Hieu Pham: “Wir sollten mehr Geld bekommen”

Hieu Pham trägt ein schwarz-weißes logshirt und einen dünne schwarzen Schal. Sie hat schwarze, zum Dutt hochgebundene Haare.
Hieu Pham bei der Produktion von Ghostdance. Foto: Andi Weiland | Theater RambaZamba
Lesezeit ca. 3 Minuten

Beim Theater RAMBAZAMBA hat Hieu Pham die Chance, ihr schauspielerisches und musisches Können auf der Bühne zu zeigen. Davon Leben kann sie nicht. Im Interview sagt sie, ob sie das gerecht findet und was sie sich für die Zukunft wünscht.

Das Interview ist gemeinsam mit Diversity Arts Culture für die Reihe “Behinderung im Spielplan – Zugänge in den Kulturbetrieb” entstanden.

Die Neue Norm: Wann hast du gemerkt, dass du Interesse an der Schauspielerei hast?

Hieu Pham: Während meiner Schulzeit war das. In der Schule war ich in der Schwarzlichttheater-AG, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, bei zwei Schülerpraktika in Schauspiel-Werkstätten Erfahrung zu sammeln. Die Praktika dauerten zwei bis vier Wochen.

Gab es Menschen, die dich auf deinem Weg in die Schauspielerei unterstützt haben?

Meine Eltern haben mich unterstützt und mir den Rücken freigehalten. Und hier im RAMBAZAMBA-Theater gibt es sehr viele Menschen, die mir helfen und mich betreuen. Wir sind hier ein starkes Team.

Hieu Pham

Hieu Pham ist Schauspielerin, Tänzerin und Musikerin mit Lernschwierigkeiten. Über die VIA Blumenfisch Werkstatt ist sie seit 2012 Ensemblemitglied des RAMBAZAMBA Theaters und tritt regelmäßig in Produktionen auf.

Gibt es oder gab es denn für dich Vorbilder, zum Beispiel irgendwelche Hollywood-Schauspieler*innen, zu denen du aufgeschaut hast?

Nein. Ich finde auch nicht, dass man diese Hollywood-Stars mit dem vergleichen kann, was wir hier machen. Hollywood ist Film und ich stehe hier als Schauspielerin im Theater auf der Bühne. Wir sind Schauspieler*innen mit Behinderung. Wir im RAMBAZAMBA sind keine Stars – wir sind normal.

Spielt die Behinderung in den Stücken von euch eine Rolle?

Die Behinderung sollte egal sein. Wir bekommen Gutes, Positives für unsere Aufführungen zu hören. Und dabei spielt es auch keine Rolle, dass wir Schauspieler mit Behinderung sind. Übrigens auch für mich und meine Rollen und auch untereinander mit den anderen Schauspielern nicht.

Kannst du von der Schauspielerei leben?

Wir bekommen in der VIA Blumenfisch Werkstatt nicht so viel Geld. Weniger als andere Schauspieler. Ich kann aber davon leben, da ich noch bei meinen Eltern wohne. Dort helfe ich dann im Haushalt mit.

Findest du das ungerecht?

Ich finde schon, dass wir mehr bekommen sollten. Aber man kann das RAMBAZAMBA Theater jetzt auch nicht mit anderen Theatern vergleichen. Bei uns gibt es auch Fahrdienste, die uns hin und wieder zurück bringen. Oder dass Assistenten vor Ort sind. Die Organisation hier ist ganz anders.

Was muss passieren, damit mehr Menschen mit Behinderung zu Theaterveranstaltungen gehen können?

Die Theater in Berlin müssen barrierefreier werden. Dann können auch Menschen im Rollstuhl sich die Stücke anschauen. Beim Popkultur Festival gab es viele verschiedene Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung. Das hat gut geklappt. 

Gibt es – neben dem Schauspiel – noch andere künstlerische Tätigkeiten, die du machst?

Ich tanze sehr gerne und mache Musik. Ich singe in der Band 21Downbeat und spiele dort auch Schlagzeug. Nicht beides gleichzeitig, aber abwechselnd. Wir sind sechs Schauspieler hier aus dem Theater. Zwei davon haben das Down Syndrom. Unterstützt werden wir von Leo Solter, der die Stücke komponiert und mit uns probt. 

Welche Wünsche für die Zukunft hast du?

Ich würde gerne Regie machen. Das interessiert mich und da würde ich mich persönlich auch weiterentwickeln. Letztes Jahr habe ich einem Schauspielkollegen schon zugucken können, wie er mit anderen ein Stück aus der Nibelungen-Geschichte geprobt hat. Das hat er sehr gut gemacht.

Kannst du dir auch vorstellen, Auftritte abseits des Rambazamba-Theaters zu haben?

Regie würde ich erstmal gerne hier ausprobieren. Als Schauspielerin kann ich mir das sehr gut vorstellen. Ich bin durch das Schauspiel viel selbstbewusster und mutiger geworden. Ich probiere gerne neue Sachen aus. So habe ich zum Beispiel auch schon zwei kleine Auftritte in den Filmen „Ghost Dance“ und „24 Wochen“ gehabt. Mit unserer Band 21Downbeat haben wir auch schon einige Auftritte auf Festivals gehabt, zum Beispiel auf dem Popkultur Festival, bei der Fusion oder in der Berghain Kantine. 

Weitere Interviews aus der Reihe:

Carolin trägt eine bunte, geblümte Bluse, hat lange braune, lockige Haare und liegt mit ihrem Körper auf dem Boden.

Carolin Hartmann: “Die Behinderung an sich ist noch keine Kunst”

“Mutig” oder “inspirierend”, so seien manche Reaktionen von Zuschauer*innen auf ihre Performance. Die Tänzerin Carolin Hartmann erklärt im Interview unter anderem, warum Künstler*innen mit Behinderung bei Kritiken oft “Welpenschutz” haben und dennoch richtig gut sein müssen um wahrgenommen zu werden.

Weiterlesen »
In einem dunkeln Raum sitzen vier Personen auf einem Podium. Rechts daneben steht eine Moderatorin mit einem mikrofon in der Hand.

Murat Akan: “Intersektionalität ist für viele ein Fremdwort”

“Curator of Outreach”, so lautet die aktuelle Berufsbezeichnung des Historikers Murat Akan. der durch Vermittlungsarbeit Berliner Museen und Gedenkstätten dabei unterstützt, ein diverseres Publikum zu erreichen. Was das für Vorteile mit sich bringt und wo es immernoch Barrieren gibt, erklärt er im Interview.

Weiterlesen »

Das waren starke Zeilen? Dann gerne teilen!

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on pocket
Share on email
Share on print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.