#73 Demokratie – Nicht ohne uns! (LIVE von der Leipziger Buchmesse 2026)

Raúl Krauthausen, Karina Sturm, Arne Semsrott und Jonas Karpa sitzen auf einer Bühne der Leipziger Buchmesse und halten Mikrofone in der Hand.
Waren Live auf der Leipziger Buchmesse und sprachen über Demokratie: Raúl Krauthausen, Karina Sturm, Arne Semsrott und Jonas Karpa (v. l. n. r.) Foto: privat
Lesezeit ca. 2 Minuten

In Folge 73 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Jonas Karpa, Karina Sturm und Raúl Krauthausen live von der Leipziger Buchmesse 2026 mit dem Aktivisten, Journalisten und Politikwissenschaftler Arne Semsrott über die Frage: Was hat Demokratie eigentlich mit Inklusion zu tun – und warum funktioniert das eine nicht ohne das andere?

Alle Folgen des Podcasts zum Nachhören:

Das Transkript zur Podcastfolge “Demokratie – Nicht ohne uns!”

Ausgehend vom Titel „Demokratie – nicht ohne uns!“ geht es um den aktuellen Zustand von Demokratie und Inklusion in Deutschland – und darum, wer eigentlich mitgemeint ist, wenn von Teilhabe gesprochen wird. Schnell wird klar: Während Deutschland demokratisch vielleicht im Mittelfeld liegt, hinkt es bei Inklusion oft hinterher. Besonders deutlich zeigt sich das etwa bei der geplanten Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), die statt Fortschritt eher Rückschritte befürchten lässt.

Raúl beschreibt, wie Barrieren im Alltag nicht nur bestehen bleiben, sondern teilweise sogar wieder zunehmen – etwa wenn Menschen mit Behinderung aus vermeintlichen „Sicherheitsgründen“ von Orten ausgeschlossen werden. Gleichzeitig geht es um die große Frage: Wie sieht eine inklusive Gesellschaft eigentlich aus? Eine, in der wirklich alle Räume zugänglich sind – und in der Menschen mit Behinderung nicht nur teilhaben, sondern auch gestalten und entscheiden.

Karina bringt eine Perspektive ein, die oft übersehen wird: die von Frauen mit unsichtbaren Behinderungen, die selbst mit Diagnose nicht ernst genommen werden – mit teils gravierenden Folgen. Es geht um Machtverhältnisse, Hierarchien und die Frage, warum bestimmte Erfahrungen systematisch ignoriert werden.

Ein zentraler Teil des Gesprächs dreht sich um Aktivismus und die Rolle der Zivilgesellschaft. Arne spricht über sein Buch „Gegenmacht. Die Zivilgesellschaft schlägt zurück. Eine Anleitung für die demokratische Offensive. Demokratie, Widerstand und Optimismus.” und darüber, warum Veränderung oft nicht am Verhandlungstisch entsteht, sondern durch Druck von außen. Anhand von Beispielen wie den sogenannten Tennisball-Protesten im Fußball zeigt er, wie wirksam kollektiver Widerstand sein kann – und warum Konflikt ein wichtiger Bestandteil demokratischer Prozesse ist.

Dabei wird auch diskutiert, wie Protest für alle zugänglich sein kann – denn klassische Demonstrationen schließen viele Menschen aus. Welche neuen, kreativen Formen von Protest braucht es also? Und wie können auch Menschen mit Behinderung wirksam politische Veränderungen anstoßen?

Am 5. Mai findet zum Beispiel anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Berlin eine große Demonstration unter dem Motto „Neustart Inklusion“ statt. 

Außerdem geht es um konkrete Initiativen und Projekte wie Frag den Staat, die sogenannten PRÜF!-Demos oder das Format „Fun Facts“, die zeigen, wie demokratisches Engagement heute aussehen kann – niedrigschwellig, kreativ und gemeinschaftlich.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen – und Inklusion entscheidet darüber, wer das überhaupt kann. Oder anders gesagt: Demokratie gibt es nicht ohne uns.

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