Blinde Menschen brauchen Bildbeschreibung

Das Logo von die neue Norm auf gelbem Grund. Rechts davon steht: Die Neue Kolumne. Unten steht: Von Lydia Zoubek.
Lesezeit ca. 2 Minuten

Ich bin blind. Auf Facebook lese ich gern in regionalen oder fachbezogenen Gruppen mit. Auch das gehört für mich zur Teilhabe am Geschehen. Solange es sich um Texte handelt, ist das kein Thema. Diese werden mir von meiner Sprachausgabe vorgelesen. Ich habe also zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, die geposteten Informationen ohne fremde Hilfe zu lesen. Bei Fotos sieht es da leider ganz anders aus: Ich bekomme zwar angesagt, dass es sich um ein Foto handelt, teilweise erhalte ich auch eine Interpretation des Bildes, die automatisch erzeugt wird. Aber die durch künstliche Intelligenz erstellte Bildbeschreibung hat oft nur wenig mit dem zu tun, was das Foto eigentlich aussagt. Fotos ohne Beschreibung oder jeglichen Textzusatz stellen für mich eine Barriere dar. Ebenso auch generierte Bildbeschreibungen wie „Bild enthält Straße und Natur“. Wenn ich dann wissen möchte, was auf dem Foto ist, weil ich es aus dem Kontext nicht rausbekomme, muss ich fragen. Das mag bei einem Foto noch okay sein, nervt aber auf die Dauer ganz schön. 

Inzwischen gibt es einige Möglichkeiten Fotos zu posten, ohne Menschen mit Sehbehinderung auszugrenzen. Manche Messenger wie WhatsApp oder Signal bieten an, dem Foto eine Bildunterschrift beizufügen. Dieses Textfeld könnte man dazu nutzen, das Foto kurz zu beschreiben. Beispiele wären hier „Lydia sitzt auf einem blauen Sofa und lacht“ oder „Ablehnungsbescheid vom 22.3.22 Fahrtkosten“. Dann kann ich später ohne fremde Hilfe erkennen, was das Foto enthält. 

Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram bieten ebenfalls ein Feld namens “Alternativtext” an. Hier kann eine Bildbeschreibung in Textform hinzugefügt werden, die nur von den Sprachausgaben vorgelesen wird und für sehende Menschen verborgen bleibt. Der Text dient als eine Alternative für nicht sehende Personen, um am bildlichen Geschehen teilhaben zu können. Dieser Alternativtext ist mit dem Foto so verknüpft, dass er auch beim Teilen mit übernommen wird. 

Ich weiß, dass in diversen Bloggerseminaren vermittelt wird, dass man die Felder „Bildbeschreibung“ und „Alternativtext“ ruhig ignorieren darf. Das ist schlichtweg falsch. Auch diese Bilder sollten beschrieben werden.

Ich bekomme oft zu hören, dass es schwer ist, den Inhalt eines Bildes in einem oder zwei Sätzen zu beschreiben. Es geht dabei aber nicht darum, sämtliche Einzelheiten zu beschreiben, sondern darum, die wesentliche Aussage des Bildes zusammenzufassen. Am besten stellt Ihr Euch vor, dass Ihr jemandem etwas am Telefon beschreibt. Wer macht was und womit reicht völlig aus. 

Wie Ihr einen guten Alternativtext erstellt, könnt Ihr auf den Seiten des DBSV nachlesen. Das Internet ist voll von guten Anleitungen zum Erstellen von Alternativtexten für alle möglichen Anwendungen. Und je mehr Menschen diese nutzen, desto mehr Nutzer von Bildschirmvorleseprogrammen können am bildlichen Geschehen teilhaben. 

Also, lasst uns die digitale Welt gemeinsam etwas inklusiver machen. 

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