„Am besten durch die Tiefgarage.“ Ein Comic zum Thema Barrieren bei der Wohnungssuche

Links ein Mund in einem Handy, der aus vollem Hals „BARRIEREFREI“?? schreit, dass der Person mit Brille, schwarzen Haaren und Bart durchgeschüttelt wird.
Wie ist es, als Mensch mit Behinderung, eine Wohnung zu suchen? Foto: (c) SCHLAFENDEHUNDEWECKEN
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Viele halten Neubauten für barrierefrei, doch selbst modernste Gebäude zeigen gravierende Lücken. Die Baunormen sind veraltet, und Planer*innen denken Menschen mit Behinderungen schlicht nicht mit. Ein Comic von Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann der Initiative SCHLAFENDEHUNDEWECKEN.

Wie barrierefrei sind Neubauten?

Diese Geschichte macht auf einen weitverbreiteten Irrglauben aufmerksam: Viele glauben, Neubauten seien durchweg barrierefrei oder rollstuhlgerecht. Doch oftmals stimmt das nicht.

Selbst bei Neubauten beschränkt sich die Barrierefreiheit meist auf Mobilitätseinschränkungen. Sehbehinderte Menschen werden in den meisten Mietshäusern nicht mitgedacht – etwa bei Touchscreens an modernen Kochherden oder bei Gegensprechanlagen. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Auch bei Rollstühlen denken Planer*innen oft zu kurz: Sie berücksichtigen meist nur die herkömmlichen Aktivrollstühle, nicht aber Elektrorollstühle, die mehr Platz brauchen. Verantwortlich dafür sind auch die veralteten SIA-Baunormen (Anm.d.Red: maßgebende Regelwerk für das Planen und Bauen in der Schweiz), die dringend überarbeitet werden müssen.

Wieder mal nicht mitgedacht

Diese Geschichte macht auch deutlich, dass das Personal von Verwaltungen oft absolut keine Ahnung von Behinderung hat. Auf unserer bereits zwei Jahre dauernden Wohnungssuche ist uns noch keine Verwaltung begegnet, die sich auch nur ansatzweise mit Behinderung befasst hat – geschweige denn sich damit auskannte.

Ein weiteres grosses Problem: Für Bauherr*innen und Architekt*innen endet Rollstuhlgängigkeit offenbar an der Wohnungstüre. Labyrinthartige Wege durch Tiefgaragen und schwere Brandschutztüren zur eigenen Wohnung machen diese weder rollstuhlgängig noch barrierefrei. Hier fehlt schlicht das Nachdenken über die Menschen, die später dort wohnen sollen.

Jasmin sagt sarkastisch, mit einem entmutigten Gesichtsausdruck zu Valentin, dass sie wieder die Extrawurst seien, weil sie durch die Tiefgarage gehen müssen.
Die beiden gehen mit den anderen Menschen auf Wohnungsbesichtigung durch die Tiefgarage. Jasmin im Rollstuhl merkt an, dass es ganz schön steil ist.
Ansicht von oben auf die Tiefgarage: Die rote Markierung des Weges zur Wohnung schlängelt sich an Autos und mehreren Brandschutztüren vorbei. Diese sind für Personen im Rollstuhl nicht zugänglich. Auch zur Waschküche gibt es zwei Treppenstufen. Einmal verirrt sich der Makler und der verlauf der rote gestrichelte Markierungslinie wendet.
Der Makler sagt mit aufschneiderischer Mimik zu den Wohnungsbesichtigenden, dass es ein Neubau sei.
Ansicht von oben auf ein Treppenhaus und einen Flur mit Aufzug. Der barrierefreie Weg ist als rote Linie markiert, die an mehreren Brandschutztüren vorbeiführt. Jasmin steht mit dem Rollstuhl vor dem Lift. Sie flüstert Valentin zu, sie hoffe, es gäbe noch einen anderen Weg ins EG. Der Makler sagt, er und die anderen Interessierten nehmen die Treppe.
Im Eingangsbereich: Jasmin merkt überrascht an, dass sie ja jetzt beim Hauseingang sind. Der Makler bestätigt dies beiläufig während er die Türe zur Wohnung öffnet.
Der Makler führt die Interessierten in die Wohnung. Valentin fragt, ob es keinen barrierefreien Weg zur Wohnung gibt.
Nahansicht des Maklers. Er sagt verlegen: «Hmm, tja, ich kann es ihnen gerade nicht sagen. Ich suche noch den Keller. Aber schauen Sie ruhig selbst.» Mann kann die Schweissflecke auf seinem zu kleinen Hemd sehen.
Nahansicht der genervten Jasmin. Sie erklärt, dass eine rollstuhlgängige Wohnung nichts nützt, wenn der Weg zur Wohnung selbst nicht barrierefrei ist. Daneben ist eine Sprechblase von Valentin mit «Komm, schauen wir mal».
Ansicht des Wohnhauses von aussen. Valentin und Jasmin stehen auf dem Sitzplatz vor der Wohnung und sprechen miteinander. Sie sehen, dass es keinen barrierefreien Weg zur Wohnung gibt. Sie beschliessen, nach Hause zu gehen. Jasmin sagt ironisch, dass sie erst nach Hause gehen, wenn sie den Keller gesehen haben.

Dieser Comic ist zuerst bei Reporter*innen ohne Barrieren auf www.rob.ch erschienen.

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