Das Pflegeheim muss keine Endstation sein

Das Logo von Die Neue Norm auf türkisem Grund. Rechts davon steht: Die Neue Kolumne. Unten steht: Von Marie Habben.
Lesezeit ca. 2 Minuten

Ich kam nach meiner schweren Erkrankung 2008/2009 nach der Frühreha gegen meinen Willen mit 24 Jahren in ein Pflegeheim. War vielleicht gut so, um meine Stärke und meinen Kampfeswillen zu entdecken.

Halbseitig gelähmt, Sprachstörungen und mit Katheter und Psychopharmaka ausgestattet mit Mitte 20 im Pflegeheim, so sollte das eigentlich nicht sein. Dementsprechend übellaunig war ich auch, sodass ich am ersten Morgen die Schwester/Pflegerin fragte, wegen ihrer toupierten Haare, ob sie in die Steckdose gefasst habe. Ich fand es lustig, sie eher weniger. Freunde gemacht habe ich mir schonmal nicht. Aber hier bleiben wollte ich eh nicht.

Das Essen war richtig schlecht und der Koch zwar ansprechbar, aber beratungsresistent. Als man dann noch bestimmen wollte, wann und wie ich auf die Toilette gehen solle, war es endgültig zu viel. Ich war immer jemand, der sehr eigenständig war und sich ungern reinreden ließ. Richtig Theater gab es, als ich abends nur Obst haben wollte und Psychopharmaka verweigerte.

So bin ich auch explodiert, als der Pfleger eines Abends auf die Idee kam, meine Zahnbürste zu kontrollieren, um zu gucken, ob ich mir denn auch die Zähne geputzt habe. Ebenso jener ließ beim Abtrocknen mein gelähmtes Bein mit der offenen Wunde an der Ferse wiederholt an den Duschrolli prallen.

Bis auf meinen Vater, der da glücklicherweise noch lebte, hat sich niemand dafür interessiert. Mit ihm gemeinsam setzte ich die damalige gesetzliche Betreuerin, die sich außer für ihr Geld und die Meinung meiner „Mutter“ für wirklich wenig interessierte, ab und der neue ließ mich nochmal in eine Reha fahren, bevor ich wieder meine eigenen vier Wände beziehen durfte. Dort lebe ich seit 2010 und habe 2014 mein unterbrochenes Medizinstudium weiterführen können, was auch nicht gänzlich unkompliziert ist, da ich nicht mehr der stereotypen Medizinerin entspreche.

Unterstützung kommt von einem ambulanten Pflegedienst und zeitweilig Assistenz. Zuletzt ist noch meine damalige Physiotherapeutin zu erwähnen, die mich noch aus der Schulzeit kannte, die den Pflegedienst organisiert hat. Mein Vater und meine Therapeuten haben mich immer unterstützt, wo nötig, denn einfach war es in keinem Fall.

Meine Logopädin erzählte mir später häufiger, die Pflegekräfte in dem Heim haben geunkt, ich sei eh bald wieder dort. Sie hatten Unrecht.

Ja, es war nicht leicht und ja, ich hatte gute Unterstützung , aber nein, ein Pflegeheim muss keine Endstation sein, wenn man Willen und Durchsetzungsvermögen hat!

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