„Es war mutig von mir, diese Rolle zu spielen.“ – 5 Fragen an Schauspielerin Celina Scharff

Eine Frau mit kurzen braunen Haaren steht am Fenster und schaut nachdenklich nach draußen; ihr Gesicht spiegelt sich im Glas. Warmes Licht fällt seitlich auf ihr Gesicht und hebt die ernste, ruhige Stimmung hervor.
Szene aus dem Film "Luisa": Die sonst so lebenslustige junge Frau (Celina Scharff) zieht sich immer mehr zurück. Fotocredit: Daniel Pilar
Lesezeit ca. 4 Minuten

Celina Scharff steht seit über zehn Jahren auf der Bühne. Jetzt ist sie erstmals in einer Kinohauptrolle zu sehen. In „Luisa“ spielt sie eine junge Frau, deren Leben aus den Fugen gerät, als bei ihr eine unerwartete Schwangerschaft festgestellt wird. Der Film macht ein oft verdrängtes Thema sichtbar: sexualisierte Gewalt an Menschen mit Behinderung. Im Interview spricht sie über ihre Rolle und die Arbeit im inklusiven Team.

Seit über zehn Jahren ist Celina Scharff Teil des inklusiven Theaterkollektivs „Meine Damen und Herren“, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Stücke entwickeln und auf die Bühne bringen. Ab dem 23. April 2026 ist sie erstmals in einer Hauptrolle im Kino zu sehen: In „Luisa“ spielt sie die titelgebende Hauptfigur, die gemeinsam mit anderen in einer betreuten Wohneinrichtung für behinderte Menschen am Rand der Stadt lebt. Die sonst neugierige, lebensfrohe junge Frau zieht sich zunehmend zurück – bis eines Tages bekannt wird, dass sie schwanger ist. Ihr Freund Anton kommt als Vater nicht infrage, da er unfruchtbar ist – und so richtet sich der Verdacht auf das Umfeld der Wohneinrichtung.
Mit „Luisa“ rückt ein Thema in den Fokus, das im Kino – und auch darüber hinaus – bisher kaum sichtbar ist: sexualisierte Gewalt an Menschen mit Behinderung, insbesondere an Frauen und häufig im Kontext von betreutem Wohnen. Nicht-behinderte und behinderte Personen arbeiteten gemeinsam am Drehbuch und am Set, um diese Realität sensibel und authentisch in die Öffentlichkeit zu bringen. 

Luise Bruche: Wie bist du zum Schauspielern gekommen? Was macht dir daran Spaß?

Celina Scharff: Es hat mir Spaß gebracht, andere Personen zu spielen. Wenn ich Filme geschaut habe, haben mich andere Schauspieler*innen interessiert. Ich war so begeistert, wie sie spielen. Die haben mich inspiriert und da habe ich nur gedacht: „Das möchte ich auch machen!“ – So bin ich Schauspielerin geworden. Ich spiele gerne andere Figuren, weil ich immer wieder Neues entdecken kann.

Du spielst sonst Theater in der Hamburger Gruppe „Meine Damen und Herren“. Jetzt hast du mit „Luisa“ zum ersten Mal in einem Film gespielt. Was war für dich anders als beim Theater?

Ja, ich spiele eigentlich nur Theater. Film macht mir aber mehr Spaß und es war eigentlich mein zweiter Film. Bei meinem ersten Film habe ich eine kleine Nebenrolle gespielt und das zweite Mal war „Luisa“. Das war meine erste Hauptrolle im Film. Und was beim Film anders ist, ist die Reihenfolge. Die Szenen werden nicht nach der Reihenfolge gedreht, sondern durcheinander. Szenen müssen oft wiederholt werden und beim Theater wird alles einmal durchgespielt von Anfang bis Ende. Am Set sind viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Aufgaben. Nach dem Dreh muss man warten, bis der Film geschnitten ist.

Eure Gruppe „Meine Damen und Herren“ hat auch gemeinsam mit den Regisseur*innen am Drehbuch für „Luisa“ gearbeitet. Wie lief das gemeinsame Schreiben ab? Erinnerst du dich an Ideen von dir oder aus der Gruppe, über die ihr dabei gesprochen habt?

Wir haben mit der Regisseurin Julia das Drehbuch durchgelesen und sie hat Fragen gestellt und wir haben Fragen gestellt. Dann gab es Änderungen oder auch Szenen, die wir nicht spielen wollten, dafür haben wir andere Ideen erzählt. Wir haben Szenen improvisiert und daraus sind Texte entstanden. Wir haben gemeinsam überlegt, welche Charaktereigenschaften die Figuren haben. Und wir haben über schwierige Wörter gesprochen.

Eine weiß gelesene Person im weißen Hoodie streckt beide Handflächen nach vorne, die Daumen aneinander. Sie trägt einen Ring am linken Mittelfinger. Ihre dunklen Haare sind schulterlang und offen, sie trägt roten Lippenstift und lächelt leicht.

Celina Scharff

Celina Scharff wurde 1996 in Hamburg geboren. 2015 begann sie ihre Schauspielausbildung beim Hamburger Theater-Kollektiv “Meine Damen und Herren”, einem Projekt des inklusiven Kunst- und Kultur-Netzwerks “barner 16”. Dort hat sie seitdem in vielen Theaterstücken wie zum Beispiel “Der Tag, an dem Kennedy ermordet wurde und Mimmi Kennedy Präsidentin wurde” oder “Hyper Hyper - Ein Lucky Loop” mitgewirkt und gehört inzwischen fest zum Ensemble. Im Drama “Luisa” übernahm Celina 2026 erstmals eine Hauptrolle in einem Kinofilm.
Fotocredit: Felix Posner

Ich spiele gerne andere Figuren, weil ich immer wieder Neues entdecken kann.

Gab es etwas, das dir beim Spielen deiner Figur besonders wichtig war? Wolltest du etwas an ihr unbedingt zeigen?

Luisa ist eigentlich eine sehr fröhliche und neugierige Person. Sie hat Anton, ihren Freund und ihre Eltern, und auch eine Freundin, Tanja. Dann passiert ihr was Schlimmes und sie wird leise. Ich wollte zeigen, dass Luisa mutig ist, obwohl ihr was Schlimmes passiert ist. Ich wollte, dass Luisa erzählt, was ihr passiert ist.

Im Film erlebt deine Figur mehrere sexuelle Übergriffe, also sehr belastende Situationen. Wie ging es dir damit, diese Erfahrungen zu spielen?

Es war manchmal sehr unangenehm, solche Szenen zu spielen und ich wurde auch einmal gedoubelt. Es war eine große Herausforderung, die unterschiedlichen Gefühle von Luisa zu spielen. Ich musste viel über Luisa nachdenken. Ich wollte sie auch zuerst nicht spielen und es dann doch versuchen. Es war mutig von mir, diese Rolle zu spielen. Nach den Drehtagen haben wir schöne Sachen gemacht.

Hilfestellen für Menschen / Frauen mit Behinderung beim Thema sexualisierte Gewalt

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