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Das Logo von die neue Norm auf hellgrünem Grund. Rechts davon steht: Die Neue Kolumne. Unten steht: Von David Lebuser.
Lesezeit ca. 3 Minuten

Eine Stadt ist ein Ort an dem Menschen leben und unterschiedlichsten Aktivitäten nachgehen, ein Spielplatz ist ein Ort an dem Kinder zusammen spielen und wichtige soziale Interaktionen lernen und ein Skatepark ist ein Ort an dem man auf Rädern und Rollen aktiv sein kann. Klar soweit, oder? Aber warum sind die genannten Beispiele dann nicht so konzipiert, dass sie auch von allen gut genutzt werden können? 

Weil die Verantwortlichen sich nicht vorstellen können, dass Menschen mit Behinderung diese Orte nutzen und schon gar nicht, wie sie sie nutzen sollen. Es gibt eine generell niedrige Erwartungshaltung gegenüber Menschen mit Behinderung. Häufig fehlt auch die Fantasie, was diese Gruppe von Menschen eigentlich alles kann. 

Am Beispiel Skatepark kann ich das ganz gut aus meiner Erfahrung der letzten Jahre skizzieren. Vor 13 Jahren hatte ich einen Unfall und bin seitdem mit einem Rollstuhl unterwegs. Relativ schnell bin ich im Skatepark mit dem Rollstuhl herumgefahren und habe mein neues Hobby gefunden. Zu der Zeit waren aber weder die Skateparks, noch Rollstühle dafür optimiert. Wozu auch? Als ob ein Mensch mit Behinderung skaten könnte, pffff… so stelle ich mir zumindest die Gedanken der Verantwortlichen vor. Und tatsächlich hat es Jahre gedauert, bis sich Skatehallen für Menschen mit Behinderung geöffnet haben, Angebote entstanden und Planer*innen die Belange und Wünsche von Rollstuhlskater*innen mitgedacht haben. 

Doch diese Entwicklung war und ist gespickt mit Rückschlägen. Mir wurde der Zugang zu Skateparks untersagt, ich wurde rausgeworfen und musste oft diskutieren. Meistens war von Versicherung oder den Skatepark-Regeln die Rede. Auf solchen Schildern steht dann meistens, dass man den Skatepark nur mit Schutzausrüstung und geeigneten Sportgeräten nutzen darf, mittlerweile sind dort auch immer öfter speziell die Geräte aufgelistet wie Skateboards, BMX-Fahrräder, Scooter, Rollschuh, Inline Skates – und Rollstuhl? Nein, das ist tatsächlich bisher nur sehr vereinzelt und nur nach langer Diskussion der Fall. 

Gerade erst vor kurzem habe ich davon gehört, dass eine junge Frau im Rollstuhl von der Polizei (!) vom Skatepark in Freiburg entfernt wurde. Angeblich weil die Nutzung im Rollstuhl nicht erlaubt, also verboten sei. Erstens ist es weder das eine, noch das andere, zweitens können sich Menschen ohne Behinderung aussuchen, ob sie Skateboard, BMX oder Scooter fahren. Menschen im Rollstuhl können das nicht, fühlen sich aber vielleicht dennoch der einen oder anderen Szene zugehörig. 

Nun, immerhin möchte die Stadt Freiburg nun ein neues Schild aufstellen, das Rollstühle explizit erlaubt und Planer*innen haben den stark gestiegenen Bedarf erkannt. Das aber wurde für Spielplätze und Städte auch schon lange erkannt, doch wirklich barrierefrei und inklusiv sind sie bis heute nicht. 

Der Entwicklungsprozess wird nachwievor durch das Narrativ gestört, Menschen mit Behinderung seien stark eingeschränkt, bemitleidenswert und hilflos. Diese Vorurteile sorgen dafür, dass weiterhin Orte ohne Einbeziehung ihrer Bedürfnisse geplant werden. Dabei sollte jeder, wirklich jeder Ort so barrierefrei wie möglich geplant werden. Wir müssen Menschen die Chance geben, überall alles auszuprobieren, denn wenn wir diese Möglichkeiten nicht schaffen, werden wir nie sehen, was Menschen wirklich alles erreichen können.

Also bitte plant inklusiv und partizipativ, baut barrierefrei und macht euch frei von den Fesseln euer Vorstellungskraft. Danke!

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