Das Ende der Pandemie

Das Logo von Die Neue Norm auf orangem Grund. Rechts davon steht: Die Neue Kolumne. Unten steht: Von Matthias Rösch.
Lesezeit ca. 3 Minuten

Vor etwa einem Jahr war ich dienstlich viel unterwegs. Einer meiner Termine ging in den Elsass nach Reichshoffen. Im Werk des Zugherstellers Alstom haben wir mit einer Gruppe von Menschen mit Behinderungen virtuell die Barrierefreiheit der neuen Bahnfahrzeuge für die Region begutachtet. Positiv aufgefallen war mir noch, dass der Informationsfilm im Eingangsbereich des Werks zu den Hygienemaßnahmen gegen das Corona-Virus mit Gebärdensprachübersetzung lief. Frankreich hat wirklich bessere Regelungen zur Barrierefreiheit, habe ich mir gedacht.

Dann wurde der Elsass zum Risikogebieten erklärt und meine bisherige Arbeit als Landesbehindertenbeauftragter in Rheinland-Pfalz mit Außenterminen und Begegnungen mit Menschen mit Behinderungen, mit Gremiensitzungen und Veranstaltungen wurde abrupt ausgebremst. Von meiner Dienststelle wurden 14 Tage arbeiten von zu Hause aus geregelt. Termine wurden abgesagt und verschoben. Viel Kommunikation über Telefon und erste Ansätze von Videobesprechungen waren angesagt. Und draußen in der Stadt machten die Einkaufsläden, Gaststätten und Theater zu.

Mit einer Atempause im Sommer mit vorsichtigen und hygienegeregelten Treffen und Terminen spielt sich mein Leben wieder hauptsächlich zwischen Wohnung und Büro ab – mit zig Videokonferenzen und Krisenbewältigung. Ab und zu schaue ich nach oben, um aufzupassen, dass mir die Bürodecke nicht auf den Kopf fällt.

Es gibt viele Momente, in denen mich einzig meine Pläne für die Zeit nach der Pandemie optimistisch stimmen. Neben den herbeigesehnten Möglichkeiten, mein Leben wieder so zu gestalten, wie es mir gefällt, habe ich auch große Pläne für die Inklusion. Wenn die Pandemie vorbei ist

  • dann mach ich eine Rundreise mit der Bahn durch Rheinland-Pfalz – ohne Voranmeldung und gemeinsam mit meinen Freunden Susanne Göbel und Ottmar Miles-Paul.
  • hole ich mein Theaterabo vom ganzen Jahr in einer Woche nach.
  • gönne  ich mir einen Monat Videokonferenz-Abstinenz und schaue nach, ob die andere Menschen wirklich noch dreidimensional sind. Danach nutze ich gerne wieder die praktischen Seiten digitaler Kommunikation.
  • fahre ich mit meinem Handbike 15 mal nach Frankreich und zurück, um mich zu vergewissern, dass die Grenze tatsächlich offen ist (Roulez enfants de la Patrie!).
  • machen wir gemeinsam mit der Interessenvertretung so viel Druck, dass nach drei Monaten der Rahmenvertrag für die Eingliederungshilfe verhandelt ist. Mit diesem Rahmenvertrag werden Wohnangebote für mehr als sechs Menschen mit Behinderungen unwirtschaftlich und die bisher noch separaten Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen werden dann hoffentlich systematisch in inklusive, am Sozialraum und Selbstbestimmung ausgerichtete Leistungsangebote umgewandelt.
    gehe ich auf sechs Wochen Sommertour durch unser Land zu beispielhaften inklusiven und barrierefreien Projekten gemeinsam mit den Behindertenbeauftragten und -beiräten vor Ort.
  • finden endlich wieder Treffen mit den Bewohner*innenbeiräten der Wohneinrichtungen statt, mit viel Ermutigung nach den harten Lockdown-Zeiten mit Ausgangsbeschränkungen und ohne Besuche.
    gibt es eine wunderbare Abschlussveranstaltung mit dem Landesteilhabebeirat für diese Wahlperiode mit anschließendem Umtrunk mit Wein und Brezeln – die engagierten Menschen in unserem Beirat haben es sich wirklich verdient.
  • hospitiere ich in der inklusiv arbeitenden Grundschule in Lingenfeld, die mich schon vor über einem Jahr dazu eingeladen haben.
  • reise ich endlich wieder mal nach Berlin zu politischen Gesprächen mit anschließendem Theater- oder Konzertbesuch (hallo Hauptstadt, gibt es dich noch oder ist bist du nur eine Fiktion?). Selbstverständlich komfortabel mit dem ICE ohne Fluglärm.

Das alles oder ähnliches gibt es hoffentlich bald wieder. So lange bleiben der Dauer-Stream an Videokonferenzen, die Planung für die nächste gemeinsame Bahntour und ein merkwürdiger Landtags-Wahlkampf, ohne die sonst üblichen persönlichen Kontakte an den Infoständen und Haustüren. Und die Sorge um unsere Gesundheit.

Bleiben wir optimistisch!

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