Malen und zeichnen – geht das auch blind?

Das Logo von Die Neue Norm auf lila Grund. Rechts davon steht: Die Neue Kolumne. Unten steht: Von Melina Ebel.
Lesezeit ca. 2 Minuten

“Die kann das doch nicht!”

“Darf sie das überhaupt?”

“Das geht doch überhaupt nicht, wie ist das möglich?”

Als Mensch mit Beeinträchtigung hört man so etwas häufig. Ich höre sowas immer dann, wenn ich jemandem erzähle, dass ich 2 % Sehkraft habe und meine selbstgemalten Bilder zeige. Meine Zeichnungen und Bilder zeigen meist Blumendesigns und Naturmotive und sind unter anderem bei Instagram zu finden. Ich habe das Malen schon als Kind geliebt und viel mit Farben experimentiert.

Es gibt für alles Tricks und Möglichkeiten, um zu erlernen, was manche vielleicht für unmöglich halten. Ich male zum Beispiel nur mit dicken Kinderstiften, denn diese haben knallige Farben. Ich brauche spezielles Licht und male im Raster, immer nur einen kleinen Ausschnitt des Bildes und von da an weiter, weil ich das ganze Bild in einem gar nicht wahrnehmen kann. Ich teile das Bild in 8-10 Teile, male alle Einzelteile und setze sie hinterher zusammen, sodass ein komplettes Bild entsteht. Meine Freundin hat mir mal erzählt, das wäre eigentlich eine Technik in der Kunst, die dazu dient, das Bild besser zu proportionieren. Davon wusste ich damals, als ich mir diese Methode beigebracht habe, aber nichts. Es hat eben einfach anders nicht funktioniert.

Ich male zwar manchmal über die Linien oder verwische versehentlich etwas, aber ich finde, das hat auch etwas Besonderes. Es ist anstrengend für meine Augen, aber davon lasse ich mich nicht abhalten. Lust und Motivation zu malen, habe ich eigentlich immer, aber manchmal muss ich Abstriche machen, wenn ich etwas nicht sehen kann oder meine Augen gerade zu müde sind. 

Was mich besonders stört, ist, dass nicht darüber nachgedacht wird, was die oben genannten Aussagen mit Menschen machen können. Sie verletzen. Ich kenne Menschen, die ihr Hobby aufgegeben haben, weil andere komisch geguckt und ihre Fähigkeiten in Frage gestellt haben. Auch mich entmutigen solche Aussagen und es fällt mir manchmal schwer, danach weiter zu malen.

Doch dieses Hobby gibt mir Kraft und ist auch Therapie für mich. Entmutigende oder ungläubige Aussagen sind fehl am Platz, wenn Menschen ein Hobby gefunden haben, das ihnen gefällt. Jeder sollte das machen können, was ihn glücklich macht. Jeder Mensch ist anders und hat andere Talente und Möglichkeiten. Schon in der Kindheit merkt man, dass man sich für manche Dinge besonders begeistern kann und so kam es dann, dass ich als Blinde male. Nur deshalb, weil es mir Spaß gemacht hat. Ich werde meine Malerei nicht aufgeben und wünsche allen Menschen den Mut, ihr Hobby zu finden und zu verfolgen. So wie es ihnen gefällt.

Ich finde, wir sollten uns mit Aussagen zurückhalten, wer etwas angeblich kann oder nicht kann.

Auf eine Leinwand gemalt ist eine Hand mit roten Blüten. Das Bild ist von Melina Ebel gemalt worden.
Bild: Melina Ebel | Instagram

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