauchen beim Einstieg, weil wir die Barrieren in erster Linie aufgebaut haben. Aber macht ihr mal und wir sind da fein raus.
Karina: Jetzt habt ihr aber die Bahn verklagt auch, habe ich gelesen. Worum ging es da in der Klage und wie ist quasi der Stand der Dinge gerade?
Kay Macquarrie: Ja, also es ist halt einfach so, dass ich dir gar nicht wirklich sagen kann, was der Stand der Dinge ist. Das macht federführend die ISL, Selbstbestimmt Leben in Deutschland. Und da geht es halt irgendwie darum, auch jederzeit auch an den Randzeiten, also dann, wenn keine Mobilität, wenn kein Personal an den Bahnhöfen ist, die Züge zu nutzen. da geht es aber nicht so richtig weiter ich würde mal sagen dieser Klageprozess gerade ich will nicht sagen auf Eis gelegt aber er kommt auch nicht vor er geht wieder zurück noch voran und ich glaube bevor die Klage durch ist gibt es neue Züge und die fahren 30 jahre oder so also ich habe da so ein bisschen die Hoffnung aufgegeben.
Karina: Okay also da ging es quasi darum, weil normalerweise geht das nur zwischen 6 und 20 Uhr glaube ich oder dass die Mobilitätshilfen überhaupt da sind und wenn du als jetzt Rollstuhlfahrer irgendwie vor sechs Uhr vielleicht in die Arbeit muss oder irgendwie nach 20 uhr irgendwie noch unterwegs sein willst, dann kannst du das faktisch gar nicht also außer in Zügen, in die du selber reinkommst, aber nicht wenn du jemanden brauchst der den Lift bedient oder so.
Kay Macquarrie: Genau und da gibt es ja noch den Punkt der “angemessenen Vorkehrungen”, das sagt die UN-BRK also wenn man sich dann 24 Stunden vorher anmeldet, dann möge doch die liebe Bahn dafür sorgen, weil sie in erster Linie ihre Barrieren aufgebaut hat, sodass wir nicht die Züge nutzen können, wie alle anderen auch, dass man dafür Sorge trägt, dass man halt irgendwie auch an den Randzeiten fahren kann. Jederzeit mit Bahn eben.
Karina: Wer muss denn was tun? Also wer ist denn eigentlich überhaupt zuständig? Und was muss genau passieren, dass das besser wird? dass es wirklich eine Bahn jederzeit für Menschen mit Behinderung gibt.
Kay Macquarrie: Ich plädiere ganz stark für Stufen weg und niveaugleichen Einstieg. Also die Bahngleise passen zu diesen verdammten Zügen. Es kann eigentlich nicht so schwer sein, aber faktisch ist es total schwer, weil es kaum Umsetzung findet. Und also eines der größten Erfolge, die ich persönlich, aber auch irgendwie zusammen mit Verbänden erreicht habe, ist, dass Siemens als Haus- und Hoflieferant der Bahn im Fernverkehr jetzt mal einen Dämpfer bekommen hat, weil nämlich die Bahn auch mal in Spanien auf Einkaufstour gegangen ist und den Talgo eingekauft hat. Das ist ein Zug, der im Fernverkehr zu den Plattformen passt und wo es überhaupt gar keine Stufe mehr gibt. Also endlich hat man begriffen, wir setzen hier nicht mehr auf Technik, um Leute rauf und runter zu bringen, die dann wiederum in Abhängigkeit stehen von Personal oder von Liften, die nicht funktionieren oder so. Und deswegen ist der große, also die einzige Antwort ist stufenloser Zugang und zwar niveaugleich, also auch nicht irgendwie durch einen Ausgleich von Rampen, die die Bahn jetzt vorsieht. Das ist nicht nur die Bahn, das ist halt auch die dahinterliegende europäische Norm, die vorsieht, dass man innerhalb der Züge dreimal so steile Rampen haben kann, wie im öffentlichen Verkehr erlaubt wäre. Also das, was man so sieht vor Banken oder so, wenn die mal so eine Stufe nachträglich eingebaut haben, dann darf die in der Bahn dreimal so steil sein.
Karina: Okay, aber wie ist das denn überhaupt umsetzbar bzw. wie lange dauert das denn, bis wir Züge haben oder Bahnsteige oder beides, die komplett eben sind? Also dafür müssten ja ganz, ganz viele Züge ausgetauscht werden und so, oder?
Kay Macquarrie: Da streiten sich Leute schon ganz lange darüber und die einen schieben sich das gegenseitig in die Schuhe mit dem Effekt, dass man nicht wirklich komfortabel und stufenlos reisen kann. Es gibt zum Beispiel im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen der Schweiz und Deutschland zwei verschiedene Plattformhöhen und da gibt es halt irgendwie in einem Wagen zwei Einstiegshöhen, sodass du niveaugleich auf 76 reinkommst wie in Deutschland oder niveaugleich auf 55 wie in der Schweiz. Und im Wagen drin gibt es einen Ausgleich über eine langgezogene Rampe. Lösung gibt es irgendwie ganz viele, aber wirklich in die Umsetzung hinein kommt man nur schwer. Also Siemens hat ein Patent auf ihre Hochgeschwindigkeitszüge angemeldet. Und die sind halt einfach in die Höhe gewachsen. Und weil sie die Kuh jetzt melken, jetzt mal gemein gesagt, irgendwie bleiben die auch da oben und die Technik da unten. Aber es ist wirklich etwas, wo wir in den letzten Jahren gesehen haben, also man kann etwas bewirken durch Hartnäckigkeit. Und wenn dann andere Leute sagen, nö, machen wir nicht, weil wir haben es schon immer anders gemacht und das macht uns jetzt zu viele Probleme, dann sehe ich das nicht ein.
Karina: Es macht auch null Sinn, das zu sagen, wenn ich überlege, wie viele Leute sich da immer abschleppen, auch mit Koffern diese Stufen raufzukommen. Oder gerade wenn ältere Leute reisen ja oft mit der Bahn, die da mit ihrem Rollator nicht hochkommen, weil die drei Stufen im Weg sind. Das wird so vielen Leuten so viel helfen. Also hier Stichwort Curbcut-Effekt und sowas. Also das ist ja alles nicht nur für Leute mit Behinderung. Auch wenn ich schon finde, das sollte man vielleicht trotzdem generell mal mitdenken auch.
Kay Macquarrie: Total. Ja, du sprachst diesen Effekt an mit den Bürgersteigen und so etwas, dass es früher, als die Bürgersteige erfunden worden sind, gab es halt noch keine Absenkung und die Absenkung waren halt, damit Leute im Rollstuhl rauf und runter fahren konnten und jetzt haben wir sie überall und kein Mensch denkt mehr drüber nach. Beziehungsweise es fällt dann auf, wenn halt irgendwie an einer Kreuzung in irgendeinem Dorf tatsächlich keine vorhanden sind. Und dann fragt man sich irgendwie, wie das geht, Bürgersteige ohne Absenkung. Da hat sich das umgedreht und alle profitieren davon. Und ja, wir sind ja sozusagen Hardcore-User, auch einer Bahn. Und im Prinzip bringen wir Innovationen durch die Anforderungen, die wir mit reinbringen. Und letztendlich, je stärker man gräbt, desto mehr schafft man halt auch Zugänglichkeit und Komfort für alle Leute.
Jonas: Kay Macquarrie im Gespräch mit dir, Karina. Und spannend, was ich finde, auch quasi im Aspekt, was sich in den letzten Jahren oder Monaten getan hat. Da habe ich auch quasi nochmal Bastian Arning von der Deutschen Bahn gefragt, was die Deutsche Bahn denn überhaupt sagt zum Thema stufenloser Zugang. der ja, finde ich, Voraussetzung ist, gerade dann, wenn es um auch spontan Reisen geht, wenn man im Rollstuhl unterwegs ist.
Bastian Arning: Vielleicht vorab, also grundsätzlich ist es natürlich nicht verpflichtend, sich anzumelden, sondern natürlich kann man da auch spontan reisen, ist allerdings dann leider mit gewissen Unsicherheiten gepaart. Liegt einfach daran, dass wir erstens in Deutschland verschiedene Bahnsteighöhen haben, die sozusagen den niveaugleichen Einstieg erschweren. Das heißt, ich brauche immer gegebenenfalls auch Systeme, die diesen Niveauausgleich herstellen. Das sind Bahnsteighublifte oder eben auch fahrzeuggebundene Hublifte. Und gerade wenn ich den Bahnsteighublift nehme, brauche ich Personal. Das heißt, dieses Personal muss im Vorhinein natürlich auch disponiert werden, damit die Reise dann dementsprechend auch so stattfinden kann. Deswegen werben wir natürlich dafür, dass eine Anmeldung, wenn man sicher gehen möchte, dass das Sinnvolle und Gute ist, sowohl was den Sitzplatz im Zug angeht, aber auch mit den Personalien, die gegebenenfalls Hilfestellung geben. Nichtsdestotrotz, natürlich arbeiten wir permanent daran, damit das spontane Reisen auch insbesondere für Menschen im Rollstuhl wesentlich leichter abläuft. Wir haben jetzt, wenn man sich die Zahlen mal anguckt, Und seit dem Jahr 2015 im Fernverkehr hatten wir 5% der Züge im ICE als auch im IC-Bereich, die eine fahrzeuggebundenen Einstiegshelfer hatten oder einen niveaugleichen Einstieg. Wir haben im Jahr 2025 sind wir bei 50% in beiden Bereichen. Das heißt, auch da macht sich jetzt bemerkbar, dass neue Fahrzeugmodelle eben auf den Markt kommen und in Betrieb gehen. Und wir auf der anderen Seite aber auch die Infrastruktur, die ja auch so Lebenszyklen hat von 80 bis 100 Jahren, momentan ja sehr stark erneuert werden, sodass wir da dementsprechend das System zwischen Zug und Wagenmaterial und den Bahnsteighöhen wesentlich besser hinkriegen, sodass der niveaugleiche Einstieg zum Beispiel jetzt auch mit dem neuen ICL eben auch möglich ist oder eben bei den anderen Zügen ICE 3 Neo, ICE 4 mit den zuggebundenen Einstiegshilfen. Das heißt, da wird die Spontanität auch wesentlich mehr gefördert, als es bisher der Fall war.
Jonas: Raúl, wie funktioniert bei dir? Spontanreisen? Nicht nach dem Ausland, sondern spontan reisen so mit der Deutschen Bahn?
Raúl: Also das mache ich gar nicht. Ich melde das immer vorher an. Da bin ich, glaube ich, auch ein bisschen zu ängstlich, dass das irgendwie schiefgehen könnte. Spontan Reisen tue ich immer dann, wenn ein Zug unerwartet ausfällt und ich dann den nächsten nehmen muss. Und das hat meistens geklappt. Ich hatte jetzt eine Situation vor ein paar Tagen, da wollte ich nach Erfurt. Und auf Gleis 1 in Erfurt wird der Aufzug gerade erneuert. Der eine Aufzug, der gerade… Also zu diesem Gleis. Und da halten wohl die Fernverkehre Richtung Erfurt. Und ich habe dann wirklich eine halbe Stunde mit der Outline von der Bahn telefoniert, um eine Alternativroute, die über ein anderes Gleis anreist, eine Lösung zu finden, stellt sich heraus, das ging nicht. Selbst über Regionalexpress hätte ich zweimal umsteigen müssen und die Fahrzeit von einer Stunde, Viertelstunde hätte sich auf fünf Stunden verlängert. Und das habe ich einfach partout nicht eingesehen. und bin dann über Halle und dann dort ein Taxi habe ich mich fahren lassen. Hat dann trotzdem doppelt so lange gedauert.
Jonas: Wer hat das bezahlt, das Taxi?
Raúl: Zum Glück der Auftraggeber. Die Alternative wäre gewesen, ich fahre nicht. Und das wollten die aber auch nicht. Ja genau, aber das ist halt ein Privileg. Ich hatte dann schon ganz gerne diese Taxikosten der Bahn in Rechnung gestellt und dann halt so, ah, wenden Sie sich an den Kundenmanagement und die Zeit hast du ja dann in dem Moment einfach auch gar nicht. Und das ist schon tatsächlich sehr ätzend, dass es nicht klar geregelt ist.
Jonas: Ich finde auch gerade, so wie lange man dann in der Hotline drin ist, sind ja meistens dann Situationen, wo es dann eben auch zeitkritisch ist oder zügig gehen muss, im wahrsten Sinne. Also das ist dann ja etwas. Und ich finde aber auch das, was hier beide angesprochen haben, also sowohl Kay Macquarrie als auch quasi Bastian Arning, diese unterschiedlichen Bahnsteighöhen, also jetzt noch nicht mal was mit dem Zug ist, sondern quasi, ich kann mich sehr gut erinnern, als ich früher in Minden, Minden-Westfalen häufig umsteigen musste. Wenn dort, als der Bahnhof noch nicht umgebaut war, da hielt dann ein, also ich war im Doppelstock Regionalexpress und der hatte dann quasi, ganz normal hatte er diese zwei Stufen im Wagen und dann nochmal so eine Trittstufe, die unten ausfährt, die musste ausgefahren werden und dann waren es nochmal 50 Zentimeter zum Bahnsteig runter. Das war Wahnsinn, das war quasi, da sind die Leute wirklich wie in so einen Postwagen so rein geklettert.
Raúl: Und ich frage mich manchmal wirklich, ob da sich auch Leute verletzen. Und ob das nicht auch insgesamt, also es geht jetzt mal nicht um Menschen mit Behinderung, sondern einfach auch ältere Menschen oder Kinder, ob man sich da nicht auch krass verletzen kann. Und ob das nicht auch in deren Sinne wäre, das Ganze anders zu bauen und zu denken. Um wieder kurz die Lanze zu brechen für die Deutsche Bahn. Ja, das wird den verschiedenen Angeboten von Fahrzeugtypen. Es gibt gar nicht so viele verschiedene Fahrzeugtypen insgesamt. Es gibt nicht so viele Hersteller und es gibt jetzt einen aus Spanien, der diese ebenerdigen Einstiege in Schnellzügen ermöglicht.
Jonas: ICL. Genau. Das L steht für, lang hat es gedauert?
Raúl: Ich weiß gar nicht, wofür das L steht.
Jonas: Für Low.
Raúl: Low, okay. Auf jeden Fall, angeblich ist der Fahrkomfort nicht so geil wie im ICE. habe ich gehört, es hoppert mehr, es wackelt mehr. Aber es gibt noch ein anderes Problem, nämlich die Bahnsteighöhen. Und die Bahnsteighöhen, die sind historisch gewachsen, aber vor allem sind Bahnsteighöhen und Bahnhöfe Ländersache. Und wir haben nun mal ein föderales System in Deutschland. Das heißt, wenn du als Bahnbetreiberin versuchst, das zu regeln und zu vereinheitlichen, hast du mit 16 Verkehrsministern zu tun. Oder Minister*innen. Die alle in etwas investieren sollen, die sich erstmal einigen müssen. Das heißt immer, es gibt kein Geld und so weiter. Und es wird aber immer die Bahn geblamed. Dabei gibt es auch Verantwortlichkeiten in der Politik, die wir ganz klar adressieren müssen. Das ist nicht immer alles nur einfach die Bahn.
Jonas: Wie ist es bei dir, Karina? Du hast es ja in dem Gespräch mit Kay Macquarrie angesprochen, dieses in den Zug reinklettern. Wie gehst du mit diesen sehr willkürlichen Vorkehrungen dort vor? Oder willkürlichen Bahnsteighöhen und Zugtypen und dem Ganzen, was du vorfindest?
Karina: Mittlerweile, also ich habe ja nach wie vor das große Privileg, dass ich Stufen gehen kann. Manchmal besser, manchmal schlechter so. Es ist halt meistens blöd, wenn ich irgendwie Gepäck dabei habe, aber mittlerweile bin ich relativ schmerzlos und frage dann einfach Leute, ob sie mir das kurz reintragen können und irgendwo verstauen können. Das habe ich mich früher nie getraut, weil ich immer dachte, die gucken mich jetzt alle ganz komisch an, wenn ich um Hilfe bitte. Aber mittlerweile habe ich auch die Erfahrung gemacht, wenn ich einfach wirklich freundlich frage und sage, ich kann nicht so schwer heben, dass die Leute super nett sind und hilfsbereit. Insofern, ja, also ich habe zum Glück da eigentlich keine schlechten Erfahrungen gemacht. das war alles eigentlich nur mein eigener internalisierter Ableismus, also quasi meine verinnerlichte Diskriminierungserfahrung und so, dass ich dachte, ich darf nicht irgendwie um Hilfe bitten, weil ich sonst schwach aussehe oder sowas. Oder ich darf niemandem zur Last fallen. Und das war halt völlig ein Käse. Einmal hat einer Nein gesagt. Da habe ich richtig doof geguckt. Ich habe gesagt, könnten Sie mir vielleicht helfen, ich kann nicht so schwer heben. Und er so, nö. Dann stand ich da so, okay.
Jonas: Vielleicht hatte auch diese Person eine unsichtbare Behinderung.
Karina: Gut möglich. Das weiß man ja nicht. Nee, und das ist auch wieder das Nächste, wenn mich jemand fragt, ob ich helfen kann, ich sage auch nie nein. Also das ist auch sowas so, weil ich dann, ich will dann mir nicht die Blöße geben, erklären zu müssen, warum ich jetzt nicht helfen kann. Und also ja, ich muss da noch ganz viel lernen, was ich immer anderen Leuten predige und selber überhaupt nicht gut kann.
Jonas: Ich kenne das immer nur, wenn mich hier in Berlin, wo wir aufzeichnen, Personen nach dem Weg fragen, dann ist man meine, sorry, ich komme nicht von hier. Keiner, also ich kenne mich U-Bahn-Stationen-mäßig irgendwie durch Berlin navigieren, ja, aber ich kenne teilweise die Straßennahme in meinem eigenen Kiez nicht. Früher als Kind konnte ich das sehr gut.
Raúl: Da bin ich sehr froh, dass ich als sichtbar behinderter Mensch nie gefragt werde. Ich bekomme auch nie Flyer zugesteckt.
Karina: Keiner fragt dich, ob du den in den Koffer irgendwo reinträgst? (Lacht)
Raúl: Die Einzigen, die mich regelmäßig ansprechen, sind die Zeugen Jehovas.
Karina: Ja, naja gut, Heilung und so. (Lacht)
Jonas: Ja, genau. Also ich werde häufig quasi, wenn mich Leute nach dem Weg fragen, und ich helfe da auch gerne, ist immer dieser awkward Moment, dass die Leute mir irgendwie dann ihr Handy hinhalten mit dem Ding. Schwierig. Ich finde aber quasi von dem positiven wie negativen Bahnerfahrung, die wir jetzt persönlich gemacht haben, das kann ja auch in dem Sinne nur eine Einzelmeinung sein. Und weil wir noch mehr Leute auch eben in dem Sinne zu Wort kommen lassen möchten, haben wir Zauberbärin und Frankyman gefragt. Vielleicht die einen oder anderen kennen sie. Es sind Personen, die häufig mit der Deutschen Bahn unterwegs sind. Das ist deren Hobby. Die haben diese obligatorische Bahncard 100 und gucken, wie sie halt, wenn sie Termine irgendwo haben, dann mal auch quasi so einen kleinen Schlenker fahren und sind, man könnte schon fast sagen, Bahninfluencer*innen. Und haben in dem Sinne sehr, sehr viele Erfahrungen gemacht, eben auch mit, und da sind wir wieder, das ist glaube ich so der rote Faden, gerade weil Zauberbärin in einem Rollstuhl sitzt und einen Talker benutzt, und das wird man auch gleich nochmal in dem Sinne hören, sind sie eben auch dort eben auf diese Hublifte angewiesen. Das ist, glaube ich, gerade die größte Barriere in dem Sinne, also wirklich auch in einen Zug reinzukommen. Wir werden quasi auch deren Instagram-Kanal in unseren Show Notes auf www.die-neuen-norm.de nochmal verlinken, weil sie total viele spannende Geschichten haben von ihrem Alltag in Reisen mit der Deutschen Bahn.
Frankyman: Leider gibt es noch sehr viele Barrieren bei der Bahn. Das eine sind die Servicezeiten. Nicht jeder Bahnhof ist rund um die Uhr besetzt und wenn man mit einem Zug fahren will und braucht dort eine Einstiegshilfe, weil der Zug keinen Bordhublift hat und da ist kein Personal, dann kann man diese Fahrt nicht machen und muss völlig anders planen. Dann gibt es Probleme mit der Digitalisierung. Wir haben zum Beispiel immer noch nicht die Möglichkeit, per App oder Web den Rollstuhlplatz selbst zu reservieren. Die Kommunikation an sich funktioniert immer wieder mal nicht. Dann wird man vergessen, weil jemand nicht wusste, dass man mitfahren will, weil eine Anmeldung nicht angekommen ist. Dann die Technikprobleme. Funktioniert der Aufzug am Bahnhof? Funktioniert der Hublift im Zug? Funktioniert das WC im Zug? Funktioniert die einzig für uns nutzbare Tür? Also wenn da technisch etwas nicht funktioniert, dann funktioniert die ganze Fahrt nicht. Und dann auch immer wieder Probleme mit dem Personal, wenn zum Beispiel behauptet wird, dass man den Boardhublift für einen Elektrorollstuhl gar nicht benutzen darf. Oder wenn immer wieder drauf bestanden wird, dass wir uns anmelden müssen, was ja überhaupt nicht stimmt.
Zauberbärin: Ich finde es nicht gut, dass ich immer wieder gefragt werde, ob ich auch angemeldet bin.
Frankyman: In den letzten Jahren haben wir viele kuriose und absurde Geschichten erlebt. Zum Beispiel mussten wir mal einen anderen Zug von Berlin nach Bremen nehmen und mussten über Hannover fahren. Das Problem war, der Zug wäre um 23.51 Uhr in Bremen angekommen und das Servicepersonal ist da nur bis 23.45 Uhr. Und dieser Zug hatte keinen eingebauten Hublift. Somit mussten wir den Zug, der nach Bremen fährt, bereits in Hannover verlassen. Und die Bahn hat uns für ein paar hundert Euro ein Taxi bezahlt, um von Hannover nach Bremen zu fahren. Die Strecke, die der Zug auch gefahren wäre. Aber wegen diesen sechs Minuten Unterschied bei der Servicezeit konnten wir da halt nicht aussteigen und mussten vorher aussteigen. Das fand ich schon sehr absurd. Dann hatten wir mal einen Fall, da mussten wir in Köln in Deutz zum Fernverkehrsgleis. Und die einzige Möglichkeit war dann nur, durch einen Tunnel durchzugehen. Und dieser Tunnel war abends gesperrt von der Polizei, weil dort Hooligans erwartet wurden. Das wurde aber nicht kommuniziert von der Bahn und wo wir angemeldet waren, wusste das halt keiner. Und wir kamen da nicht durch und mussten zu unserem Zug. Und dann sind wir zum Schluss mit dem Bahnmitarbeiter einen Kilometer um den Bahnhof rumgelaufen und haben tatsächlich in letzter Minute noch den Zug bekommen. Auch wenn es für uns schon fast normal ist, so ist es eigentlich auch ziemlich absurd, dass ich bei den eingebauten Hubliften in den Zügen mithelfen muss. Die werden so selten benutzt und es fehlt da oftmals die Routine, obwohl diese Hublifte dafür gedacht sind, dass man spontan fahren kann und außerhalb der Servicezeiten fahren kann, dass ich mir irgendwann mal, als wir stehen gelassen wurden, weil man ihn nicht bedienen konnte, die Bedienung selber beigebracht habe und inzwischen leite ich immer wieder das Personal an. Es gibt ganz kuriose Szenen da in der Nacht, wo wir uns dann alle freuen, wenn wir es dann hingekriegt haben und wenn ich so eine kleine Minischulung gemacht habe. Und wir hatten auch schon, wir sitzen im Zug und wir hatten einen weiteren Rollstuhlfahrer im Zug und der wollte irgendwie um vier Uhr in der Nacht aussteigen und da war natürlich kein Personal. Und ich wusste das und ich bin nachts dann aufgewacht und habe gemerkt, dass sie diesen Hublift nicht richtig bedienen können. Dann bin ich dazu gegangen, habe meine Hilfe angeboten und habe dafür gesorgt, dass der Rollstuhlfahrer aussteigen konnte. Also wenn man richtig darüber nachdenkt, das ist schon ziemlich absurd.
Zauberbärin: Die zwei komischsten Geschichten waren für mich die in Mannheim ohne Aufzug und in München ohne Essen und Trinken in der Lounge.
Frankyman: Genau das sind zwei weitere ziemlich kuriose aber eigentlich auch schreckliche Geschichten die uns beide richtig zugesetzt haben das eine war in München in der Lounge nicht im Zug und da ist es so es gibt diese Sonderregelung, dass Rollstuhlfahrer mit einem Flexticket oder einer Bahncard 100 in den Premium-Bereich der Lounge rein dürfen. Da gibt es auch Essen und Trinken und das hat man uns verwehrt in München. Hat behauptet, ich würde meine Frau missbrauchen, um mir Leistung zu erschleichen und wir sind dann trotzdem reingegangen und dann hat sich eine Mitarbeiterin hingestellt, vor allem Fahrgäste, und hat gesagt, die beiden werden hier nicht bedient. Eine absolut peinliche und diskriminierende Situation und na gut, das führte dann dazu… Also innerhalb kürzester Zeit, innerhalb Minuten danach, hat sich die Bahn bei uns gemeldet und hat gesagt, nee, das geht gar nicht. Und man hat sich auch bei uns entschuldigt und es wurden wohl danach an alle Lounges Meldungen rausgeschickt, dass sowas nicht mehr passieren darf. Weil diese Regelung einfach nicht beachtet wird und man sie kaum kennt. Und die andere Geschichte, die meine Frau meint, das passierte in Mannheim. Wir sind spätabends von Heidelberg zurückgekommen, mussten in Mannheim in unseren ICE steigen und hatten da fast eine halbe Stunde Umstiegszeit. Also eigentlich super einfach. Und was wir damals noch nicht wussten, in Mannheim wird in der Nacht die Bahnhofshalle abgeschlossen. Aber nur da ist der einzige Aufzug drin, mit dem man zu den anderen Aufzügen, zu den Gleisen kommt. Und wir sahen schon unseren ICE auf der anderen Seite stehen und wir kamen nicht zu dem Aufzug. Und wir wussten das nicht. Wir sind die ganze Zeit um das Bahnhofsgebäude rumgelaufen und haben nach dem Zugang gesucht, wie wir zu diesem Aufzug kommen. Es war auch nicht ersichtlich aus der Internetseite, aus der Bahnhof.de. Wir wussten das nicht. Und haben die Polizei dort gefragt und die haben uns gesagt, da ist eine Schräge und dann sind wir dahin. Aber mit der Schräge runter sind wir zu Treppen gekommen. Also das hat uns auch nichts genutzt. Die Schräge endete wieder in einem Gang unter den Gleisen zu Treppen. Und dann haben wir einen Sicherheitsmitarbeiter dort gefunden und der sagte uns, ganz am Ende gibt es einen alten Posttunnel, den darf man zwar nicht benutzen, aber das machen wir jetzt. Und den haben wir dann benutzt und dann sind wir tatsächlich in der letzten Minute zum ICE gekommen und ich hatte denen eigentlich schon gesagt, wir brauchen den Bordhublift, den wollten sie gar nicht benutzen. Da haben die sogar noch gesagt, ja vielleicht können wir den Rollstuhl heben, wir wollen den Hublift nicht benutzen und der Rollstuhl wiegt mit Personen drin 260, 270 Kilo. Die kann man nicht heben, das geht ja jetzt viel zu gefährlich und dann mussten sie in der Nacht noch diesen Hublift benutzen. Und das war absolut stressig, also uns hat kaum eine Situation so sehr gestresst. Wir haben auch in der Nacht nicht gut geschlafen und meine Frau hatte eine Spastikattacke, uns ging es überhaupt nicht gut. Das hat uns wirklich extrem gestresst und es stellte sich raus, die Mobilitätszentrale hat vergessen, sich darum zu kümmern, dass wir zu diesem Aufzug kommen. Die wissen, dass der Aufzug da verschlossen ist in der Nacht und die kümmern sich dann darum und das hat man in diesem Fall einfach vergessen.
Jonas: Ja, viele Geschichten, die sie erlebt haben, weil sie eben aber auch viel fahren, natürlich. Schon kurios, alter Posttunnel und so weiter. Was ist Raúl für dich so deine, als Vielfahrer in Anführungsstrichen, deine kurioseste Geschichte?
Raúl: Ich bin mal mit mehreren Menschen im Rollstuhl mit dem Zug gefahren. Wir wollten über Mannheim an einen kleinen Ort mit dem Regionalexpress fahren. Der Regionalexpress hatte eine Rampe, einen bordgebundenen Hublift. Das Personal von diesem Regionalexpress sagte uns, Sie können das Ding nicht benutzen, weil das vom TÜV nicht freigegeben ist.
Jonas: Okay.
Raúl: Und wir waren acht Rollifahrer. Und dann haben wir gesagt, okay, und was machen wir jetzt? Das wird ja dann beim nächsten genauso sein. Ja, ja, das ist so. Okay, und wie kommen wir jetzt an diesen Ort, wo wir hinwollen? Ja, das geht nicht. Ah, okay, das geht nicht. Gut, dann, wenn sie uns jetzt hier per Text bestätigen, also ein förmliches Schreiben machen, dass es nicht geht, dann mieten wir jetzt eigenmächtig Taxis, die uns da hinfahren. Und haben dann Taxis gemietet, acht barrierefreie Taxis. Die waren ja in Mannheim, da gibt es sowas. Und die Taxis kosteten dann 1000 Euro am Ende. Und wir haben anderthalb Jahre gebraucht, um das Geld von der Bahn zurückzubekommen.
Jonas: Okay wow.
Raúl: Ja also das hat echt die haben es halt irgendwann nicht mehr geglaubt und das dauert ja dann auch Wochen bis du überhaupt eine Antwort bekommst und dann als du ständig die anderen Ansprechpartner musst du immer wieder neu belegen und neu beweisen und ich war so froh, dass wir einen Beleg hatten und dass uns der Bahnmanager des Mannheimer Hauptbahnhofs uns gesagt hat, ja das ist echt ein Problem sonst hätten wir das Geld wahrscheinlich nicht bekommen.
Jonas: Karina, kannst du das toppen?
Karina: Ne. Ich glaube, niemand kann Geschichten toppen von Rollstuhlfahren in der Bahn, weil das einfach ein ganz anderes Level an Shitshow ist.
Raúl: Aber, ich habe da eine schöne Geschichte. Ich bin im Sturm Xavier, Xaver oder wie der hieß, bin ich im ICE stecken geblieben. Der ganze Zug fuhr nicht, kein Zug fuhr, wenn ihr euch erinnert. Es gab doch diesen Totalausfall im Norden wo kein Zug fuhr, weil Oberleitung kaputt war. Und dann kam der Schaffner und hat gesagt, ja, okay, wir haben ein Problem, der Zug fährt nicht weiter, wir wissen nicht wann, wir erreichen auch die Zentrale nicht mehr, weil die überlastet ist. Und das Einzige, was ich organisieren konnte, ist, es kommt jetzt ein anderer Zug, der nicht auf Stromtrassen angewiesen ist, wir evakuieren jetzt die Fahrgäste, außer die im Rollstuhl, die bleiben im Zug. Und wir versuchen eine Lok zu organisieren, die auch nicht auf Strom angewiesen ist, die diesen ICE jetzt zum nächsten großen Bahnhof fährt. Und wir haben Stunden in diesem Zug verbracht und dann erklärte der uns, nachdem alle evakuiert waren, jetzt passieren folgende Dinge. Erst geht das Internet aus, dann geht die Klimaanlage aus und am Ende geht das Licht aus. Weil dann hat der Zug einfach auch gar keinen Strom mehr. Und dann wurde es tatsächlich wärmer bzw. kälter, weil die Klimaanlage ausfiel. Und dann meinte er, ich habe jetzt, weil ich immer noch keinen erreicht habe in der Zentrale, einfach die örtliche Freiwillige Feuerwehr angerufen. Wir waren zwischen Hannover und Göttingen. Und dann kamen die mit Blaulicht und es war so ein geiles Bild gewesen. Wir waren zu zweit mit dem Zugchef. Der kann ja auch nicht einfach gehen. Der Käpt’n verlässt das Schiff nicht. Und dann standen wir an der Tür und haben gewartet, bis die Feuerwehr eine Lösung findet, wie sie die Rollifahrer raus kerigen, mitten auf dem platten Land. Und dann kam eine junge Feuerwehrfrau, freudestrahlend, und meinte, geil, ich wollte immer mal was wegflexen. Und hatte so eine Säge in der Hand. Sie hat einfach so ein Schild, das zufälligerweise vor der Tür stand. Und sonst hätte man da nichts anbauen können. Einfach weggeflext. Und dann habe ich gefragt, okay, aber dürfen Sie das? Und sie meinte, bei der Feuerwehr fragt man erst danach, ob man das durfte. Und dann hat die ihren Vater gebeten, aus der privaten Garage Holzpaneele zu holen. Und dann haben die innerhalb von eineinhalb Stunden eine Rampe gebaut aus Holz, die mich dann und die andere Person aus dem Zug aufs Feld gebracht hat. Und dort stand dann ein Rote-Kreuz-Rampen-Auto, das uns zur nächstgelegenen Unterkunft brachte. Das war ein Gemeinschaftshaus in irgendeinem kleinen Kaff. Und da waren dann alle, die evakuiert wurden.
Jonas: Die Geschichte glaubst du doch selber nicht.
Raúl: Das ist total absurd. Die waren dann da alle und haben gewartet. Und total top ausgestattet, dieses Gemeindehaus. Es gab genug Strom. Wir haben jetzt Verlängerungskabel, die sie überall verteilt haben. Der örtliche Lidl hat Essen und Getränke zur Verfügung gestellt. Die Bahnmitarbeiter bekamen einen eigenen Raum, der auch bewacht war von einem Feuerwehrmann, damit die nicht die ganze Zeit belagert werden von den Fahrgästen. Und man konnte sich aufwärmen, es gab sogar Internet, man konnte endlich mit seiner Familie kommunizieren, man konnte seine Geräte laden, also wirklich total gut organisiert und dann kommt ein Feuerwehrobertyp und sagte, ich habe mitbekommen, dass hier einige Leute anfangen, eigenmächtig Taxis zu bestellen, damit die hier wegkommen. Wenn ich nochmal jemanden dabei erwische, dann nehme ich ihm das Taxi weg. Und alle so, oh mein Gott, wie sollen wir denn jetzt hier wegkommen? Die Leute waren auch sauer. Die Leute waren wirklich wütend. Und dann hat der Feuerwehrmann gesagt, wir teilen die Menschen hier in diesem Raum, 200 Leute, wir teilen diese Menschen hier in dem Raum jetzt in Himmelsrichtung auf. Wer muss nach Norden, wer muss nach Süden?
Jonas: Also ich dachte Triage oder sowas.
Raúl: Nee. Dann wusste er ungefähr, wie viele Taxis er brauchte. In welche Richtung. Und hat dann ein Reisebüro aufgemacht. Und hat dann gesagt: “Okay, die Richtung Berlin, die gehen in die Ecke.” Und dann hat er sogar mehrere barrierefreie Taxis organisiert. Und die haben uns dann sogar bis nach Hause gefahren. Das heißt, unser Taxi war das beliebteste, weil die nicht zum nächsten Bahnhof gefahren. Die haben dann quasi gesagt: “Ja, und die fahren dann eben nach Hause direkt.” Und das war schon echt ein total geiles Erlebnis, bestimmt sechs Stunden insgesamt. Aber hat alles funktioniert, generalstabsmäßig durchorganisiert.
Jonas: Und hat auch eine geile Geschichte zum Erzählen. Finde ich auch. Super. Aber die Zugevakuierung, ich weiß nicht, wir haben es damals, als wir zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse waren, also ihr, ich nicht, 2025, da steckte ich ja im Zug fest. Das war dann leider halt kein schöner Anlass, das war ein Personenschaden in dem Sinne, und da war es halt wirklich so, dass dann quasi der Zug komplett evakuiert werden musste und das ging dann halt wirklich, dass dann auf dem Parallelgleis ein ICE hielt und dann wurde so eine kleine Mini-Metallbrücke hingelegt und dann das war der einzige Übergang, also quasi mussten alle im Entengang, alle 500 Leute aus dem Zug in den nächsten Zug rein und gut, dann war da quasi natürlich das Bordbistro und so weiter nicht geöffnet, keine Kein Problem in dem Sinne. Spannend war aber, weil wir so lange auf offener Strecke gehalten haben, hat dieser neue Zug, als wir dann losgefahren sind, auch noch mal auf offener Strecke gehalten, weil in dem Zug Tiere halt waren. Leute sind dann mit Hunden gereist und die mussten halt irgendwann mal. Und dann haben wir quasi auf offener Strecke gehalten. Dann wurde quasi ein Leiter gemacht und dann durften alle quasi, die ihren Hund hielten, auf dieser Wiese, die dann quasi auf offener Strecke war, ihren Hund mal eben kurz hier…
Raúl: Aber das ist doch pragmatisch, oder?
Jonas: Total pragmatisch. Aber auf der einen Seite war es ein bisschen Service und toll. Auf der anderen Seite waren sie, ich will zur Buchmesse. Ich habe keine Zeit, dass Hunde jetzt auch noch hier in die Gassi gehen. Und so, es war sehr gemischte Gefühle.
Raúl: Aber diese Brücken, die sie auslegen können, um von Zug zu Zug sich zu evakuieren, die sind zu schmal. Da kannst du mit dem Rollstuhl gar nicht rüberfahren. Ja, genau. In anderen Ländern gibt es barrierefreie Brücken. Und da fragt man sich schon, warum geht das bei uns nicht?
Jonas: Wichtiger und guter Punkt. Das ist dann eher etwas, wo man dann sagt, okay, dann werden die Leute halt, wenn es zu diesem Fall kommt, dann werden halt Menschen rausgetragen. Das ist halt, glaube ich, eher so dieser Gedankengang. Ich meine, es ist dann ja auch zwischen den beiden Zügen ist ja auch relativ wenig Platz und das wurde ja dann irgendwie auch gehalten. Also bei meiner Evakuierung, da wurde es dann quasi auch von Feuerwehrmenschen dort irgendwie gehalten. Das war auch schon sehr spektakulär. Also bei all der Dramatik und Traurigkeit dieses Ereignisses. von dem einen in den anderen Zug rüber zu gehen zu müssen, das war schon sehr seltsam.
Raúl: Vielleicht, um das Ganze abzurunden, ich sehe die Fortschritte, die passieren bei der Bahn auch. Trotzdem fühle ich mich oft noch als Fahrgast zweiter, dritter Klasse, weil zum Beispiel, ich habe nicht das Recht, im Gang zu stehen.
Jonas: Okay.
Raúl: Ich darf nur Zug fahren, wenn der Rolliplatz frei ist. Und wenn er nicht frei ist, kann ich den Zug nicht nehmen. Und wir oft stehen aber Menschen einfach im Gang. Warten auf dem Boden, was auch immer. Und dieses Recht habe ich nicht. Und dann wird immer gesagt, ja, aus Sicherheitsgründen. Und ich finde es wirklich problematisch, wenn Menschen mit Behinderung als Sicherheitsrisiko gesehen werden. Egal, ob es die eigene Sicherheit ist oder die Sicherheit anderer. Über einen Kinderwagen kann man auch stolpern, steht auch im Fluchtweg. RentnerInnen mit dem Rollator könnten auch im Fluchtweg stehen. Gepäckstücke sowieso. Das da, finde ich, echt mit zweierlei Maß gemessen wird.
Jonas: Aber ich finde, das, was du gerade ansprichst, du fühlst dich 2. oder 3. Klasse, ist auch etwas, was ich, was ich an den Arning von der Deutschen Bahn gefragt habe, im Sinne von Wahlmöglichkeiten. Du hast ja quasi auch als Person, die dann Schwerbehinderung hat oder quasi im Rollstuhl sitzt, ja auch gar nicht so die Chance, woanders großartig im Zug unterwegs zu sein, so aus diesem festgelegten Platz. Wie sieht es mit Wahlmöglichkeiten aus? Kannst du auch als Person, die im Rollstuhl unterwegs ist, erste Klasse fahren? Das ist seine Antwort.
Bastian Arning: Wir haben besondere Bereiche, weil natürlich die Anforderungen an die Bereiche, wo Rollstuhlnutzer sich bewegen, die Dinge nutzen, dementsprechend auch gebaut sein müssen, damit dies auch reibungslos funktioniert. Und aus diesem Grund verfolgen wir da das Konzept, dass dieser Bereich letztendlich eigentlich klassenlos ist. Und zwar fahre ich mit einem 2. Klasse Ticket in einen Bereich, der mehr Platz als in der 2. Klasse zur Verfügung stellt und gleichzeitig auch die Service-Möglichkeiten mit dem Service-Ruf, dass die Service-Personale kommen, mir den Kaffee zum Beispiel bringen oder dergleichen, habe ich in diesen Bereichen eben auch und die Möglichkeit, da diese Dinge zu bestellen und zu nutzen. Das heißt, auch gerade, wenn wir jetzt den ICL, den neuen Zug angucken, auch in diesem, ist das ein eigener Bereich für die Rollstuhlfahrer, in genau dem eigentlich die Dinge der ersten Klasse abgebildet sind, die allerdings, wenn man jetzt mal diese Wahl zwischen zweite und erste Klasse nehmen würde, wirtschaftlich nicht so abbildbar wären, dass ich irgendwie mehrere Bereiche in den Zügen habe, die die Anforderungen, die ich dafür brauche, dann entsprechen würden. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, genau diese Bereiche gesondert auszuweisen. Es ist eben nur ein zweite Klasse-Ticket notwendig, aber ich habe auch eben Platz und Servicebedarf wie in der ersten.
Jonas: Überzeugt dich das?
Raúl: Halb. Also ich habe ja auch vorhin von der BahnCard 100 erzählt, mit der man auch in die Premiumlounge darf als Mensch mit Behinderung. Ich glaube, das sind genau diese Versuche, das einigermaßen auszugleichen. Wenn ich ehrlich bin und ich sehe, dass sich einige Leute darüber empören, ist das jetzt nicht meine Top-Prio, als rollstuhlfahrender Mensch in der ersten Klasse fahren zu können. Da würde ich erst mal andere Baustellen bearbeiten wollen. Ich könnte auch sagen, ich bin genervt, dass ich immer neben dem Kleinkindabteil sitzen muss. Aber Kinder haben genauso ein Recht zu reisen. Ich habe jetzt eigentlich keine Lust daraus… Ich möchte meine Privilegien ausnutzen, ein Spiel zu machen.
Jonas: Karina, du möchtest gerne in der ersten Klasse reisen, ne?
Karina: Ja, ich reise eigentlich nur erste Klasse. Das klingt immer so privilegiert, wenn man das sagt. Ist es auch. Aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich, mich kostet das ganz viel Energie, wenn ich wo bin, wo es sehr laut ist und viele Menschen um mich herum reden. Also gerade so ein Kinderabteil, ich mag Kinder und so und ja, natürlich haben die ein Recht zu reisen, aber es zieht unfassbar viel Energie, wenn ich irgendwie auch nur versuche, mich auf irgendwas auf dem Laptop zu konzentrieren und das ist im Hintergrund ganz, ganz laut. Und gleichzeitig ist die erste Klasse normalerweise immer der Ort, wo es einen Sitzplatz gibt. Also wenn ich weiß, ein Zug fällt aus, dann damit ist deine Sitzplatzreservierung ja dahin. In den meisten Fällen. Und dann ist der nächste Zug so gestopft voll, dass du in der zweiten Klasse nur noch im Gang stehen kannst. Oder dann irgendwo im Flur sitzt.
Jonas: Oder dich auf der Toilette einschließen musst.
Karina: Ja, habe ich noch nie ausprobiert.
Jonas: Service-Tipp von meiner Seite.
Karina: Das wäre immerhin ein Sitzplatz. Aber das riecht wahrscheinlich auch nicht so gut. Aber im Zweifelsfall würde ich das auch machen, wenn ich mich da hinsetzen könnte. Genau, aber in der ersten Klasse ist halt meistens dann trotzdem noch was frei, selbst wenn die zweite komplett vollgestopft ist. Und deswegen habe ich angefangen, das einfach nur noch so zu machen, dass ich halt auch mit Bahn Card, aber immer erste Klasse fahre. Und es ist tatsächlich auch nur ein einziges Mal vorgekommen, dass die Bahn Leute aus der ersten Klasse rausgeschmissen hat, weil der Zug so übervoll war. Und ich hatte Glück. Ich war die Einzige, die nicht aufgefordert worden ist, zu gehen von den Leuten, die standen, weil ich gesagt habe, dass ich einen GDB habe und dass es sehr schlecht für mich wäre, wenn ich jetzt vier Stunden da auf diesem Gleis auf den nächsten Zug warte. Das hat tatsächlich funktioniert, war ich auch ein bisschen überrascht.
Jonas: Ja, aber wie gerade dieses eine Mal, als ich in die erste Klasse gesetzt wurde, ich fand es ehrlich gesagt ziemlich laut und ziemlich anstrengend, weil dort eben alle Businessleute waren, die telefoniert haben.
Raúl: Ja genau, die sind auch nicht stiller.
Jonas: Ich hatte kurz darüber nachgedacht, ja, dann geht doch ins Ruheabteil. Aber da darfst du eben quasi mit dem, da sind ja Leute, wenn du da mit deinem Laptop-Tastatur und dem sehr lauten Tastenanschlag, den ja manche Leute haben, das ist ja irgendwie auch sehr nervig. Und da darfst du ja eben auch nicht telefonieren oder irgendwie andere Sachen machen. Das ist, ja, also ich verstehe schon, wo dein Gedanke herkommt, dass das eben für dich gut ist. Ich merke nur manchmal, dass gerade dann, wenn man jetzt beruflich unterwegs ist, es wird halt immer so ein bisschen, klar, ich hab dann kritisch drauf geguckt, so ein bisschen die Nase gerümpft, indem es ein Aha, also wir bezahlen hier nur zweite Klasse, Bahncard 25 oder 50, aber hier, also erste Klasse Tickets, nö, warum?
Karina: Ja, wobei das mit Bahncard am Ende nicht viel mehr kostet als ein zweite Klasse Ticket und dann damit bestechen die meisten Leute und sage, na guck, selber Preis am Ende vom Tag und die Bahncard zahle ich ja selber insofern. Ich habe auch tatsächlich letztens versucht, mit Rollstuhl erste Klasse zu fahren, weil ich dachte, nee, ich mache das jetzt einfach und guck mal, wie es läuft. Ja, ich habe ja einen Faltrollstuhl momentan noch und dachte, das muss schon irgendwie gehen, da stehen überall Koffer rum, ich kann mich ja umsetzen. Also wieso soll ich, ich brauche ja keinen Rollstuhlsitzplatz wirklich. Dann war allerdings jedes Kofferregal schon voll. Und dann habe ich diesen Rollstuhl halt zusammengefaltet und habe ihn an so eine Wand gestellt und dann stand er halt im Gang. Und es hat keine zwei Minuten gedauert, da bin ich aufgefordert worden, diesen Rollstuhl irgendwo anders hinzustellen, weil Feuerrisiko, bla bla bla. Währenddessen, aber in diesem ganzen Scheißzug, überall Leute standen in jedem Gang vor jeder Tür. Und das war auch wieder sehr nett. Da war ein junger Mann in der Nähe gesessen, der gesagt hat, das kann ja wohl nicht sein, das ist ja nicht irgendein Koffer, das ist ein Rollstuhl, den braucht man. Und der hat mir dann geholfen, quasi den Überkopf in dieses Staufach reinzukriegen und hat seine Sachen dafür rausgenommen und woanders hingelegt. Aber ansonsten, keine Ahnung, hätte ich wahrscheinlich auch aussteigen müssen, weil du da den Rollstuhl halt nicht hinlegen darfst oder hinstellen darfst. Also irgendwie muss doch auch mal eine Differenz sein zwischen einem Koffer und einem Rollstuhl.
Raúl: Ja, und ich denke auch, wir sollten da auch ein bisschen mehr Beinfreiheit bekommen, das Personal, die entscheiden das ja auch wahrscheinlich, weil sie müssen.
Karina: Ja klar, das ist halt die Regel.
Raúl: Aber dann muss man da irgendeine Lösung finden.
Karina: Ja, finde ich auch.
Jonas: Jetzt haben wir schon die ganze Zeit über quasi diesen Fokus auf Rollstuhl und Gehbehinderung gelegt. Das, was ich halt aber auch finde, ist, dass es gewisse noch Optimierungsbedarf gibt, was so Behinderungen von, sag ich mal, Sinnesbeeinträchtigung angeht. Also ich finde gerade in dem Bereich der Kommunikation für blinde Menschen, für Menschen auch gerade, die gehörlos sind, finde ich das irgendwie noch sehr, ja, dass noch Nachholbedarf ist. Ich finde es immer, immer wenn ich irgendwie an einem S-Bahn-Gleis stehe und dann kommt irgendwie zehn Sekunden vorher eine Durchsage, Achtung, Zugverkehr oder ein Zug fährt durch und dann rauscht da quasi so ein Zug durch. wo ich denke, okay, das ist ein Hinweis, wie kann man das quasi nach einem Zwei-Sinne-Prinzip so machen, dass eben eine gehörlose Person, die bestimmt wegen ihrer Behinderung jetzt sich nicht irgendwie am Rand des Bahnsteigs aufhält, aber eben davon nicht zu überrascht zu werden. Merke ich manchmal, wenn ich halt selber irgendwie Kopfhörer aufhabe und irgendwie so in Musik vertieft bin und dann nicht auf die Durchsage höre, dass es schon manchmal sehr, wenn da so ein ICE in Vollkaracho da durchrast, irgendwie sehr problematisch ist. Und gerade dann, so ich finde, die so Bahninformationen, Durchsagen, die so Standard sind, die funktionieren nach dem Zweisinneprinzip. Du hast ja Durchsagen im ICE, welche Anschlusszüge es gibt, das wird auch alles auf den Monitoren angezeigt und so. Aber das ist ja gar nicht quasi das Relevante. Wichtig wird es ja dort, wo es dann Sondersituationen sind. Also warum sind wir außerplanmäßig hier stehen geblieben? Wie sieht es aus mit Evakuierung oder weiterer Verspätung? Wie geht es jetzt weiter? Also in solchen Situationen, das sind halt eben ja nicht vorgefertigte Standardsachen, die man irgendwie anzeigen lassen kann, sondern da wird es halt dann individuell. Und ich glaube, da gibt es noch einen großen Nachholbedarf, wie man eben Leute abholen kann, die eben die Durchsagen nicht hören. Oder eben Leute, die nicht irgendwie auf irgendwelche Hinweistafeln gucken können, weil sie eben blind sind oder eine Sehbehinderung haben.
Raúl: Ich muss auch hier wieder eine Lanze brechen. Ich bin ein großer Fan vom DB-Navigator geworden. weil ich finde es auch faszinierend wie komplex das System Bahn ist es gibt ja Abschnitte an Bahnsteigen, es gibt Wagennummern, es gibt Zugnummern es gibt Fahrtrichtungen und die ändern sich also es kann einfach sehr schnell sehr komplex werden
Jonas: Zugteilung
Raúl: Aber im DB-Navigator, seitdem es diese Funktion gibt, finde ich es total großartig, dass ich gucken kann, wo der Rollstuhlplatz ist. Und zwar ziemlich genau. Und dass oben die Anzeigen am Bahnhof das jetzt auch anzeigen, das ist neu. Dass man jetzt sehen kann, an Abschnitt C ist der Rollstuhlplatz. Und das erleichtert mir total den Stress an Bahnhöfen. Und ich kann es sogar schon von zu Hause sehen. Selbst Gleiswechsel werden inzwischen, zumindest so habe ich es erlebt, rechtzeitig genug gesagt, dass man auch mit dem Aufzug fahren kann. Und die App ist, glaube ich, wie ich gehört habe, durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auch für sehbehinderte Menschen immer barrierefreier geworden. Das heißt, es ist noch nicht alles gut. Gesetzliche Regelungen zwingen Konzerne, sich zu ändern, dass die App eben barrierefreier wird. Ich bin schon auch Fan davon inzwischen geworden.
Jonas: Ja, ich bin ein großer Fan von, das hatte quasi Frankyman ja auch eben schon mal angedeutet, es gab früher eine extra App dafür, inzwischen ist das quasi mobil optimiert von der Seite Bahnhof.de, wo du alle Bahnhöfe, die es gibt, dir auch, also die großen, dann den Lageplan anzeigen lassen kannst. Fand ich total, also gerade dort, wenn ich irgendwie umsteigen muss, irgendwo an Bahnhöfen, die ich nicht kenne. Und ich muss irgendwie, und ich will für mich wissen, ich muss von Gleis 1 auf 2, ist das der gleiche Bahnsteig oder ist der gleiche Bahnsteig 2 und 3? So einen Wechsel irgendwie zu haben. Beziehungsweise ich musste irgendwann mal auch, da hatte ich glaube ich auch nur irgendwie ein oder zwei Minuten Umsteigezeit und das war in Altenbeken in Ostwestfalen. Und da ist es glaube ich auch eines der Bahnhöfe, genauso wie ich glaube in Uelzen, wo die Bahnhöfe, die Bahnsteige, die so wilde Nummern haben. Ich glaube in Uelzen ist es quasi Bahnsteig 101, 102, dann 200 irgendwas und denkst du so, hä? Du hast null Ahnung, wie du dich da orientieren kannst und da war es total praktisch eben zu wissen, okay ich gehe auf Bahnhof.de, gucke mir den Umgebungsplan an, dort steht eben auch geschrieben, es ist angezeigt, ob die Aufzüge funktionieren, sind ja auch die nach dem Ampelprinzip dort markiert und wo Schließfächer sind, wo ich glaube Bahnhofsmissionen ist eingezeichnet, wo, ja, also alle wichtigen Infopoints. Und das hilft mir manchmal gerade dann, wenn ich irgendwie weiß, okay, es ist etwas, wo ich mich schnell irgendwie durchnavigieren muss und hier kenne ich mich nicht aus, dass ich irgendwie da drauf gucke und mir diese Informationen vorab nehme. Also das ist auch etwas, was ich sehr zu schätzen gelernt habe, also diese Informationen mir zu holen. Gleichzeitig ist es so, dass wie gerade es noch, ja, Optimierungsbedarf gibt und das, was quasi Zauberbärin und Frankyman machen, nicht nur ja, freizeitmäßig mit der Bahn quer durch Deutschland fahren, ist, dass sie ihr Wissen, was sie in den letzten Jahren gesammelt haben in ihrem Bahnalltag, versuchen an die Deutsche Bahn wieder zurückzugeben oder beziehungsweise das zu vermitteln und nicht nur dass das Frankyman nachts irgendwie hilft, dort den Hublift zu bedienen, sondern eben auch sonst an Schulungen in dem Sinne teilnehmen. Und darüber berichten sie jetzt.
Frankyman: Ja, es haben sich tatsächlich inzwischen Sachen verbessert. Also es gibt jetzt auf der Internetseite der Bahn eine extra Seite, wo das spontane Fahren beschrieben wird, wo beschrieben wird, wie wir im Fernverkehr, im ICE, spontan ohne Anmeldung fahren können. Da wird auch ganz klar gesagt, dass man keine Anmeldung braucht. dass sie nicht verpflichtend ist. Das war ja immer so ein kleiner Streitpunkt, weil das nie eindeutig irgendwo geschrieben wurde. Und tatsächlich, man braucht keine Anmeldung, man darf auch spontan fahren. Das ist noch nicht ganz überall bei dem Personal angekommen. Da ist also noch ein bisschen Arbeit zu erledigen, dass das ganz klar wird. Und was auch kommen soll, vielleicht sogar dieses Jahr, das wurde mal so gesagt, ist endlich diese Rollstuhlplatzreservierung per App und Web ohne Mobilitätsservicezentrale, dass wir das endlich selber machen können.
Zauberbärin: Ich habe bei den Hublift-Schulungen berichtet, wie ich mich in diskriminierenden Situationen gefühlt habe und ich habe bei dem Treffen mit der Vorständin für Produkttechnik angeregt, dass es an den Bordhubliften einen QR-Code gibt für ein Anleitungsvideo und mehr Aufkleber mit Bedienhinweisen.
Frankyman: Richtig, wir nehmen an Schulungen teil, demnächst übrigens wieder an Hublift-Coachings, da werden wir unsere Erfahrungen reinbringen. Und ein ganz wichtiger Teil dieser Schulungen ist nicht nur die Praxis mit den Hubliften, sondern auch die Verhaltensweisen, die diskriminierenden Situationen. Und da hat meine Frau bei den letzten Schulungen immer sehr viel erzählt, wie sie sich fühlt, wie sie angesprochen werden möchte, wie man sich verhalten soll und welche Erlebnisse wir schon hatten, die besonders diskriminierend waren. Und das war für die Mitarbeitenden der Bahn immer ein ganz toller Einblick, mal von einer Person im Rollstuhl direkt zu erfahren, wie diese Erlebnisse sind. Und ich hoffe, dass wir in diesem Sommer bei den nächsten Schulungen dort wieder ganz viel rüberbringen können und wieder was erreichen können. Und dass das dann auch so ein bisschen auf das gesamte Personal abfärbt. Was wir ja auch feststellen, wenn wir unterwegs sind. Also wir kriegen sehr viel Zuspruch vom Personal, die inzwischen auch merken, wie wichtig das ist, wie wichtig das ist, dass wir mobil sein wollen und dass wir ja wirklich nichts dafür können, wenn es da diese Barrieren gibt. Und da haben wir wirklich ganz großen Zuspruch inzwischen. Genau, das eine sind die Schulungen für diese Hublifte, für die eingebauten Hublifte in den ICE 4. Das andere ist die Technik hinter den Hubliften. Diese Hublifte, das haben wir sehr oft gemerkt, wir waren da ja schon über 200 Mal drauf, die klemmen und die haben technische Probleme, da nützt die beste Schulung nicht, wenn man sie nicht richtig bedienen kann und wenn sie dann vielleicht auch zu kompliziert zu bedienen sind. Und da haben wir 2024 die Vorständen für Produkttechnik angesprochen und gefragt, ob wir da nicht was ändern können. Und tatsächlich hatte die da sofort ein offenes Ohr für und ist mit uns in ein ICE-Werk. Und dort haben wir mit Technikern zusammen besprochen, was man daran ändern kann. und im letzten Jahr durften wir dann tatsächlich die ersten Prototypen ausprobieren. Ich durfte sogar selber einen bedienen und vor ein paar Wochen hatten wir einen dieser Prototypen sogar im Praxiseinsatz und tatsächlich, sie sind viel einfacher zu bedienen. Es wurden mehrere Fehler beseitigt, mehrere Stellen, die oft kaputt gehen, was wir bemerkt haben, Stellen, die klemmen, das wurde alles beseitigt und es wurde umfangreich beschriftet, Das war die Idee meiner Frau, dass viel mehr Beschrifte wird, dass man viel mehr erkennen kann, wie das zu bedienen ist. Und die sollen, so hat man uns gesagt, in dem nächsten Jahr und auch in diesem Jahr, also bis 2027, sollen die in allen 137 ICE4 umgerüstet werden, auf die optimierten Versionen.
Jonas: Das zeigt auch nochmal, wie aktuell dieses Thema ist. zwischen der Abgabe des Tones und quasi, dass Zauberbärin und Frankyman sich hier quasi geäußert haben und jetzt der Podcastaufnahme, ist ja dieses Rollstuhlplatzbuchen bei der Deutschen Bahn freigeschaltet. Das, was Frankyman mir heute Morgen noch geschrieben hat, ist über die Tatsache, dass es nur in Verbindung mit einem Ticket geht. Und dass die beiden natürlich als Nutzer*innen einer Bahncard 100 dann eben nicht die Möglichkeit haben, das dann eben zu buchen. Also quasi auch da gibt es noch immer wieder so kleine Problemchen bzw. Fallstricke, die noch irgendwie zu lösen sind. Wenn ihr euch etwas wünschen könntet, wo ihr sagt, okay, das muss noch geändert werden, was wäre das?
Raúl: Also, das macht jetzt ein ganz neues Thema auf, aber ich glaube, wir müssen über Preise reden. Ich finde Bahnfahren wirklich sehr teuer. und auch, dass wir jetzt hier so viel über die Bahncard 100 reden, das entspricht ja nicht dem, was Leute da draußen erleben.
Jonas: Überhaupt nicht.
Raúl: Und deswegen denke ich, Bahnpreise sind unverständlich teuer. Ich finde es nicht in Ordnung, dass Bahnfahren teurer ist als Autofahren. Das müsste genau andersrum sein. Beim Fliegen erst recht. Aber wir brauchen mehr Züge, wir brauchen günstigere Preise. damit wir auch wirklich diese Verkehrswende schaffen. Ist aber eine eigene Podcast-Folge wert.
Jonas: Ja, absolut. Und gerade eben dann, also ich finde das ja immer so, das hatten wir ja schon, wie gerade damals in dieser Folge über Mobilität, dieses ja, Menschen mit Behinderung wird als Nachteilsausgleich, dann gibt es eben diese Möglichkeiten, eine Begleitperson mitzunehmen oder du hast quasi die Möglichkeit, kostenlos in öffentlichen Personen unterwegs zu sein in den Städten und aufgrund deiner Behinderung. Und dann ist das System, was einem dort hingelegt wird, eben nicht barrierefrei. Und das ist ja bei den Bahnpreisen genauso, dass eben gerade Menschen, die eine Behinderung haben, vielleicht eher die Personen sind, die jetzt nicht in der Oberschicht angesiedelt sind und die vielleicht eher aus prekären finanziellen Situationen kommen und dann eben auf die Bahn angewiesen sind und gleichzeitig dann diese, ja, auch viel zu teuren Preise dann eben vorfinden. Das ist irgendwie in dem Sinne ein Treppenwitz. Im wahrsten Sinne. Ja. Karina, was wünscht du dir?
Karina: Ich habe da gar nicht so viel hinzuzufügen. Ich glaube, ich fände es ganz schön, wenn ich nicht immer nur irgendwie 5,50 Euro zurückkriegen würde, wenn ich jedes zweite Mal mein Ticket beanstande, nachdem ich irgendwie zwei Stunden zu später ankam oder so. Also ich finde das ein bisschen unverhältnismäßig. Eigentlich müsste man viel mehr vom Preis zurückkriegen, aber ansonsten
Jonas: Das Doppelte
Karina: genau und ansonsten würde ich mir vielleicht ein bisschen mehr Verständnis wünschen auch für Menschen, die nicht mit sichtbaren Behinderungen leben und ja das glaube ich ist von meiner Seite.
Jonas: Also ich glaube also ich würde mir halt wünschen, wenn diese Möglichkeit dass ich nicht immer, wenn ich einen Sitzplatz buche, ich in meinem Handy einen Screenshot machen muss von dieser von dem Umgebungsplan, wo ich meinen Sitzplatz jetzt habe, um mich dann in dem Zug orientieren zu können, dass man was ja glaube ich auch keine Rocket Science ist, wenn man einfach diesen Plan, den es ja gibt dann neben diesem Wagenreihungs Ding, was man sich anzeigen kann dann einfach nochmal den Lageplan des Zuges irgendwie, dass der irgendwie ersichtlich ist, also das wäre glaube ich etwas, was mir persönlich helfen würde und was auch diesen für mich persönlichen Stress, der entsteht in Zügen, weil ich natürlich dann irgendwie vielleicht zum mich orientieren halt mein Smartphone nutze, um dann da durch die Kamera zu gucken und mir irgendwie Sachen größer zu ziehen. Und es ist nicht cool, wenn du quasi durch einen Zug gehst und die Beschilderung, welcher Sitzplatznummern sind, sind ja quasi auch an den Sitzen angebracht, direkt in Kopfnähe. Und es kommt überhaupt nicht gut, wenn du quasi mit der Kamera an sozusagen so aussiehst, als würdest du irgendwelche wildfremden Leute filmen und durch den Zug läufst. Und deshalb ist so meine Herangehensweise dann auch eher so ein bisschen wie das, was du eben, Karina, erzählt hast, zu sagen, okay, dann verzichte ich darauf. Es gab es auch schon mal häufig, dass ich irgendwie einen Sitzplatz mir gebucht hatte, den sozusagen nicht gefunden habe und dann aus, ich glaube, keinen Bock zu haben, da irgendwie Stress zu haben, mich dann eher dann die anderthalb Stunden irgendwo hingestellt habe und darauf verzichtet habe, irgendwie wild durch diesen Zug zu irren.
Raúl: Ja, das kann ich auch verstehen. Ich würde gerne auch einen Appell raussenden, es gibt auch eine Verantwortung der anderen Fahrgäst*innen. Also ich habe manchmal das Gefühl, wenn Leute in den Zug einsteigen, dann kennen die nur sich und sind auch sehr unachtsam in Bezug auf andere Fahrgäst*innen. Und da meint es noch nicht mal mich oder so, sondern es ist schon auch wirklich sehr ruppig, wie da teilweise ein und ausgestiegen wird. und das kann man sicherlich mit Design von Zügen verbessern, die Türen vielleicht ein bisschen breiter machen oder so, aber es gibt schon auch eine gewisse Fahrgastverantwortung, sich zu informieren, stehe ich im richtigen Bahnabschnitt, das kann man alles inzwischen herausfinden. Es ist nicht immer an allem die Bahn schuld.
Jonas: Ich finde, dass Leute schon gefühlt 20 Minuten vor Ankunft am Endbahnhof dann schon mit Koffern im Gang stehen und diesen ganzen Weg irgendwie verstopfen, weil es könnte ja sein, dass sie diese zwei Sekunden, die die Tür nur auf ist, verpassen und dann nicht rauskommen. Das ist natürlich Gefahr. Aber ja, verstehe ich schon.
Raúl: Oder mit den Augenrollen, wenn du deinen Rolliplatz in Anspruch nehmen möchtest, der aber gerade mit deren Gepäck vollgestellt wurde. Ja, das geht natürlich nicht. Und ich denke so, sorry, aber ja.
Jonas: Deshalb, wir fänden es total spannend, mal eure Erfahrungen zu wissen. Also was sind Sachen, wo ihr sagen würdet, hey, das läuft total gut. Das ist wirklich etwas, wo sich die Bahn in den letzten Monaten und Jahren verbessert hat. Und vielleicht auch eure Wünsche. Wo muss sich die Bahn noch verbessern, was Mobilität für Menschen mit Behinderung angeht, für barrierefreies Reisen? Wo sind da Stellschrauben, die man vielleicht auch manchmal ganz einfach lösen kann? Also was sind vielleicht auch eure Lifehacks, die ihr dort habt, um zu sagen, ich möchte komfortabel mit der Deutschen Bahn von A nach B, von C reden wir jetzt erstmal gar nicht, auf jeden Fall in dem Sinne unterwegs sein.
Raúl: Aber auch da würde ich wirklich gerne hören, die Geschichten, die jetzt über die klassische Zugverspätung hinausgehen. Weil da hat jeder, glaube ich, von uns geschickt, viel zu erzählen. Sondern wirklich einfach mal zu schauen, gibt es etwas, was wir nicht gesehen haben, was vielleicht auch cooler funktioniert, als wir dachten und so weiter.
Jonas: Genau. Und alles zu diesem Podcast findet ihr auch nochmal in unseren Shownotes auf www.die-neuen-norm.de
Bahnsprecher: Dieser Podcast endet hier. Wir bitten alle Hörerinnen und Hörer abzuschalten. Vielen Dank.
Jonas: Tschüss.
Raúl: Tschüss.
Karina: Tschüss.