Glossar – Begriffe zu Behinderung, Inklusion und Vielfalt

Wir haben hier einige Fachbegriffe gesammelt und erklärt, die immer wieder in unserem Magazin auftauchen.

Abledsplaining

Wenn Menschen ohne Behinderungen glauben, sie wissen besser, was für Menschen mit Behinderungen gut ist.
Das kann verletzend sein, weil Betroffene selbst Expert*innen ihres Lebens sind.

Ableismus

Ist eine Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, die sich auf Menschen mit Behinderungen bezieht. Behinderte Menschen werden dabei aufgrund ihre Behinderung und damit einhergehenden Vorstellungen darüber, was sie können oder nicht können, abgewertet. Abgeleitet ist das Wort von dem englischen Begriff “able” => fähig.

Allgemeiner Arbeitsmarkt

Die meisten Menschen arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und haben dort einen Arbeitsvertrag, einen festen Lohn sowie die gleichen Rechte und Pflichten. Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten dort gemeinsam in verschiedenen Berufen. Werkstätten für behinderte Menschen gehören nicht zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Dort arbeiten fast nur Menschen mit Behinderungen, erhalten ein sehr geringeres Entgelt und zusätzliche Sozialleistungen. Außerdem gelten in Werkstätten andere Rechte und Pflichten als auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Budget für Arbeit

Das Budget für Arbeit gibt es seit 2018 und hilft Menschen mit Behinderungen, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten. Es besteht aus Geld für den Lohn und aus Unterstützung am Arbeitsplatz. Anspruch haben Menschen, die eigentlich in einer Werkstatt arbeiten könnten und einen Arbeitgeber mit Arbeitsvertrag finden. Der Staat übernimmt bis zu 75 Prozent des Lohns, den Rest zahlt der Arbeitgeber. Die Beschäftigten sind sozialversichert, außer in der Arbeitslosenversicherung und haben ein Rückkehrrecht in die Werkstatt.

Cripping-Up

Bezeichnet den Vorgang, wenn nicht-behinderte Schauspieler*innen Charaktere mit Behinderung in Film und Fernsehen verkörpern. Eine verbreitete Praxis, die dafür sorgt, dass behinderte Schauspieler*innen selbst auf Rollen mit Behinderung nicht besetzt werden und damit auch keine authentische Repräsentanz von Behinderung stattfindet. Cripping-Up ist vergleichbar mit der rassistischen Praxis des „blackfacing“, bei der weiße Schauspieler*innen die Rolle von Schwarzen übernehmen.

Crip-Tax / Crip-Cost

Eine Behinderung hat viele versteckte Kosten. Zum Beispiel müssen für den Alltag notwendige Hilfsmittel oder Mobilitätsangebote oft selbst und überteuert bezahlt werden. Dies stellt eine finanzielle Zusatzbelastung für behinderte Menschen dar, die von Betroffenen wie eine Steuer auf das Behindertsein empfunden wird. 

Crip-Time

Neben Geld kostet eine Behinderung auch viel Zeit. Nicht nur wegen der Behinderung an sich (z.B. weil man länger zum Anziehen braucht), sondern vor allem auch wegen bürokratischer, gesellschaftlicher und räumlicher Barrieren, deren Überwindung viel Zeit in Anspruch nimmt. 

Curb-Cut-Effekt

Wörtlich übersetzt geht es hier um den Abgesenkter-Bordstein-Effekt. Damit wird das Phänomen bezeichnet, dass von behindertenfreundlichen Anpassungen, auch nicht-behinderte Menschen profitieren. Z.B. ist der abgesenkte Bordstein, eine Rampe oder ein Aufzug auch für Menschen ohne Gehbehinderung praktisch, z.B. wenn sie eine. Kinderwagen schieben. Untertitel werden auch von hörenden Menschen genutzt. 

Disability Mainstreaming

Bezeichnet die Forderung, Perspektiven behinderter Menschen auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen zu integrieren. Ziel ist Gleichstellung, Teilhabe und Chancengleichheit für behinderte Menschen im Sinne der UN-BRK. 

Diskriminierung

Wenn Menschen ungerecht behandelt werden, zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer Behinderung.
Alle Menschen sollen die gleichen Rechte und Chancen haben.

Einfache Sprache

Einfache Sprache orientiert sich stärker an der Standardsprache. Sie verzichtet aber auch auf komplizierte Formulierungen und Fachbegriffe. Seit 2024 folgt Einfache Sprache festen Regeln. Sie sind in der deutschen DIN-Norm 8581-1 und der internationalen Norm ISO 24495-1 festgelegt. 

Inspiration Porn

Wenn Menschen mit Behinderungen bewundert werden, nur weil sie leben oder arbeiten.
Das ist unfair. Niemand muss eine Held*in sein, nur weil er*sie eine Behinderung hat.

Intersektionalität

Intersektionalität bedeutet, dass Menschen gleichzeitig durch mehrere Dinge benachteiligt oder diskriminiert werden können. Zum Beispiel kann jemand aufgrund ihrer*seiner Religion, ihrers*seines Geschlechts und einer Behinderung gleichzeitig Nachteile erleben. Diese verschiedenen Faktoren überlappen sich und verstärken oft die Benachteiligung.

Leichte Sprache

Leichte Sprache soll leicht verständlich sein. Das ist hilfreich für Menschen, die die deutsche Sprache lernen oder Lernschwierigkeiten haben. Für Leichte Sprache gibt es offizielle Empfehlungen in der DIN SPEC 33429. Die Sätze sollen kurz sein. Es soll nur eine Aussage pro Satz vorkommen. Und Texte in Leichter Sprache sollen von Menschen mit Lernschwierigkeiten geprüft werden. 

Löffel-Theorie / Spoon-Theroy

Ist ein Gedankenexperiment, um die begrenzten Energieressourcen von behinderten oder chronisch kranken Menschen zu veranschaulichen. Ein Löffel steht hierbei stellvertretend für Energie. Die Annahme ist, dass allen Menschen die gleiche Anzahl an Löffel zur Verfügung steht, um Dinge zu tun (z.B. aufstehen, arbeiten, Essen zubereiten, Freund*innen treffen). Allerdings benötigen Menschen mit Behinderungen schon für ganz alltägliche Dinge mehr Löffel, weil es sie mehr Kraft kostet, als Menschen ohne Behinderungen. Wenn die Löffel eines Tages aufgebraucht sind, kann man sich zwar welche vom Folgetag leihen. Doch dort fehlen sie dann. So wird deutlich, dass behinderte Menschen im Vergleich zu nicht-behinderten Menschen schneller erschöpft sind. 

Medizinisches Modell von Behinderung

Das medizinische Modell von Behinderung sieht Behinderung als Problem der einzelnen Person. Der Fokus liegt auf körperlichen oder geistigen Einschränkungen und auf der Frage, was von einer als „normal“ geltenden Norm abweicht. Ziel ist es, die Behinderung zu „heilen“ oder zu „korrigieren“. Viele Betroffene lehnen dieses Modell ab, weil es ausgrenzt, das Selbstwertgefühl schwächt und sie nicht als gleichwertigen Teil der Gesellschaft anerkennt. 

MmB

Abkürzung für Menschen mit Behinderung. 

Paternalismus

Paternalismus bedeutet, dass jemand für andere entscheidet, weil er*sie glaubt, es sei besser für sie – auch wenn diese anderen selbst vielleicht etwas anderes wollen. Manchmal ist es gut gemeint, kann aber die Freiheit oder die eigenen Entscheidungen der betroffenen Person einschränken.

UN-BRK

Abkürzung für die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der von 185 Staaten und der EU abgeschlossen wurde und 2008 in Kraft trat. Er sichert Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung für MmB zu und stärkt Grundrechte auf Bildung, Arbeit, Mobilität, Gesundheitsversorgung, Selbstbestimmung, politische Rechte uvm. 

Unterstützte Kommunikation

Unterstützte Kommunikation (UK) ermöglicht Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt sprechen können, sich auszudrücken und am Leben teilzunehmen. Sie nutzen zur Unterstützung Gebärden, Gesichtsausdrücke, Bilder, Talker (Sprachcomputer), Buchstabentafeln, Assistenzen zur Handsteuerung o.ä. und Techniken wie Augensteuerung.

Rassismus

Rassismus bedeutet, dass Menschen oder ganze Gruppen schlecht behandelt oder ausgeschlossen werden. Das passiert wegen Merkmalen wie Hautfarbe, Herkunft, Sprache oder Religion. Rassismus zeigt sich im Verhalten einzelner Menschen, in Einrichtungen und in der Gesellschaft insgesamt. Viele Betroffene erleben das so oft, dass man von Alltagsrassismus spricht.

Rom*nja

Rom*nja ist die Selbstbezeichnung und ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Gruppen von Menschen. Ihre Vorfahren kamen vor etwa 1000 Jahren aus Indien und dem heutigen Pakistan nach Europa. Heute bilden sie die größte ethnische Minderheit in Europa. Es gibt viele verschiedene Untergruppen, die sich zum Beispiel in Sprache, Religion und Lebensweise unterscheiden. Deshalb sprechen Fachleute oft von Roma-Gruppen oder von Angehörigen der Roma-Minderheiten. Eine Frau wird Romni genannt, mehrere Frauen heißen Romnja, ein Mann heißt Rom und mehrere Männer heißen Roma.

Selbstbestimmung

Menschen dürfen über ihr Leben selbst entscheiden.

Soziales Modell von Behinderung

Dieses Modell sagt: Das Problem ist nicht die Behinderung, sondern die Hindernisse in der Umwelt und in der Gesellschaft.
Wenn man Hindernisse entfernt, können alle mitmachen.

Teilhabe

Alle können mitmachen in Schule, Arbeit und Freizeit.

WfbM

Abkürzung für Werkstatt für behinderte Menschen. Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderung arbeiten, um auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden. Diese Werkstätten sind jedoch umstritten. Gründe dafür sind u.a. die niedrige Vermittlungsquote auf den ersten Arbeitsmarkt (weniger als 1% pro Jahr), sowie teils schlechte Arbeitsbedingungen und die sehr geringe Bezahlung, die weit unter dem Mindestlohn liegt.