Genderdivers in Ägypten: eine unerwartete Frage der Behinderung

Eine blaue Spritze mit wenigen Millimetern Flüssigkeit neben einer weißen Blume.
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In Ägypten gibt es keine Gesetze, die explizit gegen Geschlechtsdiversität gerichtet sind. Und doch werden trans Personen verfolgt, inhaftiert und misshandelt. Eine veraltete psychiatrische Diagnose kann dabei über Freiheit oder Gefängnis entscheiden. Ein Insider-Bericht von Amara Refaat über ein System, das Schutz verspricht und gleichzeitig entwürdigt.

Inhaltshinweis

In diesem Text geht es um Übergriffe, Gewalt, Suizid, und Diskriminierung. Das kann belastend sein. Unter der Telefonnummer 0800 111 0111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123 erreicht ihr das kostenlose und anonyme Sorgentelefon. Online gibt es auch die Möglichkeit eines Chats unter https://www.telefonseelsorge.de/.

Kurz erklärt

Amara Refaat ist trans und lebt in Ägypten.
Dort werden trans Menschen oft von der Polizei verfolgt.
Manche lassen sich deshalb in einem Krankenhaus bescheinigen, dass sie eine „Störung“ haben.
Dieses Papier kann vor Gefängnis und Wehrdienst schützen.
Für das Papier muss man aber viele Monate lang in die Psychiatrie gehen.
Dort werden die Menschen oft schlecht behandelt.

Seit Ende 2024 sind die Regeln noch strenger geworden.
Trotzdem sagt Amara: Wir sind keine Opfer.
Eine ägyptische Organisation hat 2026 vor Gericht gewonnen.
Das macht Hoffnung.

Anmerkung der Redaktion: Um die Sicherheit unserer Autor*innen und der Interviewten unter strengen Presseeinschränkungen zu gewährleisten, wurden staatliche Behörden nicht um eine Stellungnahme zu den in diesem Artikel beschriebenen Berichten gebeten.

Behinderung als Schutz

Ich war immer vehement dagegen, meine trans-Identität durch die Linse „Behinderung“ zu sehen, da bis heute einige den Begriff „Störung der Geschlechtsidentität“ (aus dem Englischen: “Gender Identity Disorder”) – selbst eine veraltete medizinische Bezeichnung – als Vorwand nutzen, um unsere trans-Identitäten zu untergraben und uns weiter zu missachten oder zu entwerten.

In Ägypten nimmt dies eine interessante Wendung, weil in einer merkwürdigen Fügung des Schicksals diese Diagnose das Einzige sein kann, was zwischen einer trans-Person und einer Gefängnisstrafe steht.

Obwohl es im Land keine strikt verankerten Gesetze gibt, die Homosexualität oder Geschlechtsdiversität verbieten, nutzen die Behörden häufig vage andere Rechtsgrundlagen zu z. B. „Familienwerten“, „Nachahmung des weiblichen/männlichen Geschlechts“ oder „öffentlicher Moral“, um queere Personen strafrechtlich zu verfolgen. Dabei stützen sie sich auf ein System willkürlicher Festnahmen, das unverhältnismäßig oft Menschen aus einkommensschwachen Verhältnissen trifft.

Manche nutzen diese veraltete Diagnose dann, um „medizinisch bestätigende Papiere“ zu erhalten. Diese behördlich anerkannten Papiere können wiederum als Schutzschild in brenzligen Situationen dienen, die entweder die Polizei oder das Militär betreffen. Denn die Drohung, allein durch das Dasein als trans-Frau Unzucht zu stiften, kann durch das Plädieren auf „Unzurechnungsfähigkeit“ ebenso abgewendet werden wie der obligatorische Wehrdienst insgesamt. Die rechtliche Transition bleibt jedoch eine knifflige legislative Grauzone, bei der diese Papiere keine Rolle mehr spielen.

Wir waren über ein Dutzend genderdiverse Personen, die im Morgengrauen auftauchten – manche von uns schon um 2 Uhr morgens –, warteten, bis der Arzt uns um 11 Uhr kurz aufrief, nur um unseren Namen in eine Liste einzutragen und schlagartig wieder zu gehen, um dann dasselbe Prozedere im nächsten Monat zu wiederholen.

Neue Hürden seit 2024

Bis Ende 2024 wurden trans-Personen gewissermaßen anerkannt, da rechtliche Schlupflöcher und gesetzliche Versäumnisse ausgenutzt werden konnten. Eine neue Verordnung des Innenministeriums von Ende 2024 verlangt nun von Personen, die ihren Geschlechtseintrag rechtlich ändern lassen wollen, ein obligatorisches Chromosomen-Screening oder den Nachweis von Intersexualität.

Trans-Personen, die eine geschlechtsangleichende Operation anstreben, benötigen diese Dokumente ebenfalls als Voraussetzung für ihren Eingriff – es sei denn, sie wählen den Weg über den Schwarzmarkt, was viele tun. Geschlechtsangleichende Operationen sind in Ägypten mittlerweile streng reguliert.

Vor der Verordnung von 2024 begann ich, ein berüchtigtes staatliches Krankenhaus im Herzen von Kairo aufzusuchen, da mir gesagt wurde, dies sei der einzige Ort, an dem ich Papiere erhalten könne, die mir eine Störung der Geschlechtsidentität bescheinigten. Da ich kurz vor meinem Studienabschluss stand, rückte der obligatorische Wehrdienst schnell näher, und diese Papiere konnten mir einen dringend benötigten Ausweg bieten.

Um diese Papiere zu bekommen, musste ich mich etwa sechs Monate bis ein Jahr lang monatlichen Beratungen unterziehen. Die Beratungen fanden in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses statt. Wir waren über ein Dutzend genderdiverse Personen, die im Morgengrauen auftauchten – manche von uns schon um 2 Uhr morgens –, warteten, bis der Arzt uns um 11 Uhr kurz aufrief, nur um unseren Namen in eine Liste einzutragen und schlagartig wieder zu gehen, um dann dasselbe Prozedere im nächsten Monat zu wiederholen. Das System war rein routinemäßig und administrativ, ohne jede reale Beziehung zwischen Arzt und Patient*innen – im Guten wie im Schlechten. Die Stigmatisierung war in der Luft praktisch greifbar, ebenso wie die Vorstellung, dass wir schließlich Psychiatriepatient*innen seien und nicht ernst genommen werden müssten. Andere trans-Personen haben sich seitdem über die unhaltbaren Zustände in dem Krankenhaus beschwert.

Am ersten Tag wurde mir eine Akte mit einer Art Fragebogen ausgehändigt, in dem eine Vielzahl persönlicher Fragen zu meiner allgemeinen psychischen Gesundheit und meinem häuslichen Leben sowie Fragen zu früheren Erfahrungen mit sexueller Gewalt und Mobbing gestellt wurden. Anschließend wurde mir eine Pflichtsitzung bei einem Therapeuten zugewiesen, der grundlegende Fragen stellte – etwa ob ich depressiv oder suizidal sei. Er sah mir kaum in die Augen, und ich hatte das Gefühl, dass er mich kaum ertragen konnte. Ich habe diesen Therapeuten nie wieder gesehen. Nachfolgende Sitzungen bestanden lediglich darin, darauf zu warten, dass das wichtige Papier unterschrieben wurde. 

Selbst diese kleine Atempause droht uns genommen zu werden, da es auf Regierungsebene jüngst Debatten über die Abschaffung solcher Programme gibt, die während des Schreibens dieses Artikels noch unentschieden sind.

Es war offensichtlich, dass der Raum ihnen mehr als nur Papierkram bot: eine Chance zum Netzwerken, zum Gesehenwerden und zum Ausdrücken ihrer selbst in nominalen und winzigen Schüben von Freiheit.

Geschichten sammeln

Da dies eine goldene Gelegenheit war, die jeden Moment entgleiten konnte, verspürte ich das Bedürfnis, eigene Dokumentationsarbeit zu leisten. Ich hatte noch nie so viele genderdiverse Personen an einem Ort versammelt gesehen, und das am helllichten Tag. Es war eine einmalige Chance, ihre Geschichten zu erzählen. Ich erwischte mich dabei, wie ich geheime Interviews mit meinem iPhone 7 drehte. Das Filmen auf dem Krankenhausgelände ohne Genehmigung war verboten – selbst mit einem fast ausgestorbenen Telefon –, sodass ich zwischen dem Zuhören ihrer Geschichten und dem Ausweichen des gelegentlichen Sicherheitspersonals jonglieren musste.

Da ich selbst eine genderdiverse Person bin, fiel es mir leichter, mit den Patient*innen zu sprechen; die Schichten des Panzers aufzubrechen, den sie trugen, um sich vor den harten Urteilen anderer zu schützen, an die sie so gewöhnt waren.

Einige Personen mit weiblichen Merkmalen erzählten mir, dass sie auf ihrem Arbeitsweg erheblichen Herausforderungen ausgesetzt waren; oft mussten sie Belästigungen im Zug aus ihren Heimatstädten außerhalb von Kairo trotzen oder ihren Familien zu Hause entkommen. Es war offensichtlich, dass der Raum ihnen mehr als nur Papierkram bot: eine Chance zum Netzwerken, zum Gesehenwerden und zum Ausdrücken ihrer selbst in nominalen und winzigen Schüben von Freiheit.

Natürlich litten viele von ihnen unter großem Stress sowie unter Diskriminierungsängsten – etwas, das ich bei ihnen als allgegenwärtig beobachtet habe. Die Barrieren, denen sie in ihrem täglichen Leben ausgesetzt sind, haben dazu geführt, dass viele von ihnen Symptome von Depressionen, Selbstverletzung und Suizidgedanken zeigten. Viele flohen aus grenzwertig gefährlichen Haushalten und hatten keine Unterstützungssysteme. Einige wurden sogar von ihren Arbeitsplätzen gefeuert. Viele pendelten stundenlang, obwohl sie knapp bei Kasse und auf absehbare Zeit arbeitslos waren. Die Krankenhausverwaltung sah diese Stressfaktoren als natürliches Nebenprodukt ihrer „Geschlechtsstörung“ an und nicht als ein übergreifendes gesellschaftliches Problem systemischer Misshandlung oder Unterdrückung.

Tägliche Diskriminierungen

Einige passten optisch gut genug hinein, um den noch gravierenderen Zwängen zu entgehen, die das tägliche Leben sonst mit sich gebracht hätte. Ich traf einen trans-Jungen, der als Lieferfahrer, und ein trans-Mädchen, das international als Model arbeitete. Klassenmerkmale spielten eine erhebliche Rolle dabei, wie sie in der Gesellschaft wahrgenommen oder geschützt wurden. Trotzdem litten wir alle unter dem Joch des Papierkrams; wenn das Geschlecht auf dem Papier nicht mit dem übereinstimmte, wie man nach außen aussah, geriet man in Schwierigkeiten. Daher der Reiz des Krankenhauses und sein Versprechen auf Papiere, die besagten, dass wir psychisch krank seien.

Diese Haltung ist ein vorherrschender Glaube in der zeitgenössischen ägyptischen Gesellschaft – so sehr, dass in einem kürzlich viral gegangenen Social-Media-Beitrag eine feminin wirkende Person mit männlichem Körper aus Alexandria zu sehen ist, wie sie weinend in ihre Handykamera fleht, das tägliche Mobbing zu stoppen. Die Person sagt, sie leide an einer Störung, die sie feminin mache – in Anspielung auf die Störung der Geschlechtsidentität – und bittet daher um die Barmherzigkeit, in Ruhe gelassen zu werden.

Ein weiteres jüngstes Beispiel aus den sozialen Medien findet sich auf dem Instagram-Kanal des Innenministeriums des Landes (@moiegypt), das die Fahndungsfotos zweier queerer Personen als Form öffentlicher Demütigung postete. 

Ein Screenshot eines Social Media Posts der ägyptischen Regierung, die sich über genderdiverse Menschen lustig machen.

Wir werden von Muslimen, Kopten und Atheisten gleichermaßen diskriminiert.

Nicht die Religion allein

Es ist interessant, dass entgegen landläufigen Erwartungen die Religion meiner Meinung nach nicht der Hauptschuldige an unserer Unterdrückung zu sein scheint. Wir werden von Muslimen, Kopten und Atheisten gleichermaßen diskriminiert. Religion wird, wie überall sonst auch, als Krücke genutzt, auf die man sich stützt, um unsere Unterdrückung zu entschuldigen; doch dann entstehen viele Scheinheiligkeiten, da diejenigen, die Frömmigkeit zur Schau tragen, oft selbst keine tiefgläubigen Heiligen sind. Menschen auf der ganzen Welt versuchen, durch Unterdrückung Macht zu erlangen, indem sie Religion oder andere gesellschaftlich akzeptierte Vorwände nutzen, um Kontrolle über eine Minderheit auszuüben – in diesem Fall wird Transmedizinalismus eingesetzt. Bestimmte ökonomische Zwänge verschärfen das Problem meiner Meinung nach, da der Mehrheit der Jugendlichen der Zugang zu angemessener Bildung oder kulturellen Einrichtungen und Angeboten fehlt. Letztlich spielen auch die Gesetzgebung und die Haltung auf Regierungsebene eine große Rolle dabei, wie die Öffentlichkeit uns wahrnimmt. Ungeachtet dessen, dass Homosexualität nicht formell verboten ist, geht die überwältigende Mehrheit der Ägypter*innen davon aus, dass sie es ist. Und so kontrollieren sich die Menschen gegenseitig, und diese Kontrolle manifestiert sich in überwältigenden Ressentiments von Homophobie.

Leilas Festnahme

Ich habe mit Laila (ein Pseudonym) gesprochen, einer trans-Frau, die sich zuvor medizinischen Konsultationen für ihre Transitionsunterlagen unterzogen hatte. Laila erzählte, wie sie festgenommen wurde, als sie auf dem Weg war, eine Freundin zu treffen, die sie als ihre „trans-Mutter“ beschreibt.

Sie hatte vorher angehalten, um etwas zu kaufen, als laut ihren Angaben ein in der Nähe stationierter Polizist sie mit unangemessenen sexuellen Bemerkungen belästigte. Als sie ging, näherten sich ihr Polizisten und erklärten, ihr Vorgesetzter wolle mit ihr sprechen. Es war derselbe Beamte, der sie Momente zuvor belästigt hatte. Sie spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. Der Beamte verlangte ihren Ausweis, da er wusste, dass sie eine trans-Person war. Beim Versuch, eine gefährliche Situation zu navigieren, die queere Kairoer fürchten – und in öffentlichen Räumen oft erwarten müssen –, sah sich Laila gezwungen, ihren offiziellen Ausweis vorzulegen, auf dem ihr Geschlecht als männlich eingetragen ist, was dazu führte, dass die Beamten sie festnahmen.

Sie wurde nach vagen „Unzucht“-Statuten angeklagt – Gesetzen, die von den ägyptischen Behörden häufig als Waffe gegen LGBTQ+-Personen eingesetzt werden –, die eine potenzielle Haftstrafe und anschließende polizeiliche Überwachung nach sich ziehen.

Schikanen durch den Staat

Sie verbrachte mehrere Tage in Gewahrsam, in was sie als „die schrecklichsten paar Nächte meines gesamten Lebens“ beschrieb. Laut Laila durchsuchten die Beamten sie gewaltsam entkleidet, fotografierten sie nackt, griffen sie körperlich an, belästigten sie verbal, sperrten sie in eine überfüllte Männerzelle und konfiszierten ihre persönlichen Gegenstände, darunter ihren Schmuck, ihre Hautpflegeprodukte, ihr Ladegerät und ihre Kopfhörer. Sie berichtete, dass die Beamten sogar ihre angeklebte Perücke gewaltsam entfernten und behielten. Mit einem Schuss düsteren Humors fügte sie hinzu, dass das einzige Teil, das sie ihr ließen, ihre Lidschattenpalette war – „weil sie die nicht gebrauchen konnten“ – eine kleine Erleichterung, da es das erste Make-up-Produkt war, das sie sich nach ihrer Transition selbst gekauft hatte.

Laila wurde schließlich auf Kaution freigelassen, obwohl ihr Verfahren noch anhängig ist. Sie wurde nach vagen „Unzucht“-Statuten angeklagt – Gesetzen, die von den ägyptischen Behörden häufig als Waffe gegen LGBTQ+-Personen eingesetzt werden –, die eine potenzielle Haftstrafe und anschließende polizeiliche Überwachung nach sich ziehen, basierend auf dem, was sie als private Textnachrichten an Freunde bezeichnet. Derzeit hält sie sich bedeckt; obwohl sie die Möglichkeit hat, Berufung einzulegen, warnten Rechtsbeistände, dass sie bei einer Rückkehr vor Gericht Gefahr läuft, sofort wieder inhaftiert zu werden.

Während ihrer Haft konnte sie nicht zur Arbeit erscheinen und wurde in der Folge entlassen. Dennoch merkte sie an, dass die Situation ohne ihre medizinischen Unterlagen noch viel schlimmer hätte kommen können: Ohne diese wäre eine Kaution wahrscheinlich nicht gewährt worden und es hätten ihr zusätzliche Anklagen wegen „Nachahmung des weiblichen Geschlechts“ gedroht. Ihre Erfahrung spiegelt eine breitere, gut dokumentierte Realität für trans-Personen wider, die in Ägypten staatlicher Überwachung und Schikane ausgesetzt sind.

Bei einer früheren Festnahme wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten öffentlichen Versammlung – wo öffentliche Versammlungen ohne Genehmigung stark kriminalisiert werden – habe ich aus erster Hand erfahren, wie Staatsbeamte bei Verhören mit Geschlechtsidentität umgehen. Vor der Befragung warnte mich mein Anwalt, dass die Behörden oft zu ergründen versuchen, ob die Transition einer Person als vorsätzliche „Wahl“ oder als angeborene medizinische Bedingung angesehen wird – eine Verhörlinie, die häufig genutzt wird, um moralische Schuld oder kriminelle Absicht zu unterstellen. Als ich in dieser Sache bedrängt wurde, verweigerte ich die Antwort, was den Beamten zu der Erklärung veranlasste, meine Identität sei eine Entscheidung gewesen. Mein Anwalt merkte später an, dass, falls die Situation eskaliert wäre, offizielle medizinische Dokumente eines Krankenhauses für meine Verteidigung von entscheidender Bedeutung gewesen wären.

Nach meiner Freilassung wurde mir von Menschen aus meiner Nachbarschaft erzählt, dass Polizeibeamte die Gegend aufgesucht und Gerüchte über die Art meiner Festnahme verbreitet hatten – eine gängige Taktik, um queere Aktivist*innen gesellschaftlich zu isolieren und einzuschüchtern.

Wir suchen nicht nach dem Westen, um uns zu retten, und der Zustand unserer Zukunft ist kein hoffnungsloser.

Anderssein als Widerstand

Wir werden durch das gesellschaftlich konstruierte Konzept der Störung der Geschlechtsidentität und das Versprechen von Schutz, das ein solches Label bietet, zu psychisch Kranken gemacht. Einige entscheiden sich dagegen aufzubegehren, andere glauben aufrichtig, dass sie daran leiden, und beten darum, eines Tages und irgendwie eine Heilung zu finden. Doch die einzige Heilung, die ich mit eigenen Augen gesehen habe, war die Widerstandskraft, die durch das Dasein als Außenseiter geschmiedet wurde – indem wir unsere Wahrheit kennen und Papierkram als Werkzeug nutzen, um in einer Welt, die nicht viel Sinn ergibt, unseren Willen durchzusetzen.

In den Grenzen einer kleinen Psychiatrieabteilung in einem berüchtigten öffentlichen Krankenhaus kamen wir für ein gemeinsames Ziel zusammen: ein staatlich gestempeltes Papier, das uns für verrückt erklärt – im Guten wie im Schlechten.

Abschließend möchte ich klarstellen, dass wir trotz überwältigender Widrigkeiten keine Opfer sind. Wir suchen nicht nach dem Westen, um uns zu retten, und der Zustand unserer Zukunft ist kein hoffnungsloser. Ich persönlich glaube, dass legislative Entscheidungen die gesellschaftliche Haltung gegen uns prägen. Das in Ägypten ansässige Rechtsforschungsinstitut Cairo52, das in diesem Artikel ausgiebig als Quelle herangezogen wurde, hat umfangreiche Arbeit geleistet. Im März 2026 gewannen sie eine wegweisende Klage gegen den Ausschuss für Geschlechtsangleichung der ägyptischen Ärztekammer. Dies war das erste erfolgreiche Urteil dieser Art, das das Recht einer trans-Person auf geschlechtsangleichende Versorgung aufrechterhielt. Dieses Licht am Ende des Tunnels zeigt uns, dass die Arbeit nicht nur aktiv getan wird, sondern auch, dass sie funktioniert!

Aus dem englischen Original übersetzt von Karina Sturm. In Kollaboration mit The Global Disability News Network.

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