Bildsprachen und durch Bilder sprechen

Das Logo von Die Neue Norm auf lilafarbenen Grund. Rechts steht: Die Neue Kolumne. Unten steht: Von Johannes Mairhofer.
Lesezeit ca. 2 Minuten

Es mag der Blick aus der Filterblase meiner Welt als Fotograf sein, aber es fällt mir leider nach wie vor oft auf: Menschen mit Behinderung werden in den Medien oft als Helden glorifiziert oder als besonders leidend dargestellt. Dies spiegelt sich nicht nur in der Wortwahl, sondern auch in der Bildsprache wieder.

Anhand einiger Beispiele möchte ich gerne aufzeigen, was falsch läuft.
Aber ich möchte nicht nur anprangern, sondern auch helfen und erklären, was vielleicht die bessere Alternative gewesen wäre.
Hierzu gebe ich gerne ein paar generelle Tipps für Fotografen und Fotojournalisten, die dabei helfen, authentische Fotos von Menschen mit Behinderungen zu machen, ohne dabei allzusehr in die Klischeekiste greifen zu müssen.

Augenhöhe

Wenn jemand mit Ihnen spricht, möchten Sie mit Sicherheit gleichwertig behandelt und auf Augenhöhe angesprochen werden. Das können Sie in diesem Fall auch gerne ernst und wortwörtlich nehmen.
Wenn ein*e Protagonist*in zum Beispiel größer ist als Sie, versuchen Sie in der Regel ja auch sich selbst in eine höhere Position zu bringen. Das kann z.B. durch einen „Tritt“, eine Leiter oder eine Stufe passieren.
Wenn jemand nun kleiner ist als Sie, ist es sogar noch einfacher: Gehen Sie einfach in die Knie oder Hocke, so fühlen sich Protagonist*innen fair behandelt und die Bilder sind viel authentischer.

Leider hat maz-online diese Chance bei diesem Bild verpasst: https://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Matthias-Horn-Wunder-dass-ich-laufen-kann 

Wie es besser geht, zeigt z.B. dieses Musikvideo des Künstlerduos „blind and lame“: https://www.youtube.com/watch?v=ff3BryGS1v4 

Perspektive

Natürlich möchte ich nicht abstreiten, dass es auch Menschen mit Behinderung gibt, die leiden. Allerdings gibt es diese genauso auch unter den Menschen, die keine Behinderung haben. Allen Menschen mit Behinderung schwere Schicksale und großes Leid zuzusprechen ist daher einfach ziemlich dumm.

In der Bildsprache kann und wird dies natürlich den Betrachter beeinflussen und auch bewusst gesteuert werden. So können Perspektivwechsel erheblich dazu beitragen, wie ein Bild wirkt. 

Zeigen Sie z.B. den Protagonisten als Mensch, oder zeigen Sie lieber seinen Rollstuhl und reduzieren damit den Protagonisten auf sein Fortbewegungsmittel? Wenn es um den Menschen geht, sollte die Antwort klar sein. Sie zeigen den Protagonisten bzw. die Protagonistin. 

Leider hat die mopo diese Chance in ihrer Reportage verpasst und reduziert den Protagonisten auf negative Bilder: https://www.mopo.de/news/panorama/wegen-falscher-diagnose–mann-sass-43-jahre-umsonst-im-rollstuhl—jetzt-ist-er-geheilt-24806746 

Wie es besser und sympathischer geht, zeigt z.B. dieser Werbespot von OSRAM: https://www.youtube.com/watch?v=O1Sn6pxm06M&ytbChannel=OSRAM+Lampen+Deutschland 

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