Behinderte Eltern – Transkript

Lesezeit ca. 32 Minuten

Die Neue Norm: „Drei Journalist*innen, zwei Rollstühle und eine Sehbehinderung: Die Journalist*innen Judyta Smykowski, Jonas Karpa und Raul Krauthausen sprechen über Behinderung, Inklusion und Gesellschaft.

Folge 11: „Behinderte Eltern“

Jonas:
Herzlich Willkommen bei Die Neue Norm, dem Podcast.
Elternwerden ist eine aufregende Sache. Man hat vielleicht viele Sorgen. Man freut sich auf das Kind, auch wenn es vielleicht das erste ist oder das zweite. Aber haben Menschen mit Behinderung andere Sorgen? Haben Sie vielleicht die Gedanken, dass sie aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht zu hundert Prozent für das Kind sorgen können? Oder wie sind die Vorurteile von anderen Menschen, wenn sie auf Eltern mit Behinderungen blicken? Darüber wollen wir heute sprechen, und zwar mit Judyta Smykowski und Raul Krauthausen. Mein Name ist Jonas Karpa.
Ja, ihr hört es vielleicht: Lockdown light. Wir sind mal wieder zu Hause geblieben und nehmen diese Podcast-Folge auf. Und ganz voranstellen müssen wir natürlich auch, dass wir alle drei keine Eltern sind und frei nach dem Motto „Nicht ohne uns – über uns“ werden wir aber in dieser Podcast-Folge, wo wir über Eltern mit Behinderung sprechen werden, ganz viele, ich sag mal „Betroffene“ zu Wort kommen lassen, die ihre Gedanken, ihre Erfahrungen als Eltern mit Behinderung mit uns teilen werden. Was sind eure Gedanken, wenn ihr darüber nachdenkt, irgendwann vielleicht mal Eltern zu sein?

Judyta:
Ich glaube, es ist wie bei allem anderen, dass man ja vielleicht schon als Kind darüber nachdenkt. Gerade als Mädchen hatte man ja klassischerweise diese Puppen und hatte auch schon mal einen Kinderwagen. Also, man spielt quasi schon die Mutter, was vielleicht heute nicht mehr so ist… Ich denke aber trotzdem, also, man hat so Phasen, wo man mal sagt: „Ja, klar, möchte ich Kinder haben“ und dann wieder so „Schaffe ich das?“. Und das wechselt sich bei mir immer ab, würde ich sagen – und bei dir Raul?

Raul:
Ich habe auf jeden Fall die ganzen Themen verdrängt erstmal. Ich wollte mich mit dem Thema irgendwie nicht auseinandersetzen müssen. Als ich es dann tat, habe ich gemerkt: Okay, krass, ich traue mir das eigentlich gar nicht zu. Ich habe auch wenig in meinem Freundeskreis Menschen mit Behinderungen gehabt, die Kinder hatten oder bekommen haben. Und dann jetzt, mit der Recherche habe ich gemerkt, dass in den Artikeln, die ich las oder auch mit den Interviews, die ich geführt habe, sehr viele Fragen aufkamen, die andere gestellt haben, die ich aber auch die ganze Zeit in mir trug. Also, so etwas wie: Schaffe ich das überhaupt? Bin ich nicht eine Last? Oder benutze ich die Kinder dann als Assistenz? Wie groß ist die Gefahr? Und beim Lesen der Artikel und bei den Gesprächen, die ich geführt habe, habe ich dann aber gemerkt, das muss alles gar nicht so sein. Kinder sind so anpassungsfähig. Und hinterfragen das auch nicht so extrem, wie man das vielleicht als Erwachsener tut – sodass ich jetzt doch eigentlich zuversichtlicher bin.

Judyta:
Ja, ich glaube auch, dass Kinder so feine Antennen haben und sich auch super auf dich einstellen können und dich ja auch kennenlernen. Und sie kommen ja auch von dir. Sie können ja irgendwie nicht die ganz großen Arschlöcher werden, denke ich mal – oder hoffe ich. Deswegen… da glaube ich schon, dass man irgendwann miteinander arbeiten kann, denke ich mir so.

Raul:
Und du, Jonas?

Jonas:
Die Behinderung spielt bei dem Gedanken, irgendwann mal Eltern zu sein, ja auf jeden Fall eine Rolle. Und ich habe natürlich auch diese Sorgen in mir, dass ich aufgrund meiner Sehbehinderung jetzt irgendwie nicht in brenzligen Situationen, die es auf jeden Fall ja geben wird, bestimmt irgendwann mal nicht schnell genug reagieren kann. Oder ich irgendwie nicht sehen kann, wenn das Kind gerade dabei ist, sich eine Murmel die Nase zu stecken oder so…

Judyta:
Das muss es erstmal schaffen!

Jonas:
Ja, natürlich. Aber das sind so die Horrorgeschichten, die man natürlich irgendwie im Kopf hat, wo man dann natürlich die Gefahr sieht, dass man das irgendwie nicht hinbekommt und dass man das irgendwie nicht schafft, irgendwie alleine mit dem Kind zu sein. Die Gedanken habe ich natürlich auch schon. Aber, und das ist aber auch das, was ich als Gefühl trotzdem in mir trage, dass ich nicht… Ich wäre ja nicht der erste Vater mit Sehbehinderung. Es gibt ja viele, viele Generationen vor mir, wo es das schon einmal gegeben hat und dass diese Sorgen vielleicht auch manchmal ziemlich unbegründet sind und sich das im Nachhinein alles irgendwie sehr relativiert. Aber diese grundsätzlichen, sag ich mal, Vorbehalte auch vor der eigenen Fähigkeit, die hat man, glaube ich, auch schon. Und es ist aber auch dann unabhängig von der Art – so hören wir auch gerade ja bei uns – unabhängig von der Art der Behinderung. Wir haben zum Beispiel mit Ninia LaGrande gesprochen. Sie ist Mutter und kleinwüchsig, und sie hatte zum Beispiel vor ihrer Schwangerschaft ganz andere Gedanken.

Ninia LaGrande:
Die einzige wirklich große Angst, die ich für mich mit dem Kleinwuchs hatte, war, dass ich das Kind nicht so lange tragen kann, wie ich es das gerne möchte oder wie es nötig wäre. Also, dass es mir dann irgendwann zu schwer wird und ich einfach körperlich nicht mehr hinterherkomme. Natürlich gibt es Situationen auch heute noch, wo das Kind gerne getragen werden möchte. Es hat inzwischen aber gelernt, dass, wenn es getragen werden möchte, der Papa das machen muss oder andere Personen. Und es weiß, dass Mama das eben nicht kann. Und es war so eine Phase, wo es das lernen musste. Und da habe ich das dann immer so gelöst, dass ich eben nach unten gegangen bin, mich hingehockt habe oder auf dem Boden gesetzt habe. Gesagt habe: „Wir können uns so in den Arm nehmen. Wir können so kuscheln, wenn du das gerade benötigst, aber ich kann dich eben nicht tragen.“ Dadurch ist es auch so, dass unser Kind relativ schnell gelernt hat, viel selbstständig zu laufen, was natürlich auch irgendwie so ganz cool ist und viele Treppen selber hochgeht und so, und das eigentlich überhaupt keine Diskussionsgrundlage darstellt.

Raul:
Ich glaube, dass insgesamt – und das hört man ja auch bei Ninia LaGrande raus – dass insgesamt so ein bisschen die Vorstellungskraft fehlt, wie das ist, wenn man als kleiner Mensch Kinder hat, weil es wenig Vorbilder gibt. Also, es gibt wenig Bücher, wo das erklärt wird – Elternbücher. Im Fernsehen sieht man diese Menschen nicht. Man muss dann schon sehr, sehr lange, sehr gezielt suchen. Und das ist ja dann auch, bevor man überhaupt ein Kind hat, sehr weit entfernt. Aber wenn man das nebenbei mitkriegen würde, in der Nachbarschaft oder in der Schule, dass es auch kleine Eltern geben kann, dann, glaube ich, wären diese Angst-Monster oder Sorgen-Monster, die man sich zu dem Thema macht, auch viel viel kleiner.

Jonas:
Aber Judyta, du hattest eben erzählt, dass du ja früher schon mit Puppen gespielt hast. Und war deine Verknüpfung dort: „Okay, ich spiele hier mit Puppen. Ich möchte irgendwann vielleicht selber mal Mutter sein. Aber guck mal, die Puppen, da gibt es gar keine Figur oder keine Frau, die im Rollstuhl ist. Keine Mutter, die im Rollstuhl ist.“ War das auch so ein Punkt, wo du gemerkt hast: „Okay, das gibt es nicht. Also, das gibt es nicht bei den Puppen. Das wird es dann auch in der Realität nicht geben.“?

Judyta:
Nee, die Verknüpfung hatte ich nicht. Aber ich weiß, dass es ganz schwer war für mich, als Kind einen passenden Puppenwagen zu kaufen, der ein bisschen stabiler ist, wo ich mich auch festhalten kann und den ich dann schieben kann. Also, das war ein ganz großes Problem, weil der Puppenwagen… die sind ja einfach so leicht und klein. Und ich brauchte dann quasi schon so einen echten für Babys. Und da habe ich schon gemerkt „Hilfsmittel“, das war das Thema sozusagen, das  habe ich gesehen. Aber ich würde auch Raul nicht unbedingt zustimmen, dass wir wenig Vorbilder haben. Natürlich stimme ich dir zu, dass wir sie wenig sehen und dass sie nicht repräsentiert werden in den Medien, im Fernsehen. Aber gerade dafür feiere ich das Internet, dass es da in den sozialen Medien so gut ist, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich da etwas abzugucken, von zum Beispiel Müttern in meinem Fall – im Rollstuhl. Also, das finde ich, ist schon auf jeden Fall gegeben. Und das ist auch sehr, sehr viel wert.

Raul:
Absolut, da haben wir auch in den Shownotes später ein paar sehr spannende Links zum Thema.

Jonas:
Apropos Mutter im Rollstuhl. Wir haben auch mit Anna Gerwinat gesprochen. Sie ist im Rollstuhl unterwegs und Mutter und hat sich vor ihrer Schwangerschaft sehr, sehr viele Gedanken gemacht. Ebenso ähnlich wie bei dir, Judyta. Wie man das händeln kann. Also, wie schafft sie es, das Kind in den Kinderwagen zu bekommen und auch wieder raus. Und das waren so ihre Gedanken und Sorgen davor:

Anna Gerwinat:
Ich hatte schon Respekt vor der Schwangerschaft, ob mein Körper das alles so schafft. Aber ich habe da auch sehr einfach auf meinen Körper vertraut. Und ich dachte, wenn ich es schaffe, schwanger zu werden, dann schaffe ich auch, eine Schwangerschaft durchzustehen, beziehungsweise zu überstehen. Und klar, habe ich mir auch vorher Gedanken darübergemacht, wie ich das schaffe, mit einem Baby, mit einem Kleinkind, mit einem Kind. Dann habe mir auch einfach über die Basics so Gedanken gemacht. Also, wie kriege ich das Kind vom Rollstuhl ins Bett, in den Kinderwagen? Wie transportiere ich das Kind? Und habe mir Pläne gemacht, habe mir extra ein Bett gekauft, wo man das Gitter runterstellen konnte und so weiter. Und als das Baby dann da war, stellte sich heraus, dass ist einfach total einfach für uns, wenn das Kind immer bei mir schläft. So muss ich nachts nicht aufstehen wenn es Hunger hat und wir können einfach weiter stillen und dabei schlafen. Ja, also viele, viele Gedanken und als das Baby dann da war… liefs einfach.

Raul:
Und wie wir ja bei Anna Gerwinat gemerkt haben, ist dann oft auch die Realität eine andere, als die Ängste, die man vorher hatte. Dass dann Dinge vielleicht einfacher sind, als man sie sich vorgestellt hat oder eben vielleicht auch in anderen Situationen herausfordernder, als man sich dachte oder eben gar nicht dachte. Und da ist es, glaube ich, schon auch wichtig, immer wieder darauf zu verweisen, dass es die Möglichkeiten der sogenannten Eltern-Assistenzen gibt. Also, dass Eltern die Möglichkeit haben, aufgrund der eigenen Behinderung Assistenzen zu beantragen, die dann im Familienalltag assistieren können in bestimmten Situationen. Aber da kommen wir später noch darauf zu sprechen.

Jonas:
Häufig hört man auch natürlich oder liest in den Medien so Horrorgeschichten… Das war, glaub ich, so vor zwei Jahren, wo eine Mutter, die im Rollstuhl sitzt – das war, glaube ich in München – wo sie Elternassistenz beantragt hatte, das aber nicht rechtzeitig funktioniert hat und dann die zwei Ämter nicht miteinander kommuniziert haben und dann irgendwann das Jugendamt vor der Tür stand und gesagt hat „Du schaffst es nicht, für dein Kind zu sorgen. Wir nehmen dir das jetzt weg.“ Und wenn solche Geschichten, sage ich mal, kursieren, wirkt das ja auch sehr abschreckend. Und ist eher dann sehr kontraproduktiv, oder?

Judyta:
Auf jeden Fall. Das wäre ein richtiger Horror-Moment für mich. Ich meine, unser ganzes Leben besteht ja aus Behördenkämpfen, Beweispflicht, Anträgen, Widersprüche – auch bei der Krankenkasse. Und wir wachsen ein Stück weit damit auf und jetzt, seit wir sozusagen im Erwachsenenleben sind, erleben wir es am eigenen Leib und müssen es selbständig machen. Und diese Angst, oder diese Anspannung, die man da auch hat, würde bei mir nicht aufhören, wenn ich Mutter wäre.

Raul:
Die Welt ist ja auch voller Vorurteile. Wie uns auch Andrea Lauer in einem Interview erzählt hat:

Andrea Lauer:
Mein wirklich wichtiger einziger Gedanke war tatsächlich: Bin ich nicht einfach zu jung als Mutter? Also, ich habe mir als behindertes Mädchen, als behinderte junge Frau überhaupt keine Sorgen darum gemacht, dass ich das mit meiner Behinderung schaffen kann, sondern eher darum, ist es … ja, keine Ahnung… ist das irgendwie… kann ich noch… ist mein Leben dann vorbei? Kann ich noch zu Partys? Also, ja, ich glaube, das war echt eine wichtige Sache. Und ich hatte auch ernsthaft über eine Abtreibung nachgedacht. Und dann war ich aber bei einer Frauenärztin, die eh meinte, sie habe mir schon ein Bett zur Abtreibung bestellt. Das war für sie ganz klar, dass ich das Kind nicht haben wollen werde und… sie hat mir einfach total geholfen, eine Entscheidung zu fällen. Ich habe mich dann für das Kind entschieden. Richard heißt der junge Mann. Er ist jetzt 30 Jahre alt. Und ich… das war mit dem hervorragend.

Jonas:
Hier ist es natürlich irgendwie sehr, sehr spannend, dass Andrea Lauer, die im Rollstuhl sitzt, mit 17 Jahren schwanger wurde. Und deshalb kann ich schon auch ihre Gedanken sehr nachvollziehen, dass sie vielleicht nicht diese typischen Sorgen, ob sie das schaffen würde mit Behinderung, sondern, ja, noch mitten in ihrem jugendlichen Partyleben steht, dass das so Gedanken sind. Aber, ganz klar, erschreckend, dass das von außen, also ihr von ihrer Ärztin nicht zugetraut wurde oder einfach klar war, dass sie dieses Kind nicht bekommen sollen würde. Und dass das auch einfach das ganz klare Vorurteil von außen ist, dass Menschen mit Behinderungen keine Eltern sein sollten.

Judyta:
Aber ganz ehrlich, ich rechne quasi schon damit, dass meine Frauenärztin vielleicht so etwas sagen würde. So, wenn ich zum Ultraschall kommen würde und dann sagen würde „Jetzt gucken wir mal, ob es so wird wie Sie“. Also natürlich mal sensibler, mal nicht sensibler, so aber in der Richtung. Da rechne ich schon wirklich fast damit, dass ich so etwas höre.

Jonas:
Bei was für einer Frauenärztin bist du denn?

Judyta:
Nein, ich meine jetzt nicht die, sondern… also jetzt nicht meine. Eine, die ich mir jetzt irgendwie vorstelle, die das sagt. Aber ich kann mir vorstellen, dass es so eine Reaktion gibt.
Was ich auch witzig fand, was sie sagte, der Schlafmangel, also der beschäftigt mich mit 31 Jahren auch….ehrlich gesagt. Und euch?

Jonas:
Aber ohne Kind.

Judyta:
Das stimmt. Aber auch mit Kind wäre das, glaube ich, ein großes Thema.

Jonas:
Lange zu schlafen ist sehr, sehr angenehm. Aber ich glaube, das ist dann …es hat ja einen Grund. Es ist ja – das hört sich jetzt vielleicht doof an – es ist ja auch etwas Gutes. Und ich glaube, dass es dann mit Zeit sehr… man da drüber hinweg kommt.

Raul:
Das setzt ungeahnte Kräfte frei.

Jonas:
Ja, genau und bei ungeahnten Kräften… Da ist es aber auch wieder, wenn wir jetzt vom Blick von außen sprechen ja so, dass generell Menschen mit Behinderungen – wenn man in die Klischeekiste greift – ja, entweder als leidende Personen oder eben als Superheld*innen gesehen werden und das trifft dann natürlich auch darauf zu, wenn sie dann Eltern sind, also Mama oder Papa. Und dass es dann ja die Supereltern sind, wenn Sie es meistern – wie man es so schön klischeemäßig sagt – trotz Behinderung auch noch ein Kind zu haben.

Raul:
Das heißt ja, dass Menschen mit Behinderung nicht nur vom sogenannten medizinischem Fachpersonal manchmal in eine komische Ecke gestellt werden, die auf gar keinen Fall das Kind bekommen sollten. Sondern auch von nicht medizinischem Fachpersonal, also zum Beispiel Eltern ohne Behinderung oder einfach Menschen auf der Straße, wie zum Beispiel Lydia Zoubek uns erzählt hat.

Lydia Zoubek:
Ich hatte zwei Wunschkinder. Und ich hatte im Grunde erstmal diese Stimmen, die mich ermutigt haben: „Toll, Glückwunsch, du kriegst ein Kind!“ Und andere, die dann gesagt haben: „Ja, selbst behindert und dann auch noch ein Kind! Aber du hast ja deine Eltern in der Nähe, die können ja helfen. Oder ist Ihr Mann sehend?“ Das sind so die Fragen. Ich hab irgendwann mal auf meinem Blog darüber geschrieben: „Typische Fragen an blinde Eltern“. Oder es kam natürlich auch so dieses: „Naja, schön, die Kinder können dann ja sicher sehen und können dir später mal helfen.“

Jonas:
Den Artikel von Lydia Zoubek haben wir euch natürlich auch in den Shownotes bereitgestellt. Es ist natürlich auch so, zu diesen Vorurteilen gehört natürlich auch, wie wir eben gesagt haben, die Bewunderung in der Art und Weise. Und ja, man kann ja schon von positiver Diskriminierung sprechen, was zum Beispiel Anna Gerwinat erlebt hat.

Anna Gerwinat:
Ich muss sagen, dass ich wenig Kritik von der Gesellschaft erlebe, also zumindest negative Beispiele. Im Gegenteil. Ich erlebe, wie bei so vielen anderen Themen auch Bewunderung, Respekt. Wenn ich irgendwie spazieren gehe mit meinen beiden Jungs, der eine im Kinderwagen, der andere im Laufrad, dann kommt ganz oft: „Ich bewundere Sie. Das ist so toll, wie Sie das machen.“  Ja, schön! Aber auch anstrengend.

Raul:
Es sind halt Sachen, die man sich als Eltern ohne Behinderung nicht anhören muss. Und, so wie Anna Gerwinat ja auch sagt, es ist auch anstrengend, wenn man die ganze Zeit immer das Gleiche hört.

Jonas:
Ja, und ich glaube, es ist einfach auch die mangelnde Vorstellungskraft. Also im Endeffekt ja auch so ein bisschen von unserer Seite aus, wo wir ja als Menschen mit Behinderungen, die eben noch nicht, beziehungsweise nicht Eltern sind, ja auch gewisse Sorgen haben, die vielleicht total unbegründet sind. Können halt Menschen ohne Behinderung sich eben sehr, sehr schwer nur da rein hineinversetzen und sich das vorstellen, wie das überhaupt ist. Und da kommen vielleicht einfach diese beiden Punkte hinzu. Auf der einen Seite sind es vielleicht Personen, die selber gar keine Eltern sind und auch keine Behinderung haben. Und das einfach sehr schwer vorstellbar ist und diese Bewunderung, die sie ausdrücken, ein Zeichen der Anerkennung und auch der, ja der mangelnden Vorstellung, das selber irgendwie hinzubekommen, darstellt.

Judyta:
Ja, was ja auch ein klassisches Problem ist, oder? Also, immer dieses sich-nicht-reinversetzen-können. Da will ich auch gar keinen Vorwurf machen. Ich frage mich nur immer, muss es denn hineinversetzen sein? Kann man sich nicht einfach austauschen, und dann lernt man den Blickwinkel des anderen kennen. Und ja, man muss es sich nicht direkt vorstellen. Also, dieses reinfühlen ist, glaube ich, gar nicht nötig, sondern einfach etwas auch als gegeben zu sehen. Und um zu sehen, dass  der andere Mensch klarkommt und dass das einen dann auch selber beruhigt meinetwegen und sagt: „Okay, sie bekommt es ja hin mit ihrer Behinderung, und das ist ihre Lebensrealität – und das ist meine.“ Und sich darüber einfach zu unterhalten.

Jonas:
Ja, aber manchmal ist es dann auch so, dass dieses sich austauschen dahin mündet, dass einfach sehr komische Fragen gestellt werden in den seltsamsten Momenten. Wovon uns Ninia LaGrande erzählt hat:

Ninia LaGrande:
Also, gut gemeinte Ratschläge oder Blicke oder Verurteilung durch andere Eltern oder auch durch Leute, die gar keine Kinder haben, die gibt es, glaube ich, egal, ob man als Elternteil eine Behinderung, eine sichtbare Behinderung hat oder nicht. Ich für mich brauchte da ungefähr so ein Jahr nach der Geburt, bis ich mit diesen ganzen Sachen umgehen konnte, die auch einordnen konnte und mir nicht mehr so zu Herzen genommen habe, obwohl ich mir vorher auch Gedanken darübergemacht habe und mir vorgenommen habe, mir nicht diese ganzen Bewertungen nahe kommen zu lassen. Aber trotzdem kommt es irgendwie an. Und inzwischen bin ich so, dass ich denke „Okay, ich gehe meinen Weg. Ich gucke einfach, was mein Kind braucht, was für mein Kind das Beste ist und fahre diese Spur.“ Und andere machen es eben anders. Und für die ist es dann auch voll okay. Und lasse mir da jetzt nicht mehr irgendwelche Verurteilung zu Herzen kommen. Ansonsten ist es, glaube ich, mit einer sichtbaren Behinderung einfach nochmal krasser. Ja, Nachfragen, die kommen oder einfach Klischees, die Leute haben oder kuriose Unterstellungen. Ich wurde von einer fremden Frau gefragt, wie die Geburt war. Also aufgrund meines Kleinwuchses, wie die Geburt deshalb war und da antworte ich dann halt einfach nicht ausführlich drauf. Ich versuche immer sehr höflich und respektvoll zu bleiben, weil ich das eben von anderen eigentlich auch erwarte. Aber gehe dann auf solche Sachen nicht unbedingt ein. Oder ich versuche es, wenn ich gut drauf bin. Das schaffe ich nicht an jedem Tag, das irgendwie ins Lustige zu kehren. Also, ich wurde auch mal von einem fremden Mann gefragt, ob der Vater wenigstens groß wäre. Also schon die Intention der Frage sehr, sehr gut, dann ist wenigstens einer von beiden irgendwie groß. Und da habe ich dann gesagt: „Ja, aus meiner Perspektive schon.“ Also, das hat er aber auch nicht ganz gecheckt, glaube ich, dass ich das jetzt irgendwie witzig meinte, aber für mich war es okay. Ich glaube, wenn man eine sichtbare Behinderung hat, dann kennt man diese Situation leider aus dem Alltag ja eh schon. Und was mir auch sehr hilft, ist, mich einfach mit anderen Müttern online auszutauschen und zu sehen, es gibt eben überall diese Situationen und ich bin damit nicht alleine.

Raul:
Was ich halt auch krass finde ist, dass da ja Hintergedanken stecken, die ja fast schon irgendwie behindertenfeindlich sind, nämlich davon auszugehen – also so, wie die Ninia LaGrande ja grade erzählt hat – „Ist denn der Partner wenigstens groß?“ – wahrscheinlich auch gefolgt von Fragen wie: „Hat das Kind das denn auch?“ Dass es immer darum geht, Behinderungen zu vermeiden, in dem entweder jemand anderes es kompensiert, in dem Fall der große andere Elternteil oder in dem das eigene Kind nicht auch die Behinderung der Eltern übernommen hat. Und das finde ich schon ganz schön schlimm eigentlich.

Judyta:
Ja, also, auch wenn der nicht behinderte Partner dann alles ausgleichen soll. Und „gut, dass der da ist“, weil sonst wäre es ja irgendwie ganz schlimm. Und sonst wäre es nicht komplett. Und dann kann er ja alles auffangen. Aber Stichwort Mental Load, also körperlich vielleicht auffangen kann der Partner/die Partnerin…man ist ja genauso in der Sache dabei, man ist genauso als behinderter Elternteil dabei und macht sich die Sorgen und die Gedanken. Diese Aufteilung finde ich manchmal echt schwierig.

Jonas:
Aber es gibt natürlich auch, sag ich mal, Barrieren, auf die man trifft. Also, wie wir anfangs gesagt haben, sind ja einige Sachen einfach… Wo es noch nicht, vielleicht jetzt aktuell die guten Hilfsmittel gibt, sodass es für Menschen mit Behinderungen, die dann Eltern sind, etwa schwieriger ist. Aber man ja schon gemerkt hat, dass es da, ja, gewisse Live-Hacks gibt oder auch eben Unterstützung. Also, wir haben eben Ninia LaGrande gehört und wenn sie mit ihrem Kind auf dem Spielplatz ist, ist es ja schon so, dass Kinder gewisse Hilfestellungen manchmal benötigen. Und für sie als kleinwüchsige Person ist es da schon manchmal problematisch.

Ninia LaGrande:
Tatsächlich habe ich auf Spielplätzen eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, viel Austausch gefunden mit anderen coolen Müttern. Und natürlich gibt es auch mal Situationen, wo man sich irgendwie beäugt fühlt. Oder wenn das Kind sich auf den Boden schmeißt und schreit und nicht nach Hause gehen will, man sich irgendwie komisch beobachtet fühlt. Aber am Ende kommunizieren eigentlich in meinem Umfeld alle immer, dass sie das auch schon kennen und auch schon erlebt haben. Und das ist eher für mich eine sehr unterstützende Atmosphäre bei uns auf den Spielplätzen. Und meine Körpergröße spielt da bislang überhaupt gar keine Rolle, außer für mich selbst, wenn das Kind zum Beispiel auf Klettergerüste draufklettert oder hoch auf der Rutsche ist oder so und ich es ist eben nicht mehr so gut kontrollieren kann. Auch da habe ich Unterstützung erfahren, dass dann andere Mütter sagen: „Komm, ich stelle mich da mal eben mit hin und kann es im Zweifel besser auffangen, als du das vielleicht kannst.“

Judyta:
Ja, ich muss sagen, Spielplätze sind echt noch einmal so ein Kapitel für sich. Da habe ich auf jeden Fall auch Bedenken, wie das ist. Schon allein Sand ist ja der Feind jedes Rollstuhls. Da kommt man nicht weiter. Ich kann nicht dem Kind hinterherklettern. Das ist auf jeden Fall ein Gebiet, wo ich mir irgendwie mehr Gedanken mache. Und freue mich natürlich, dass Ninia da Unterstützung erfahren hat und glaube auch, dass das funktioniert. Aber erstmal ist es so ein Gebiet, wo man,,, wo ich jetzt natürlicherweise mit einem Rollstuhl irgendwie nicht hingehen würde.

Raul:
Da habe ich von Lydia Zoubek erfahren, dass sie sich dann oft mit anderen Eltern verabredet zum Beispiel, um dann dort gemeinsam auf dem Spielplatz zu sein. Und dann letztendlich man sich die Aufgaben anders aufteilt.

Jonas:
Aber ich finde es spannend unter dem Gesichtspunkt, dass wir total häufig – aber was heißt häufig – aber es in letzter Zeit ja auch aufkam, dass man Spielplätze für Kinder mit Behinderungen barrierefrei machen sollte. Wenn – wie du gesagt hast, Judyta – also Sand als natürlicher Feind von Rollstuhlfahrer*innen. Dass es aber auch eben darum geht, dass man, wenn man als Familie unterwegs ist, es ja eben egal ist, welche Person jetzt eine Behinderung hat, also, sodass vielleicht auch Spielplätze eben barrierefrei sein sollten, weil nicht das Kind eine Behinderung hat, sondern der Vater oder die Mutter.

Raul:
Das geht ja sogar noch weiter, das betrifft ja dann nicht nur Spielplätze, sondern auch Kitas und Schulen und Freizeitangebote.

Judyta:
Ja, wir haben ja auch gelesen, dass blinde Eltern ja auch irgendwie darauf angewiesen sind, dass die Hausaufgaben barrierefrei sind, weil sonst können sie ja auch nicht gut helfen. Sie müssen sie einscannen, die Arbeitsblätter.

Jonas:
Das ist zum Beispiel auch ein Punkt, wo ich mir darüber Gedanken mache. Etwa z.B. eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, ist zum Beispiel für mich eher doof.

Judyta:
Aber ihr könnt euch sie zusammen anhören.

Jonas:
Genau. Wir könnten gemeinsam, keine Ahnung, TKKG, Die drei ???, Benjamin Blümchen gemeinsam anhören. Aber ich wette mit dir, ich kann jetzt schon sagen, wer die Person ist, die als erstes einschlafen wird.

Raul:
Es gibt auf jeden Fall sehr wenig Kinderbücher, die in Blindenschrift oder in Brailleschrift sind, als auch mit Bildern, sodass man gemeinsam, wenn man die Blindenschrift kann, diese Bücher auch erleben kann. Das ist ja nicht nur für Kinder, die blind sind eine Herausforderung oder ein Problem, sondern sicherlich auch für deren Eltern oder blinde Eltern.

Jonas:
Ich finde, dass generell das Thema Kommunikation, beziehungsweise Austausch, also, wie das zu händeln ist, ist ja auch ganz groß. Wir haben mit Marian Richter gesprochen, er ist gehörlos. Und hat uns ein Video geschickt, was nochmal verdolmetscht wurde. Und für ihn ist es zum Beispiel als gehörlosen Vater eine große Barriere, wenn er sein Kind aus der Kita abholt, im Sinne von… wie wird mit ihm kommuniziert?

Marian Richter:
Also, wenn ich zum Beispiel meinen Sohn in einer Kita abholen oder beim Elternabend oder so, dann ist es natürlich so, dass ich, wenn ich ihn abholen oder zur Kita bringe, dass ich mit den Erzieherinnen und Erziehern eben wenig Kommunikation habe. Die konzentrieren sich eher auf meinen Sohn und nutzen ihn als Übersetzer und dann sage ich immer: „Nein, das lehne ich ab. Das geht gar nicht. Wir können direkt miteinander sprechen.“ Für die ist es dann oft schwierig. Und ich sage aber „Komm, wir können das doch schreiben. Wir machen das schriftlich. Ich kann ein bisschen vom Mund absehen.“ Aber für die ist das natürlich eine ganz neue Art. Und mit der Zeit haben Sie es aber verstanden. Zum Beispiel gibt es welche, die auch Guten Morgen oder Hallo gebärden und so langsam ein bisschen was aufbauen. Dass ich auch etwas zurückbekomme. Also, wenn jemand Guten Morgen sagt dann freue ich mich total, dass sie das Gebärden von mir aufgenommen haben. Aber ich lehne das total ab, dass mein Sohn der Übersetzer ist. Also, mal ein kleines Wort oder so, dass geht auch. Oder ich gehe mit meiner Freundin zusammen dann eben. Wenn wir zum Elternabend gehen, da müssen wir erst viel Mühe haben, müssen gucken, wer zahlt die Dolmetscherin am Abend, müssen viel extra organisieren, ja, untersuchen und dann klappt es dann auch, dass da Dolmetschende sind. Aber es ist trotzdem auch eine Barriere. Wenn jetzt zum Beispiel viele Eltern da sind und da Gespräche sind, dann ist es auch für die Dolmetschenden schwierig, das alles gut zu hören, gut zu verstehen und zu übersetzen. Und ich bin natürlich der einzige gehörlose Papa mit einem hörenden Kind da in der Kita. Und dann ist es eben so. Und ich möchte natürlich auch nicht dann so von außerhalb nichts mitbekommen, wenn alle miteinander reden. Ich habe dann natürlich Barrieren, und deswegen ist es mir immer wichtig, Dolmetschende mit dabei zu haben.

Raul:
Was mir Hoffnung macht aus dem Bericht von Marian ist am Ende aber trotzdem, dass nicht alle sich dem Thema komplett verschließen und sich dann schon auch Mühe geben, Gebärdensprache zu lernen. Ein paar Vokabeln – und dann mit der Zeit auch lernen, und sich anpassen an die Eltern mit Behinderung.

Jonas:
Ja, aber das ist, glaube ich, aber auch eine große Sache mit der Finanzierung. Was Marian auch gesagt hat, also, dass gerade bei gehörlosen Menschen: das Dolmetschen, das Gebärdensprachdolmetschen ist sehr, sehr teuer und wird halt bei solchen, ja, vermeintlich privaten Veranstaltung – Elternabenden und so weiter – dann in den seltensten Fällen übernommen. Und dann ist halt wirklich häufig der Fall so, also, das ist ja jetzt kein Elternabend, aber, dass dann Kinder oder Familienangehörige einspringen müssen. Also es gibt ja diese CODAs, (Children Of Deaf Adults), die eben dann sowohl Lautsprache als auch Gebärdensprache können und dann so der Vermittler… oder in dieser Vermittlerrolle sind. Es gab ja den Kinofilm damals „Jenseits der Stille“, wo das kleine Mädchen dann beim Elternsprechtag für ihre Eltern übersetzen muss. Und der Lehrer sagt, dass das Mädchen sich in der Schule halt doch ein bisschen mehr anstrengen muss und sie übersetzt aber, dass alles sehr, sehr gut läuft. Man hat natürlich auch jede Menge Macht dadurch.

Judyta:
Wir haben auch Benedikt Sequeira Gerado gefragt. Ein tauber Vater, der uns auch davon erzählt hat, dass die Kostenübernahme im Privaten immer noch ein Problem ist im Jahr 2020. Und außerdem berichtet er, dass er zum Beispiel wenig Kontakt hat auch zu hörenden Eltern, weil einfach auch sein Umfeld aus vielen tauben Menschen besteht.

Jonas:
Es ist natürlich nicht nur ein Phänomen, sage ich mal, was jetzt in der Szene von gehörlosen Menschen ist, sondern auch Lydia Zoubek, die ja eine blinde Mutter ist, hat von vornherein klargestellt, dass es für sie nicht in Frage kommt, dass ihre Kinder, in welcher Form auch immer, ihre, ja, Assistenz-Kinder sind.

Lydia Zoubek:
Und natürlich kann man ein jüngeres Kind auch mal fragen, welche Hose das jetzt ist – ist das die grüne oder die blaue…so etwas, aber man muss immer gucken, wann überfordere ich mein Kind? Ist das jetzt etwas, was noch spielerisch funktioniert oder ist das etwas, auf das ich mich permanent verlasse? Wenn ich letzteres tue, dann finde ich, ist es nicht richtig – es fühlt sich nicht richtig an. Ich bin das Elternteil und ich, als das Elternteil manage das. Das heißt, ich finde die Lösung, nicht meine Kinder. Dass meine Kinder irgendwann die Lösung finden, dass kommt dann später. Wenn sie in einem Alter sind, wo man sie nach und nach mit einbeziehen kann. Heißt aber nicht, dass ich nicht auch meine Kinder dazu anhalte, dass sie die Spülmaschine anstellen, oder sowas. Ich habe geschaut – ich habe dafür gesorgt, dass meine Kinder wie normale Kinder aufwachsen. Wie Kinder normal sehender Eltern und nicht wie…wie bessere Blindenführhunde auf zwei Beinen.

Raul:
Was ich halt hier für eine krasse Formulierung finde: Blindenhunde und auf zwei Beinen. Aber ich kann das total nachvollziehen, was sie meint. Es gibt auch sicherlich Eltern, die da Grenzen manchmal vermischen. Ich finde, das zeugt ganz stark von Charakterstärke und Selbstbewusstsein, die Kinder davor zu schützen.

Judyta:
Und auf der anderen Seite sind da die Übergänge nicht fließend? Also, natürlich soll mein Kind keine Assistenz sein. Aber wo beginnt denn eine Assistenz? Und wo hört dieses „Kannst du mir mal kurz das geben? Kannst du mir mal kurz das Brot rüberreichen“ auf? Da habe ich auch noch keine Antwort.

Raul:
Ich glaube da, wo es von anderen erwartet wird.

Jonas:
Genau! Dort, wo es erwartet wird und dort, wo du die Freiräume des Kindes einschränkst. Also, wenn – wie Lydia auch gesagt hat -, also, wenn es quasi eh in der Situation ist oder wenn… keine Ahnung…. du, Judyta, irgendwie in der Küche bist und du kommst nicht an den obersten Schrank und bittest das Kind, was eh gerade mit dir in der Küche ist, dir den Teller oder eine Tasse aus dem Schrank zu holen, dann ist das das eine. Aber wenn jetzt das Kind irgendwie nachmittags sich verabreden möchte mit seinen Freund*innen und du sagst: „Nein, das geht nicht, weil ich muss heute Nachmittag dies und das machen. Und ich brauche deine Hilfe.“ – dann ist es, glaube ich, die Einschränkung, die eben dort nicht funktioniert.

Raul:
Und dann natürlich auch vielleicht so ein bisschen die Fragestellung: Was würdest du tun, wenn dein Kind nicht da wäre? … Vielleicht hilft das so ein bisschen. Würde man es sonst selber machen oder würde es dann jemand anderes machen?

Jonas:
Es gibt ja jede Menge Hilfsmittel und Live-Hacks, die sich Eltern mit Behinderungen ja auch im Laufe der Zeit entwickelt haben oder ausgedacht haben. Also, ich habe einen Artikel gelesen, dass blinde Eltern ihren Kindern so kleine Glöckchen an die Schuhe machen, damit sie dann hören, wo das Kind ist. Oder… Lydia Zoubek hat mir auch gesagt, dass für sie einfach Ordnung das halbe Leben ist und es einfach für sie klar ist, dass man sich merken muss, wo man das Kind – natürlich das Kleinkind – wo man das Kind hingelegt hat. Dort wo man das Kind hingelegt hat, dort findet man es auch wieder.

Raul:
In der Regel…

Judyta:
Das ist richtig!

Raul:
Da hat Judyta ja vorhin schon angemerkt, dass Kinder behinderter Eltern ja auch wahrscheinlich sehr früh sehr feine Antennen entwickeln oder einfach andere Merkmale sich eher herausbilden als bei Kindern, deren Eltern keine Behinderung haben. Wenn es zum Beispiel darum geht zu erkennen, wenn eine Situation wirklich ernst ist und die behinderten Eltern jetzt aber nicht körperlich einschreiten können. Da glaube ich, haben Kinder dann sehr früh schon ein Verständnis für. Oder eben auch diese Art und Weise der Orientierung im Raum. Da gibt es die Marco-Polo-Style-Navigation. Judyta wusste es, ich wusste nicht, was das ist.

Jonas
Ich wusste es auch nicht.

Judyta:
Also, ich kenne das aus der Serie „Gilmore Girls“ und da ist es so, dass die sich rufen. Sie sind in einem Antikladen, und die zwei Freundinnen rufen sich. Also die eine sagt „Marco“ und die andere sagt „Polo“ – und so nähern sie sich an.

Jonas:
Es ist quasi so, – habe ich das richtig verstanden – dass man durch diese Wörter, die zusammenpassen, es quasi umgeht, den Namen der anderen Person zu rufen oder zu rufen „Ey, wo bist du? Komm mal her.“

Judyta:
Genau, aber mit Marco und Polo.

Raul:
Genau, so eine Art Echolotfunktion, um zu wissen, wo der oder die andere ist, wenn du blind bist. Eine Rollstuhlfahrerin hatte auf dem Blog parents.com auch erzählt, dass es natürlich wehtut, wenn man dem Kind beim Sturz nicht helfen kann, aber gleichzeitig das Kind natürlich auch merkt: „Okay, Mama oder Papa kann mir jetzt nicht helfen“ und dann aufsteht und dann zu den Eltern hingeht und sich dann dort trösten lassen. Also, auch da lernen Kinder ja, wie man trotzdem an seinen Trost kommt.

Judyta:
Oder das typische im Supermarkt auf den Boden werfen, was ich ja auch schon nicht konnte, weil ich dann ja immer im dem Kinderwagen war. Aber wenn das ein nicht behindertes Kind macht, würde ich auch erst einmal im Boden versinken, weil ich es ja nicht aufheben kann und einfach mitschleifen kann.

Jonas:
Aber ist es nicht vielleicht sogar auch positiv, weil in dieser Trotzreaktion das Kind ja vielleicht auch erwartet, dass jetzt Mutter oder Vater ankommen, zu dem Kind hingehen, es aufheben und so weiter. Und wenn das Kind weiß, dass das eben nicht funktioniert, dann vielleicht auch gar nicht in dieser Art und Weise sein Trotzverhalten zum Ausdruck bringt. Alles, alles Mutmaßungen. Es gibt natürlich auch Hilfsmittel… beziehungsweise man kann auch sehr Glück haben in der Art und Weise des Austausches. Lydia Zoubek hat uns zum Beispiel gesagt, dass sie sehr, sehr viel Glück hatte mit ihrer Hebamme. Die sie nämlich einfach an eine andere Mutter vermittelt hat und sie dort, bei der anderen Mutter, sich schon vor der Geburt ihres Kindes ein paar Sachen hat abgucken können.

Lydia Zoubek:
Ich habe aber Glück gehabt mit meiner Nachsorge, mit der Hebamme, die ich irgendwann gefunden habe. Die dann so zu mir sagte „Na ja, ich habe zwar noch nie was mit Blinden zu tun gehabt, aber vielleicht können wir voneinander lernen.“ Und das war der beste Satz, den sie so sagte und das hat mich für sie eingenommen. Und das Erste, was sie gemacht hat irgendwann war, den Kontakt zu einer anderen Mutter hergestellt, die dann so gerade geboren hatte. Also ihr Kind kam zwei Monate vor meinen. Mit ihr habe ich sehr viel Zeit verbracht und habe sie dann auch gefragt, weil sie hatte noch einen anderen Sohn, der war schon zwei. Und dann hat sie mir eben auch mal gezeigt, wie man ein Tragetuch bindet oder aber ich durfte mal mit der Stoffwindel wickeln, was ich zwar im Geburtsvorbereitungskurs mal gelernt hatte, aber es ist halt ein Unterschied, ob man jetzt eine Puppe wickelt oder ob man jetzt so ein lebendes, strampelndes Baby vor sich liegen hat. Und diese Mutter war normal sehend und hatte halt keine Vorbehalte und hat gesagt: „Klar, da ist mein Sohn. Wir probieren das mal zusammen aus. Ich zeige dir wie es geht und du fragst.“

Raul:
Ich finde das eine total tolle Idee, das andere Eltern mal ihre Kinder kurz ausleihen, damit man vorab Dinge ausprobieren kann. Das zeugt von Vertrauen – von tiefer Freundschaft. Das hat mich sehr berührt.
Es gibt auf jeden Fall keine Untersuchungen, die belegen… Nein, anders gesagt: es gibt keine Studien, die belegen, dass Kinder behinderter Eltern sich mehr verletzen oder eher verwahrlosen als Kinder, deren Eltern keine Behinderung haben. Dass ist vor allem ein Klischee, weil natürlich wollen behinderte Eltern auch, dass ihr Kind heile bleibt.

Jonas:
Ja, welches Elternteil möchte das nicht. Und man hat ja auch genug Vorbereitungszeit – im besten Fall neun Monate – um sich darauf vorzubereiten und zu gucken, mit welchen Leuten kann man sich austauschen. Wie bei Lydia Zoubek hat das super funktioniert. Und es gibt ja trotzdem auch technische Hilfsmittel. Gerade für gehörlose Menschen gibt es dort einiges, wodurch sie Unterstützung bekommen. Wobei Marian Richter uns gesagt hat, dass er das nicht zwangsläufig so nötig hat, diese Dinge zu benutzen.

Marian Richter:
Wenn jetzt zum Beispiel das Baby schreit, dann gibt es so eine Blitzlichtanlage. Die kann man anschalten, da sieht man dann, wenn das Baby weint. Man kann natürlich, wenn jemand klingelt, auch die Blitzlichtanlage haben. Es gibt auch im Handy, im Smartphone, viele Techniksachen, die man nutzen kann. Aber ich nutze das ehrlich gesagt nicht so. Ich habe das eher so im Kopf. Ich merke dann, wenn irgendetwas ist. Es gibt aber Leute, die haben da schon auch den Bedarf mit der Technik. Zum Beispiel in der Kommunikation eben, dass von der hörenden Person das Gesprochene dann transkribiert wird und man kann es lesen. Aber das Antworten ist halt schwierig, man kann nicht da reingebärden und dann wird es gesprochen, so geht’s nicht. Das wäre schön, aber das gibt es noch nicht, von daher ist das nur einseitig. Die hörende Person kann ja oft nicht gebärden und dann bräuchte man das eigentlich mehr auf einem Smartphone, dass man da Dolmetschende hat sofort. Also wenn man jemanden trifft – hat Kommunikationsprobleme -, dass man da einfach aufs Handy tippt und einen Dolmetschenden hätte, das wäre toll. Das wäre eine schöne Vorstellung.

Jonas:
Das ist wirklich bei iPhone zum Beispiel sehr weit. Da gibt es inzwischen die Geräuscherkennung, wo man verschiedene Arten von Geräuschen vorher einstellen kann, die das iPhone erkennen soll. Es ist Feuer, Alarmsirenen, Katze, Hund und natürlich auch Kind. Und das Telefon reagiert dann eben, wenn es diese Geräusche hört. Ein Arbeitskollege von uns hat das mal im Büro ausprobiert. Sein Kind wurde als schreiende Katze wahrgenommen. Aber dadurch, dass er gar keine Katzen Zuhause hat, wusste er dann, auf was das Telefon reagiert. Also, es funktioniert mal mehr, mal weniger. Aber es kann auf jeden Fall eine große Erleichterung sein. Aber eine große Erleichterung – wir haben anfangs auch von Elternassistenz gesprochen – kann das eben auch sein, wenn man Hilfe benötigt, dass man Elternassistenz beantragt.

Raul:
Als Eltern-Assistent muss man natürlich wissen, das ist so ähnlich wie bei der Assistenz, die Menschen mit Behinderung haben. Dass das eine sehr nahe Dienstleistung im Familienleben ist. Das heißt, die Assistenzen bekommen jeden Streit in der Familie mit, müssen sich entsprechend dann auch in der Familie verhalten. Dass sie nicht sich einmischen – zum Beispiel, wenn die Eheleute sich streiten oder die Eltern – und auch trennen zwischen Assistenz und Erziehung. Weil die Erziehung bleibt ja die Aufgabe der Eltern. Das Problem ist nur, und das ist, glaube ich, wirklich ein wichtiger Aspekt: sobald behinderte Eltern anfangen, Eltern-Assistenzen zu beantragen, natürlich auch die Behörden, also Jugendämter und so weiter hellhörig werden und dann eine Stigmatisierung stattfinden kann, die dann im schlimmsten Fall dazu führt, das dann das Jugendamt sich zu weit einmischt in die Erziehung der Kinder und dann vielleicht sogar den Eltern gar nicht zutraut, dass sie ein Kind erziehen können, weil sie ja Elternassistenz beantragt hätten und dadurch so eine Art paradoxe Situation entsteht. Dass, weil Eltern ja erkannt haben, dass Sie Hilfe benötigen, das Jugendamt glaubt, sie können das gar nicht. Und anstatt die Assistenz zu bewilligen, eher anfangen an der Vormundschaft zu zweifeln oder das Erziehungsrecht entziehen.

Jonas:
Ja, und irgendwie kann es auch sein, dass man dann das Gefühl hat, dass man so unter Beobachtung steht. Heißt also, dass man natürlich – Judyta hat es eben erzählt, wenn das Kind im Supermarkt sich auf den Boden wirft – es natürlich eine sehr unangenehme Situation für Eltern ist. Und wenn dann durch die Elternassistenz jederzeit eine Person vor Ort ist, die das beobachtet und natürlich auch von einem gewissen Träger ist, die Möglichkeit hat, vielleicht auch das Kind wegzunehmen. Ja, dass das eine seltsame Situation ist.

Judyta:
Aber ich habe das auch gelesen, dass man da sogar Freunde der Familie, beziehungsweise auch Verwandte einsetzen kann als Elternassistenz. Das heißt, es sind auch Menschen, die dir sehr nahestehen, das geht auch.

Raul:
Das heißt, man müsste nicht nur die Eltern informieren, dass sie hier ein Recht auf Elternassistenz haben – da gibt es einige großartige Vereine, wie den Verein Behinderte Eltern e.V. – sondern auch die Mitarbeiter*innen in den Behörden, dass es eben genau das Gegenteil von Schwäche ist, wenn Eltern Elternassistenz beantragen, nämlich, dass es Stärke bedeutet, zu sehen, wo Unterstützung nötig ist. Eine andere Form der Elternassistenz ist ja auch die sogenannte Betreute Elternschaft oder Begleitete Elternschaft, die dann oft in Frage kommen, wenn die Eltern zum Beispiel eine geistige Behinderung haben und Kinder großziehen. Dass dann letztendlich Pädagog*innen zur Seite gestellt werden, die bei der Erziehung und Betreuung der Kinder helfen. Das Problem ist, dass dieses Recht zwar existiert, in Deutschland aber noch nicht bundesweit verfügbar ist und da so viele Behörden dann plötzlich involviert sind, nämlich Jugendamt, nämlich das Sozialamt und so weiter, dass da dann schnell auch ein Verantwortungsgerangel stattfindet und dass viele Eltern, die eine geistige Behinderung haben, gezwungen sind, in andere Städte oder gar Bundesländer zu ziehen, um an diese Begleitete Elternschaft zu kommen, weil die noch nicht überall verfügbar ist. Und das, obwohl Deutschland vor über zehn Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben hat, wo das eigentlich verbrieftes Recht ist.

Judyta:
Also, ich finde, dadurch, dass wir uns so viele Gedanken gemacht haben, auch durch diesen Podcast und durch die Aufbereitung und die Vorbereitung, meine ich, dass wir hier schon irgendwie eine gute Vorbereitung haben. Wir haben den Vorbereitungskurs sozusagen vielleicht schon absolviert. Oder, Jungs?

Jonas:
Ja, ich finde auf jeden Fall, dass ich gemerkt habe, dass es viele Gedankengänge gibt, sei es Sorgen, Ängste oder auch positive Erfahrungen oder auch Hilfsmittelmöglichkeiten… Ja, dass es viele Gedanken sind, wo man eben nicht die erste Person ist, die sich darüber Gedanken gemacht hat und dass einfach ein Austausch, vielleicht auch ein Austausch, so wie wir ihn wir drei ihn jetzt hatten, einfach sehr, sehr hilfreich ist.

Raul:
Ich würde mir einfach für die Zukunft wünschen, dass es mehr in der Öffentlichkeit sichtbare Eltern mit Behinderungen gibt. Dass das medizinische Personal irgendwann von Ärzt*innen oder Hebammen, aber auch in Behörden sich wesentlich mehr informieren. Über das Selbstbestimmungsrecht von Eltern zu entscheiden, auch mit Behinderungen Kinder zu kriegen und endlich mal ihre Idee von der Beseitigung oder Verhinderung von Behinderungen und der Lust für die Kinder beiseitelegen.

Jonas:
An dieser Stelle möchten wir euch gerne natürlich unsere Shownotes ans Herz legen, auf www.dieneuenorm.de. Dort findet ihr ganz viele Hintergrundinformationen und Artikel sowie Fernsehbeiträge zu unserem Thema Eltern und Behinderungen. Und wenn ihr die Perspektive ändern möchtet und mal etwas wissen möchtet über Kinder und Behinderungen, dann empfehlen wir euch den Podcast von Bayern 2 „Eltern ohne Filter“. Dort geht es nämlich in der aktuellen Folge um Kinder und Behinderungen.

Wir möchten uns an dieser Stelle verabschieden, freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal auch wieder mit dabei seid und überlassen Andrea Lauer das letzte Wort. Bis dahin.

Judyta & Raul:
Tschüs

Andrea Lauer:
Also, den angehenden Eltern; die, die sich wünschen, Eltern zu werden; wo jetzt vielleicht schon die Frauen schwanger sind; die Väter, deren Frauen schon schwanger sind – ich sage euch:
Es ist nicht schlimm. Also, Kinder haben ist hervorragend.
Man ist ständig müde. Die Anfangszeit…tja….Also, ich glaube, Schlafmangel ist was…. wenn ihr das schon eh habt, dann wird das noch schlimmer werden. Man hat keine Zeit mehr für sich allein, das ist hervorragend. Das ist alles schön mit Kindern…
Ne, jetzt mal ernsthaft! Ich mag das! Es gibt wirklich – ich glaube, es gibt für alles eine Lösung. Ich würde mich an den Bundesverband behinderter Eltern wenden, wenn ich Sorgen hätte, dass ich das nicht alleine schaffe. Ich würde mich einfach gut informieren, über die kann man sich auch hervorragenden informieren, weil die wissen echt sehr viel, was man machen kann. Ich würde mir nicht die Butter vom Brot wegnehmen lassen. Ich würde einfach das machen, was ich glaube, machen zu wollen. Ich würde mir einen guten… Also, das, was wir immer machen als Menschen mit Behinderung – wir haben einfach ein gutes äußeres Umfeld, was uns so gut wie möglich unterstützen kann. Wir suchen uns Menschen, die uns wohlgesonnen sind. Solche Sachen würde ich mit Kindern auch machen. Ich würde auf mein Kind vertrauen. Ich würde darauf vertrauen, dass mein Kind das auch schon macht. Ich würde aufpassen, dass ich mein Kind nicht als Assistenz missbrauche. Da hab ich immer darauf aufgepasst. Aber das ist wahrscheinlich jedem anderen auch klar. Ja, also Tipps, wer einfach ein bisschen Ruhe und Gelassenheit und …det kommt… und freut euch auf eure Kinder, wenn ihr Kinder haben wollt und wenn ihr keine haben wollte und trotzdem schwanger seid, dann sagt, ihr probiert es aus – dann probierte es aus. Gebt euch ne Chance!

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